Kleine: Notizen,
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gänzlich unterbrochen. Die vor den Häusern und auf den Märkten aufgestellten
Waaren wurden in Masse hinweggeschwemmt. Gröfser noch waren die Verluste
in. der Umgebung der Stadt, wo das Anschwellen der Flüßchen Jarret und
Huveanne grofse Angst erregte. Im Dorfe Saint-Loup drang das Wasser in
eine Schule; man mufste die Kinder mit Leitern retten. Im Stadtbezirk der
Karthäuser wurden drei Brücken hinweggerissen; ein Karrenführer, dessen Ge-
spann in die Strömung gerieth, ertrank. , Mehrere Häuser stürzten in. der Um-
gegend des Zoologischen Gartens zusammen, doch wurden ihre Bewohner gerettet.
Ein grofßser Theil der Waaren in den Docks und auf den Werften ist zerstört.
Der Mittelpunkt des Wirbelwindes befand sich zwischen den Hafenbecken Arenc
and la Joliette, aber seine Wirkung erstreckte sich bis auf 10 Meilen ins Meer
hinaus, Der Blitz schlug in den Dampfer „Kaonaddy“ ein; einige zwanzig Per-
sonen wurden zu Boden geworfen; ein Matrose fiel ins Meer, wurde aber wieder
aufgefischt.“ “
Die Wetterkarten zeigen, dafs es sich hier um einen kleinen Wirbel han-
delte, der auf der Südostseite einer grofsen Depression entstand, deren Centrum
am Morgen des 1. im südlichen Schottland lag. : Während das Centrum der De-
pression seinen Ort nur wenig änderte, bewegte sich der Wirbel an-ihrem Süd-
ostrande, an Ausdehnung zunehmend, aber an Intensität abnehmend, über Nord-
italien nach Ungarn, wo er am Morgen. des 3. Oktober lag. Eine lange Zunge
kälterer Luft erstreckte :sich an diesem Morgen von Irland zu den Alpen,
während Ostdeutschland sehr warm war. Sicie und Croisette hatten Gewitter
gleichzeitig mit Marseille schon am Morgen des 1. Oktober; aus Südfrankreich,
Italien und der Schweiz werden vom 1. und 2. von verschiedenen Stellen Gewitter
gemeldet, ohne dafs aus den veröffentlichten Nachrichten etwas über deren Zug
sich sagen liefse. Nizza hatte schweres Gewitter in der Nacht, Monaco Gewitter
von 9:p bis 5° a.
Unter wesentlich andern Bedingungen hat Marseille am 14. Februar d. J.
einen schweren Sturm durchgemacht. Damals war der niedrige Luftdruck. in
Osteuropa, während über der Bai von Biscaya ein Druckmaximum lag... Dieser
Sturm wird dementsprechend auch als „Mistral“ bezeichnet. Der Verkehr, so-
wohl auf den Strafen als im Hafen, war schwierig und gefährlich. Ebenso arg
hauste der Mistral an diesem Tage in Perpignan; auf der Eisenbahn zwischen
Narbonne und Cerbere brachte er einen Güterzug zum Entgleisen.
3. Antarktischer Walfischfang. Die Walfischfängerflotte von Dundee,
bestehend aus den Dampfern „Balaena“, „Active“, „Diana“ und „Polar Star“ ist
in diesem Jahre für die Walfischjagd in hohen südlichen Breiten ausgerüstet
worden und hat Europa Anfang September verlassen. Wie die „Proceedings of
the R. Geogr. Soc.“ bemerken, ist eine solche Gelegenheit zur Förderung
unserer Kenntnisse der höheren südlichen Breiten seit 50 Jahren, seit der
denkwürdigen Reise von Sir James Clark Ross, nicht. dagewesen. Um
möglichst gute Ortsbestimmungen und Beobachtungen über die Deklination der
Magnetnadel zu erhalten, hat die genannte Gesellschaft den Schiffen von sich
aus Chronometer und Kompasse mitgegeben. Auch meteorologische Beobach-
tungen mit vom Meteorological Office gelieferten Instrumenten sind vorgesehen.
Der Arzt von der „Balaena“, W. S. Bruce von Edinburgh, ist ein enthu-
siastischer Naturforscher und erfahrener Beobachter, und Dr. C. M. Donald,
welcher mit dem „Active“ geht, nimmt ebenfalls Interesse an wissenschaftlichen
Untersuchungen. Ausführliche Instruktionen für diese Herren sind in der
„R. Geogr. Soc.“ ausgearbeitet, ebenso wie eine Reihe von Winken für die Kapitäne
über Punkte, in denen deren Beobachtungen nützlich werden können. Der wohl-
bekannte arktische Reisende B. Leigh Smith hat lebhaftes Interesse an dieser
Expedition genommen und hat eines der Schiffe mit den nöthigen Apparaten
für wissenschaftliche Beobachtungen und für Aufnahme von Photographien aus-
gerüstet. Die Expedition wird wahrscheinlich 6 Monate dauern.
4. Luftfahrten zu wissenschaftlichen Zwecken. Einen Riesenballon in
der Höhe eines vierstöckigen Hauses will der „Deutsche Verein zur Förderung der
Luftschiffahrt“ unter Verwendung der Mittel erbauen, die S. Majestät der Kaiser
in Gesammthöhe von 50000 Mk. dem Verein auf Gesuch des Geheimraths
v. Helmholtz, der Professoren v. Bezold, Förster, Kundt und Afsmann
sowie des Dr. Paul Güfsfeld überwiesen hat. Der Ballon wird nach den