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Windstärke 10-—11, so dass auch der Backbord-Anker fallen gelassen und die
Steuerbord-Kette bis zu 185 Meter ausgesteckt wurde. Der Wind wehte fast in
derselben Stärke bis zum 25. Januar und ging dann bis auf Windstärke 5 ab-
Jauend nach West bis WzN, so dass ich am 25. Januar Morgens wieder Anker
lichtete und, nachdem die Sarmiento - Bank passirt war, gegen Mittag bei Dun-
geness ankerte, um den Beginn der Fluth abzuwarten. Nachmittags 3 Uhr
wurde wieder Anker gelichtet und mit der Fluth bis nach Possession - Bay ge-
dampft, wo ich Abends 8 Uhr ankerte. Am nächsten Morgen 3 Uhr wurde
wieder Anker gelichtet und mit beginnender Fluth die Reise durch die „Nar-
rows“ fortgesetzt und trotz des Vormittags wieder einsetzenden schweren SW-
Sturmes Abends 4 Uhr bei Punta Arenas geankert.“
Aus den Reiseberichten S. M. S. „Victoria“, Corv.-Capt. Donner.
Bemerkungen über einige Häfen der Insel Haiti und hydrographische Beob-
achtungen während der Reisen zwischen St. Thomas und Haiti.
In dem Monat Dezember 1875 hat S. M. S. Victoria“, unter dem Com-
mando des Corv.-Capt. Donner, von St. Thomas aus verschiedene Häfen von
Haiti, nämlich Puerto Plata, Cap Haiti, Port Paix, Gonaives, Port-au-Prince,
Aux-Cayes und Jacmel*) besucht und Capt, Donner hat über die von ihm
daselbst gemachten Wahrnehmungen, sowie über die während der Reise von
St. Thomas nach Haiti und von da zurück nach St. Thomas in der Zeit vom
L1. Dezember 1875 bis 5, Januar 1876 angetroffenen Witterungs- und Strom-
verhältnisse Nachstehendes berichtet:
„Am 11. Dezember 1875 verliess ich den Hafen von St. Thomas, um
einige Häfen der Insel Haiti anzulaufon, Ich dampfte durch die Culebra-Strasse,
ohne den in einigen Segeldirectionen angegebenen östlichen Strom zu bemerken,
es wurde im Gegentheil eine westliche Strömung von circa eine halbe Seem. die
Stunde beobachtet. Am 13. Dezember Mittags wurde auf der Rhede von
Puerto Plata geankert. Ich zog es vor, nicht in den Hafen oder (richtiger
gesagt) auf die Innenrhede zu gehen, weil der Platz hier durch Kauffahrteischiffe
fast ganz in Anspruch genommen war. Ich fand die von Corv.-Capt. Stenzel im
Jahre 1873 aufgenommene Special-Karte D. A. No. 34 (Tit. VII, No. 268) vollkom-
men correct. Augenblicklich ist das Einlaufen in den Hafen durch die über Wasser
hervorragenden Cylinder des im vorigen Jahre auf dem westlichen Riff gestrandeten
Hamburger Dampfers „Alsatia“ sehr erleichtert. Im Allgemeinen muss der Hafen
jedoch als unsicher und unbequem bezeichnet werden, da bei nördlichen Winden
eine erhebliche Dünung hineinläuft und die Schiffe gezwungen sind, aus Mangel an
Platz mit wenig Kette zu ankern. Die Vertheidigung des Hafens besteht in
fünf bis sechs mehr oder weniger unbrauchbaren Geschützen von geringem
Kaliber, die neben den Trümmern des auf der Karte angegebenen Forts auf-
gefahren sind. Die Stadt ist der Sitz des Gouverneurs des Norddistrikts und
mag 8 bis 10,000 Einwohner haben. Der Handel ist nicht bedeutend, der
Haupt-Export-Artikel ist Tabak, dessen Verschiffung fast ausschliesslich in
Deutschen (Oldenburgischen) Schiffen statt hat, von denen zur Zeit unserer
Anwesenheit allein sechs im Hafen lagen.
Am Morgen des 14. Dezember verliess ich Puerto Plata und steuerte
unter Dampf bei flauen, umlaufenden Winden nach den Hafen von Cap Haiti
(oder Cap Haitien), woselbst ich am 15, Dezember Morgens ankerte, Das
*) Vgl. „The Westindian Pilot“ Part II (1866) pag. 218, 226, 232, 237, 242, 260; Sailing
Directions for the West Indies Part II (1868) pag. 51—55, 58, 61, 63.