Die damals ausgesprochene Vermuthung eines Wirbelsturmes wird durch
die Beobachtungen des „Eduard“ zur Gewissheit und es ergiebt sich, dass das
Centrum des Sturmes in südlicher Richtung zwischen beiden Schiffen hindurch-
vegangen ist. Ueber die Formen der Windbahnen sowohl als der Linien
gleichen barometrischen Druckes um das Sturmcentrum gestatten die vorliegenden
Daten noch kein endgültiges Urtheil. Vielleicht ist weiteres Material über diesen
Sturm noch zu erwarten, um daraus auch für diese Gegend des Indischen Oceans
die Natur und den Verlauf eines Sturmes, welcher allem Anschein nach den
Mauritiusorkanen schr ähnlich ist, mit Sicherheit zur Darstellung bringen zu
können.
Ueber Nebelsignale und die 1875 zu Bülk errichtete
Nebelsignal-Station,
Von Civil- Ingenieur Veitmeyer.
(Abdruck aus der Zeitschrift für Bauwesen. Jahrg. 1876. Mit Genehmigung der Verlagshandlung.)
Bei dem in den letzten 40 Jahren in nie geahnter Weise entwickelten
Seeverkehr, seitdem die Zahl, Grösse und Schnelligkeit der alle Wasserstrassen
durchkreuzenden Dampfschiffe so bedeutend zugenommen hat und in stetig fort-
schreitender Steigerung begriffen ist, hat sich die Zahl und Grösse der Unglücks-
Fälle zur See ebenfalls in Erschrecken erregender Weise vermehrt. Ihnen so
viel als möglich vorzubeugen, ist daher cine der wichtigsten Aufgaben geworden.
In erster Linie stcht hierbei die Deckung der Küsten und Untiefen, d. h. die
Markirung derselben der Art, dass der Schiffer sie in hinreichendem Abstand
erkennen kann, um sie zu vermeiden oder ihren Schutz (Hafen) zu suchen, je
nachdem es sein Ziel oder seine Sicherheit erfordert.
Das älteste Mittel zur Erreichung dieses Zweckes richtete sich gegen den
allgemeinsten und früher gefährlichsten Feind der Schiffer, die Nacht. Bei Nacht
die Küsten und die frei vorliegenden gefährlichen Punkte durch Lichtsignale
kenntlich und unterscheidbar zu machen, ist seit schr frühen Zeiten angestrebt
worden und hat in den letzten 50 Jahren einen sehr hohen Grad der Vollendung
erreicht. Die Küsten fast aller civilisirten Völker sind mit zahlreichen, sich
jährlich vermehrenden Leuchtfeuern versehen, deren Licht bei mittlerer Luft
meist 20 Scem. und mehr in Sce sichtbar ist. Die gut orleuchteten Küsten von
Frankreich, England, Deutschland u. a. m. bieten dem Schiffer eine fortlaufende
und geschlossene Kette in einander greifender Licht- oder Feuerkreise und es
wäre in dieser Beziehung Genüge geschehen, wenn nicht, nachdem der eine
bowältigt, ein anderer Feind an Bedeutung gewönne und durch die so bedeu-
Lend gesteigerte Schnelligkeit und Grösse der heutigen Schiffe von leider immer
einschneidenderer Bedeutung würde. Dieser Feind ist der Nebel, der nicht nur
Nachts unsere stärksten Feuer vollständig löscht, so dass sie selbst auf ganz
geringe Kntfernungen unsichtbar werden, sondern auch bei Tage die Schiffe
und Küsten mit einem undurchsichtigen Schleier umhüllt und zu den beklagens-
werthesten und schwersten Unglückställen führt,
Gegen diesen Feind anzukämpfen, ist seit langer Zeit versucht worden.
Instinctmässig hat man den Bruder des Lichtes, den Schall (Ton) anzuwenden
versucht, aber bis in die neueste Zeit mit geringem Erfolg, Von Menschen
angeblasenc, möglichst grosse Hörner, Gongs und dergl. waren in Gebrauch,
konnten aber selbstredend von keiner grossen, Meilen weit reichenden Wir-
kung sein.
Etwas weiter kam man mit den Glocken, die in verschiedenem Material
and sehr abweichender Grösse ausgeführt wurden, und welche man durch Men-
schenhand oder durch Uhrwerke in regelmässigen Intervallen anschlagen liess.
Aber obgleich man (in England) Glocken von 32 und selbst 42 Centner Schwere
zur Anwendung brachte, wurde kein auch nur annähernd genügender Erfolg mit
denselben erzielt.
Eine kräftigere Waffe bot sich in den Geschützen dar. Allein auch diese
zeigten sich wenig zu einer allgemeinen Anwendung geeignet. Der meist Stun-
den, an manchen Küsten Tage lang anlıaltende Nebel erfordert eine eben so
lange und ganz regelmässige T’hätigkeit des Sienals. Dies ist bei Kanonen nicht