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Full text: Jahresbericht 1995

Überwachung auf Schwermetalle: Meerwasser 
Die Verpflichtungen des BSH zur Überwa 
chung des Meerwassers und der in den Wasser 
proben enthaltenen Schwebstoffe auf Schwer 
metalle und andere schädliche Spurenelemente 
wurden auch im Jahre 1995 erfüllt. Zugleich be 
gannen intensive Planungsarbeiten für eine ver 
stärkte Überwachung, vor allem zur Erhöhung 
der zeitlichen Dichte der Probennahmen. 
Zur Überwachung werden derzeit folgende 
Schwermetalle regelmäßig bestimmt: Quecksil 
ber, Cadmium, Blei, Kupfer, Nickel, Eisen und 
Mangan in filtrierten Wasserproben; in den dazu 
gehörigen Schwebstoffproben (Filterrückstän 
den) werden in einem getrennten Analysengang 
Cadmium, Blei, Zink, Kupfer, Nickel, Eisen, Man 
gan, Titan, Vanadium und Chrom bestimmt. Als 
Analysenverfahren wird überwiegend die Total 
reflexions-Röntgenfluoreszenzanalyse (TRFA) 
eingesetzt, außerdem die Invers-Voitammetrie 
(DPASV) für Blei und Cadmium sowie die Kalt- 
dampf-Atomabsorptionsspektrometrie (CVAAS) 
für Quecksilber. 
Schrittweise werden weitere Schwermetalle 
in das regelmäßige Überwachungsprogramm 
aufgenommen. Im Berichtsjahr geschah dies für 
das sechswertige Chrom (Cr(VI), Chromat). Ei 
nen Einblick in die ersten Ergebnisse bringt Ab 
bildung 5. Sie zeigt die Konzentrationen von 
Cr(VI) auf einem Schnitt durch die Deutsche 
Bucht, vom „Entenschnabel“ bis zur äußeren 
Elbmündung. In beiden Jahren ist eine Abnahme 
der Chrom-Konzentration bei der Annäherung 
Überwachung 
an die Küste zu erkennen, die ungefähr mit dem 
Salzgehalt parallel geht. Dies stimmt gut mit 
Messungen im offenen Nordatlantik überein, die 
1993 mit der gleichen Methode durchgeführt 
worden waren und einen Mittelwert von 160 ng/l 
Cr(VI) ergeben hatten. Frühere Untersuchungs 
reihen zeigten, daß Cr(VI) etwa 90% des Ge- 
samt-Chrom-Gehaltes im Meerwasser aus 
macht. Die Schädlichkeit ist von der 
Oxidationsstufe des Chroms abhängig. Cr(VI)- 
Verbindungen sind hundert- bis tausendmal toxi 
scher als Cr(lll)-Verbindungen. In geringen Kon 
zentrationen ist Chrom hingegen für Organismen 
mindestens teilweise lebensnotwendig. Wäh 
rend beispielsweise im Süßwasser Cr(lll) unter 
normalen Bedingungen die stabilste Oxidations 
stufe darstellt und weitaus häufiger als Cr(VI) ist, 
tritt dieses überraschenderweise im Meerwas 
ser, wohl als Chromat-Anion, überwiegend auf. 
Im allgemeinen wird die Gefahr für den 
Menschen durch schädliche Schwermetalle im 
Meer überschätzt. In Tabelle 1 sind die Grenz 
werte für schädliche Schwermetalle nach der 
deutschen Trinkwasserverordnung im Vergleich 
zu durchschnittlichen Werten der küstennahen 
Nordsee dargestellt, die in den letzten Jahren 
vom BSH bei der Überwachung der Deutschen 
Bucht gewonnen wurden. In allen Fällen liegen 
die Meerwasserdaten weit unterhalb der zulässi 
gen Grenzwerte im Trinkwasser, z. T. um meh 
rere Größenordnungen. Die aufgeführten Ergeb 
nisse zeigen deutlich, daß eine mögliche Gefahr 
für den Menschen oder Badegäste durch 
Schwermetalle im Nordseewasser auszu 
schließen ist. 
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