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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1911.
Kamtschatka (Westküste). ;
Bericht von Kapitän Hannig, D. »Lysholt«, Reederei Diederichsen & Co.
Allgemeines. Das Land ist bis an den Fuß des etwa 50 Sm von der Küste
entfernten Gebirges niedrig und gleichförmig. Meilenweite Moore und Sümpfe,
welche von zahlreichen Flüssen durchschnitten werden, und Heidelandschaften
wechseln miteinander ab. Mehr landeinwärts geht die Vegetation in niedrigen
Laubwald über, der während des kurzen Sommers ein kümmerliches Dasein
fristet. Die Küste bietet daher zur Bestimmung des Schiffsortes keinerlei Land-
marken. Sie erstreckt sich von Opala an einförmig und in fast gerader Richtung
nordwärts, vorspringende Punkte oder Einbuchtungen sind nirgends vorhanden.
Nur bei Krutogorowa nähert sich ein etwa 40 m hoher Höhenzug der Küste.
Die vom Gebirge herabkommenden Flüsse strömen fast alle senkrecht zur Küste
bis nahe an diese heran, biegen dann plötzlich um und ergießen sich, mit der
Küste parallel laufend, erst mehrere Meilen weiter ins Meer. Sie sind von der
See häufig nur durch eine 100 m breite Kiesbank getrennt, vor der Mündung
liegt eine bei Niedrigwasser fast trockenfallende Barre. Der ganzen Küste
sind solche, mehrere Meter über Hochwasser sich erhebende Kiesbänke vor-
gelagert, welche vom Festlande in der Regel durch haffartige, 50 bis 100 m
breite Wasserarme getrennt sind, Diese Küstenformation wiederholt sich in fast
ununterbrochener Folge, so daß nur kurze Strecken des festen Landes bis ans
Meer herantreten. Bei Annäherung an die Küste wird der Schiffsort in der
Regel viel weiter vom Lande ab geschätzt, als es in Wirklichkeit der Fall ist,
da das niedrige Land erst spät in Sicht kommt. Untiefen und sonstige Gefahren
für die Schiffahrt sind nicht vorhanden, jedoch ist rechtzeitig vom Lot Gebrauch
zu machen. In 23 bis 3 Sm von der Küste ist die Wassertiefe etwa 6 Faden, sie
nimmt bis auf 3 bis 4 Faden in 1 Sm vom Lande ab, Der Grund besteht aus
Kies und grobem Sand, Weder im Jahre 1908 noch auf der letzten Reise im
Jahre 1910 wurden Steine oder Riffe vorgefunden. Die vorhandenen Karten sind
jedoch alle im höchsten Grade unzuverlässig, wie das in diesen abgelegenen
Gegenden ja auch nicht anders zu erwarten ist. Die britische Admiralitätskarte
Nr. 2388, verbessert 1903, und die russische Karte, welche für 1909 verbessert
war, wiesen die gleichen Fehler auf,
Das Landen ist außerordentlich schwierig, längs der ganzen Küste steht
eine hohe Brandung, die selbst bei ruhigem Wetter eine Landung sehr erschwert
und manchmal tagelang unmöglich macht. Die größte Brandung herrschte bei
einsetzender Flut, während sie bei Ebbstrom abnahm. Die Flußmündungen
waren mit der Dampfpinasse (Modell der Kaiserlichen Marine) nur bei Hoch-
wasser zu passieren, wenn nicht die auf der Barre stehende besonders gefähr-
liche Brandung es gänzlich verhinderte. Die Gezeitenströmungen setzten mit
einer Geschwindigkeit von 2 bis 3 Sm längs der Küste, Flutstrom nach Nord,
Ebbstrom nach Süd; die Hubhöhe betrug nach den vorgenommenen Lotungen
8 bis 9 Fuß.
Im August wurden häufig Nebel angetroffen. Die Winde wehten bis
Mitte September aus nördlichen Richtungen; Windstillen waren häufig.
Später traten heftige Südstürme auf, die schließlich zum Verlassen der Küste
zwangen. Die Küste ist im Sommer das Ziel russischer und japanischer Fischer,
von denen namentlich die letzteren, durch den gewaltigen Fischreichtum ange-
lockt, in großer Zahl erscheinen, Ihre Zahl ist an dieser Küste weit über 1000.
Sie kommen im Juni auf kleineren Segelfahrzeugen, meist Zweimastschonern,
und errichten am Strande ihre großen Strohhütten, An günstigen Tagen werden
nicht selten 10000 bis 12000 Stück Lachse gefangen; die Fische werden am Strande
gereinigt und gesalzen und dann auf die Schoner verladen, Ende August werden
die Fischereien verlassen, die Strohhütten werden abgebrannt und die Reise
nach Hakodate angetreten. Diese Stadt ist der Hauptmarkt für die Fischer,
auch die Russen setzen ihren Fang dort ab. Obgleich den Russen das Fischerei-
recht in den Flüssen vorbehalten ist und ihre Anlagen auch die der Japaner an
Güte übertreffen — Holz- oder Wellblechschuppen —, so sind sie den Japanern ge-