46
Seekarten und mehr
Die Schiffseinsätze verteilten sich auf folgende Aufgaben:
Übersicht Schiffseinsätze
Vermessungsfahrten:
32105
Wartungsarbeiten:
2594
Monitoring:
16460
Baumuster:
3243
10000
20000 30000
sm
Eine besondere Zäsur bedeutete die Außerdienststel
lung der GAUSS, die Ende 2006 unter großem Medien
interesse in Hamburg offiziell verabschiedet wurde.
Nach 26 Jahren musste das größte Forschungsschiff
(BRZ 1 684) des BSH aus Sparzwängen außer Dienst
gestellt und verkauft werden. Über 1,3 Millionen
Kilometer (743 000 sm) hatte die GAUSS für Meeres
forschung und Meeresumweltschutz zurückgelegt,
soviel wie fast 31 mal um die Erde.
Vermessungsverfahren
Die aktuellen Wassertiefen unterliegen jeweils den
variierenden Einflüssen der Gezeiten und des Wetters.
Für die Navigation müssen daher die Tiefenangaben
stets auf einen einheitlichen, zeltunabhängigen ver
tikalen Bezugshorizont bezogen sein, das Seekar
tennull (siehe S. 47). Während das Satellitenpositio
nierungssystem GPS für die Ortsbestimmung schon
lange genutzt wird, kann der zeitabhängige Anteil der
geloteten Tiefen bisher nur durch Pegelablesungen
korrigiert („beschickt“) werden. Dies erfolgt durch
eine zeitliche und räumliche Extrapolation der an den
Küstenpegeln auf SKN bezogenen Wasserstände auf
den Seebereich (sogen. Wasserstandserrechnungs
karte). Das Verfahren ist jedoch sehr aufwendig und
weist zudem ortsabhängige systematische Fehler auf.
Diese könnten nur im Wege einer in-sltu-Bestlmmung
des momentanen Korrekturwertes der gemessenen
Wassertiefe zum SKN vermieden werden.
Zur Verbesserung des derzeitigen Vermessungsver
fahrens könnte GPS für die lokale Beschickung der
gemessenen Wassertiefen eingesetzt werden, da
GPS mit dem horizontalen Ort auch die Höhe über
dem Erdelllpsold WGS84 misst. Voraussetzung ist,
dass die Lage des SKN-Bezugshorizontes gegen
über dem Ellipsold bekannt Ist und die mit GPS
gemessenen Höhen hinreichend genau sind.
Die dafür erforderlichen Verfahren hat das BSH in
einem mehrjährigen Projekt entwickelt und In der Pra
xis erprobt. Um den Bezug des SKN auf das Ellipsold
herzustellen, wurden auf nahezu allen Pegelstationen
entlang der Küste und auf Helgoland die Höhendiffe
renz zwischen dem Ellipsold und dem niedrigstmög-
llchen Gezeitenwasserstand - dem SKN - mit Hilfe
satellitengeodätischer Verfahren bestimmt und auf
den Seebereich extrapoliert. Als Ellipsold wurde dazu
das In der Landesvermessung benutzte European
Terrestrial Reference Frame 1989 (ETRS89) verwen
det, über das der Bezug zu WGS84 leicht hergestellt
werden kann. Mit dem auf das Ellipsold bezogenen