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Full text: 24, 1901

W. Koppen: Erforschung der freien Atmosphäre mit Hülfe von Drachen. 
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und weder den Draht noch die Arbeiter (Handbetrieb!) zu überanstrengen. Auf die Erreichung grosser 
Höhen musste dabei natürlich verzichtet werden; sobald die Station an eine minder verkehrsreiche Stelle 
aus dem Bereich der elektrischen Bahnen hinausverlegt und ein Motor eingestellt sein wird, werden die 
Gespanne grösser werden. 
Ich hoffe, dass Treppen- oder Treppen-Kasten-Drachen sowohl an die Stelle der Malay-, als an jene 
der Hargrave-Drachen werden treten können, entscheidendes lässt sicli aber zur Zeit darüber nocli nicht 
sagen. Bei den bisher von mir verwendeten gemischten Gespannen ist es häufig vorgekommen, dass beim 
Höherkommen in stärkeren Wind der führende Malay-Drache unruhig oder zeitweise sogar ganz herab 
gedrückt wurde, der Hargrave-Drache darunter aber seine Ruhe bewahrte; auf dem Abstieg aber der Malay 
von einer gewissen Höhe ab wieder sich beruhigte und schliesslich er fast allein den Hargrave, nachdem 
dieser den Wind verloren hatte, noch trug; so dass jeder von beiden seine Aufgabe in einem bestimmten 
Theile des Aufstiegs zu erfüllen hatte und auch erfüllte. 
d) Verhütung von Unfällen und Verhalten bei solchen. Unfälle mit den Drachen bedingen 
so viel Zeitverlust, Mühe und Kosten oder unangenehme Verantwortung, dass es das eifrige Streben jedes 
Experimentators sein muss, sie thunlichst zu vermeiden. Besonders in und bei Städten mit grossem Ver 
kehr, wo der Draht Unfälle in diesem hervorrufen kann, darf nicht viel riskirt werden; auf dem Lande ist 
dieses weniger bedenklich. 
Es würde sehr werthvoll sein, eine Statistik der bis jetzt vorgekommenen Unfälle zu besitzen, die die 
Drachen selbst betroffen haben oder durch sie angerichtet worden sind. Es ist aber wenig Aussicht vor 
handen, eine solche zu erhalten, und ein jeder muss sich daher auf seine eigene beschränkte Erfahrung und 
das wenige von ihm Gehörte stützen. 
Eine nennenswerthe Schädigung anderer an Person oder Eigenthum kann nicht durch die Drachen, 
sondern nur durch den Draht bewirkt werden. Bekannt geworden sind bis jetzt nur zwei Fälle, eine mecha 
nische Verletzung in Berlin — Umschlingung des Beines von einem Knaben durch den nachgeschleppten 
Draht eines fortgeflogenen Drachengespanns — und eine durch den elektrischen Strom einer Strassenbahn- 
leitung in Hamburg, ebenfalls durch nachgeschleppten Draht, der sich o km vom Drachenplatz über eine 
solche Leitung legte und zwei Pferde vorübergehend arbeitsunfähig machte. 
Unfälle bei Drachenaufstiegen beruhen gewöhnlich entweder auf dem Reissen der Leine an irgend 
einem Punkte oder auf dem Verluste der Stabilität der Drachen bei starkem Winde, w r obei diese nach mehr 
oder weniger stürmischen, schaukelnden oder sogar kreisenden Bewegungen zu Boden schiessen oder lang 
samer zu Boden gedrückt werden. Viel seltener geschieht es, dass ein Drache wegen zu schwacher Bauart 
in der Luft zerbricht oder zerreisst und dadurch zu Fall kommt. Es kommt also hauptsächlich darauf 
an, 1) die Stabilität der Drachen durch zweckmässige Form und durch Sicherung vor Verbiegungen zu 
sichern, und 2) alle Theile der Leine stark genug zu nehmen und aufs sorgfältigste frei vor jeder Schwächung 
zu bewahren. Zu letzterem Zweck empfiehlt es sich a) den relativ schwersten Theil der Leine, die Schnüre 
des Vorläufers und der Bucht, nur kurz zu nehmen, da man ihn dann so stark wählen kann, dass bei guten 
Knoten ein Reissen in diesem Theile ausgeschlossen ist. Alsdann bleibt zu beachten, dass jeder Punkt des 
Drahts vor Rost und vor Knicken geschützt werden muss, ersteres indem man ihn beständig, namentlich 
wenn er nicht verzinkt ist und während er auf dem Haspel sitzt, in einer Oelhiille erhält, letzteres indem 
man das freie Ende des Drahtes, das am häufigsten am Anfang und Ende jedes x\ufstiegs ausser Spannung 
kommt, abschneidet, sobald ein Knick darin sich nicht hat vermeiden lassen, und indem man den Klemmen 
für die Nebendrachen und das Instrument besondere Sorgfalt zuwendet. Als Deckmittel für den Draht 
scheint Paraffin oder weisse Vaseline — Gemisch einer Modifikation des Paraffins mit einem Mineralöl — 
sich am meisten zu empfehlen. Grosse Vorsicht ist auch auf die Splissungen im Draht zu verwenden, in 
denen übrigens bei den Versuchen der Seewarte noch kein Bruch vorgekommen ist. 
Ferner muss sowohl der Eintritt übermässiger Spannung des Drahtes, als die Gefährdung einzelner 
Stellen desselben durch scharfe Biegungen thunlichst verhindert werden. Arbeitet man mit wechselnden 
Drachengrössen und verschiedenen Drahtdicken, so ist das vorsichtige Abwägen derselben gegeneinander 
und nach den Windstärken, wie in Abschnitt 2 dargestellt ist, ein Haupterforderniss zur Erreichung guter 
Aufstiege ohne Unfälle; bei der veränderlichen Natur des Windes ist aber bei aller Vorsicht ein gefähr 
liches Anwachsen der Spannung nicht auszuschliessen. In dieser Hinsicht sind die elastische Bucht (s. S. 05)
	        
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