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Full text: Zweites Köppen-Heft der Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie

be) 
Zweites Köppen-Heft der Annalen der Hydrographie usw. 1956, 
Das Tropiktief wird durch den Druckanstieg, wie erwähnt, fast allseitig ein- 
geengt und aufgefüllt, während das Druckfallgebiet rasch nach Nordosten ent- 
weicht. Es läßt sich demnach, obwohl paradox klingend, sagen, daß der zu 
heftige südwestliche Höhenwind nordöstlich der tropischen Zyklone im Gebiet 
der Frontalzone ihre Wanderung nach Nordost verhindert. Der Wirbel entläßt 
gewissermaßen nur eine wellenartige Störung, deren neugebildetes Drucksteig- 
gebiet ihn geschwächt zurückläßt. Die Wellenstörung selbst wandert mit 85 km/h 
am ersten, mit 100 km/h am zweiten Tag genau in Richtung der Frontal- 
zone auf Südbritannien zu (später mit 90 km/h über Südschweden nach Süd- 
rußland; sie führt vom 6, Oktober ab einen neugebildeten Wirbel mit sich). 
Betrachtet man die in Abb. 4 eingezeichneten zwei Fronten vom 3. Oktober, 
so scheint es, als ob sich aus der Massenverteilung (warm, mittelwarm, kalt) 
wieder ein „Dreimasseneck“ in bezug auf das Tropiktief ergäbe, Aber dies ist 
nicht oder nur ganz vorübergehend der Fall. Wie nämlich das — dem 3, Oktober 
sehr ähnliche — Strömungsbild vom 4, Oktober zeigt, bewegen sich die beiden 
Fronten in ihrer ganzen ozeanischen Erstreckung gegeneinander: 
Die diffuse Front im Azorenhoch und weiter westlich ist nordläufig geworden; 
die neue westliche Kaltfront verlagert sich nach Ost bis Südost. 
So resultiert eine lange Frontalzone, die sich zwar {s. 0.) in einem Abschnitt 
besonders verschärfen, aber hier doch nur ein „internes“ Delta vor sich ent- 
wickeln kann, Denn die Frontal- 
zone setzt sich ja, bei der be- 
stehenden Westwindströmung in- 
nerhalb der nordatlantischen Po- 
larluft, weiter gegen Westeuropa 
und den 50, Parallelkreis fort, 
(Die in der nordatlantischen 
Frontalzone Tropikluft— Polar- 
luft enthaltene Energie kommt 
im ersten Oktoberabschnitt we- 
sentlich zu Entfaltung und Ver- 
brauch in den tiefen Zyklonen, 
die über Britannien hinweg nach 
Rußland wandern.) 
Die Höhenströmung ist also 
über der ganzen Frontalzone 
von Südbritannien bis Östlich 
Bermuda — am 4, Oktober und 
weiterhin — stürmisch ent- 
wickelt. Die an ihr entlang 
wandernde Störung ist vom Typus jener wellenartigen Störungen, die oft nach 
Umfang und Stärke stabile Schnelläufer sind. 
ec) Die plötzliche Entwicklung des Tiefs zur subtropischen Sturmzyklone, Wir 
wenden uns nun dem bemerkenswertesten Abschnitt in der Lebensgeschichte 
dieses Tiefs zu, der seine Entwicklung zum ausgedehnten Sturmtief bringt. 
Betrachten wir zunächst die Abb, 6, welche die Wetterlage vom 7. Oktober 
darstellt! Im Gefolge der eben geschilderten Druckwelle — sie wandert am 
7. Oktober über die südliche Ostsee — ist die in Abb. 4 enthaltene Kaltfront 
südostwärts vorgedrungen und hat die Azoren überschritten, wo mit dem Polar- 
lufteinbruch Abkühlung von 21 bis 22° auf 17 bis 18° erfolgte. 
Durch das verstärkte Steiggebiet der Druckwelle ist der Luftdruck süd- 
westlich Irland bis zu 15 mm seit dem 6, Oktober angestiegen, und das am 
4. Oktober bei Neuschottland gelegene Hoch ist zur Verlagerung nach dem See- 
bereich westlich der Azoren gebracht worden. 
An der ostatlantischen Frontalzone hat sich südlich der Azoren eine neue, 
schwache Störung entwickelt, die in der Wetterkarte vom 7, westlich Spanien 
zu erkennen ist, Sie wandert in Richtung auf Südengland, und hinter ihr stößt 
die Polarluft abermals weiter in die Marokkanische Meeresregion vor.
	        
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