Neuere Veröffentlichungen,
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F, Baur: Einführung in die Großwetterforschung. erwähnt, die für Langfristvorhersagen wichtig sind,
Mathematisch-Physikalische Bibliothek, Reihe 1, während der Synoptiker für kurzfristige Vorher-
Bd. 88. B.G. Teubner, Leipzig/Berlin, 1937, 515. :agen auf sie nur wenig Rücksicht zu nehmen
Die gerade in den letzten Jahren, besonders raucht; aber auch er kann aus diesem Kapitel
durch die Arbeiten F. Baurs aufgelebte Groß- 'ür seinen Wissenszweig einige fruchtbare An-
wetterforschung, deren Anfänge allerdings :egungen erhalten, Die im Kapitel Witterungs-
schon in das vorige Jahrhundert zurückreichen, er- »erioden und Wetterrhythmen aufgezählten,
’ährt in dem vorliegenden Band eine zusammen- bisher festgestellten mehrtägigen Perioden von 2, 5,
hängende Darstellung, die um so mehr zu begrüßen 5, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 21, 22, 23, 24, 26,
st, als sie die erste größere zusammenfassende Dar- 27, 28, 29 usw. Tagen zeigen, daß man Perioden
stellung ist, die in diesen Zweig der Meteorologie ‘ast jeder Länge finden kann, aber soll man
einführt. Das in seinem Aufbau klar gegliederte ylauben, daß diese Perioden wirklich alle
Büchlein vermittelt einen guten Eindruck davon, reell sind? fragt der Verfasser. Sicher nicht
daß die Großwetterforschung, deren praktisches in dem Sinne, daß sie alle stets vorhanden
Ziel ja Vorhersagen auf längere Sicht siod, mit wdren und ununterbrochen fortlaufen würden
zanz anderen Methoden arbeiten und vielfach mit wie die tägliche und jährliche Periode...
anderen Faktoren rechnen muß, als sie für kurz- Es sind keine echten Perioden, sondern nur
iristige Vorhersagen zu beachten sind, Rhythmen, wobei in dieses Wort der Sinn
Ausgehend von dem Zusammenhang zwischen zw liegen ist, daß sie erstens nicht immer vor-
mittlerer Luftdruckverteilung und zugehörigem handen sind und zweitens. in ihrer Länge
Witterungsgepräge, wird die Brauchbarkeit der nicht konstant bleiben. Diese Perioden baben
Beziehungen zwischen vorangehender (mittlerer) jaher für die Vorhersage auch nur einen sehr be-
Luftdruckverteilung und nachfolgender Witterung schränkten Wert.
abgewogen. Es zeigt sich aber, daß der pro- Abschnitte über die Einwirkung von Vulkan-
znostische Wert dieser Beziehungen nur bedingt ıusbrüchen, Achsenschwankungen der
ist, da eben auch andere Faktoren, die sich durch Erde, Meeresströmungen, Eisverhältnisse
lie Luftdruckverteilung nicht erfassen lassen (etwa der Polargebiete, des Mondes und der Pla-
das Vorhandensein einer Xchneedecke in den neten, Schwankungen der Sonnenstrah-
Wintermonaten) zu beachten sind, Eine wesent- ‘ung, Sonnenflecken zeigen, daß auch diesen
liche Bedeutung für das Großwetter kommt der Faktoren für das Großwetter zum Teil Bedeutung
stratosphärischen Druckvrerteilung zu, die für zukommt.
lie Steuerung der Druckwellen maßgebend ist, So zeigt dieses ausgezeichnete Büchlein, daß
Die Wichtigkeit ihrer Kenntnis ist erst in den ıur aus einer wohlüberlegten Synthese aller ein-
‚etzten Jahren voll erkannt worden, seitdem läg- ıchlägigen Forschungsverfahren und Forschungs-
äich genügend aerologisches Material vorliegt, so :rgebnisse und unter Berücksichtigung aller be-
daß die Höhenwetterlage laufend verfolgt werden kannten Einflüsse eine zuverlässige langfristige
kann. Der von Baur eingeführte Begriff der Wüiıtterungsvorhersage erwachsen kann. Synoptık
„Doppelsteuerung“ (S, 18), die sich daran und Statistik müssen verbunden werden, und in
äußern soll, daß sich die 24stündigen Druckände- ier Einordnung der statistischen Ergebnisse
:ungsgebiete mit der Strömung in der unteren in die meteorologischen Ergebnisse der Gegen-
Stratosphäre fortbewegen, die dreistündigen Druck- wart liegt die Kunst der Vorhersage
änderungsgebiete dagegen mit der Strömung in selbst. Ein großes wissenschaftliches Rüstzeug
4 bis 5 km Höhe (und bei schwachem Druckgra- ınd viel Vorarbeit ist notwendig, um zu brauch-
dienten in der Hochtroposphäre bzw. unteren Jaren Langfristvorhersagen zu kommen; daß sie
Stratosphäre kann die Richtung beider Strömungen ıber möglich sind, das zeigt die Güte der bisher
verschieden sein), bedarf wohl noch einer näheren ıllerdings nur während der Sommermonate von der
Erläuterung. Das 24stündige Druckänderungs- Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorher-
gebiet bildet doch nur die Superposition von acht ;age des Reichsamtes für Wetterdienst herausge-
dreistündigen Druckänderungsgebieten, diese wiede- gebenen Zehntage-Vorhersagen.
rum nur Sin Integralwert der momentanen Druck- Dem Büchlein ist eine weite Verbreitung zu
Änderungen. Daher müssen doch wohl die Zug- wünschen, schon deshalb, damit auch in Laien-
richtungen der dreistündigen und der 24stündigen kreisen bekannt wird, daß auch der Langfrist-
Druckänderungsgebiete immer gleichgerichtet sein, orognostiker mit vielen Schwierigkeiten zu rechnen
Einen großen Raum nimmt der Abschnitt 1ıat, und daß es illusorisch ist, nur auf Grund der
über Wärmehaushalt und allgemeinen Mondstellung und mit Hilfe des Hundertjährigen
Kreislauf der Atmosphäre sowie die Schwan- Kalenders Langfrist-Vorhersagen zu geben.
kungen des letzteren ein, Hier sind Faktoren Q. Pogade.
B. Neueste Erscheinungen im Bereiche der Seefahrt und der Meereskunde
sowie auf verwandten Gebieten,
a} Werke,
Deutsche Seewarte. Anleitung zur Anstellung | Reichsamt für Wetterdienst. Die mittlere Ver-
von Höhenwindmessungen auf See. Hamburg‘ teilung der Niederschläge im Deutschen
1937. 218,., 7 Taf. 8% Reich (1891—1930). {Karten im Maßstab
Oberkommando der Kriegsmarine. Deviations- 1:1000000 nebst Text.) Lfg. 1: Niederschlags-
bestimmung und Fischbojenplätze unter höhe im Jahr. Berlin: Reimer 1936. 2%
Island. Beihett zum Handbuch für Island, die Baur, F., Einführung in die Großwetter-
Färöer und Jan Mayen 1934. Berlin: Mittler forschung. Leipzig/Berlin: Teubner 1937, 51 S.,
1937. 278. 8%. 12 Abb. im Text. 5% (Math.-Phys. Bibl. I, 88.)
Organisation Met. Int, Les messages synoptiques Tann-Süring. Lehrbuch der Meteorologie,
du temps. Fasc. 5: Meteorogrammes pour 5. vollst. neuhbearb, Aufl, Hrsg. v. R. Süring.
V’Afrique. 3. 6d. 1937. SO S. 8%. Leipzig: Keller 19837. [Ersch, in Lfg.]