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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Davis: Die allgemeinen Windrverhältnisse auf dem Atlantischen Ocean. 13 
biegenden westlichen Winde im Winter unterstützen das Auftreten der gradlinigen 
Trennung zwischen den westlichen Winden und dem Passat. 
Die Thatsachen, die wir so im Allgemeinen betrachtet haben, können dann 
noch nach zwei ganz verschiedenen Richtungen in Betracht gezogen werden. Die 
eine Richtung ist die praktische, welche sich hauptsächlich mit dem Nutzen be- 
schäftigt, den man aus der Unsumme von Beobachtungen und der Forschung, 
welche beide in den Karten vereinigt sind, ziehen kann. Die andere Richtung 
ist die wissenschaftliche oder, wie Manche es nennen würden, die theoretische, 
welche sich nach den Ursachen dieser Thatsachen umsieht, einerleiy ob nützlich 
oder nicht, einfach der Genugthuung wegen, die durch das Begreifen von Natur- 
erscheinungen hervorgerufen wird. Obgleich es wohl nicht die Regel ist, da(s 
derselbe Geist sich mit beiden Richtungen beschäftigt, so ist es doch glücklicher- 
weise durchaus möglich, es zu thun. Es giebt manche Seeleute, die weiter blicken 
als nur auf die Verwerthung der Thatsachen und sich über die Ursachen eine 
Meinung zu bilden suchen, ebensowohl als es Männer am Lande giebt, die sich 
an der Vergröfserung: des Nutzens erfreuen, welcher aus vorgeschrittenem Wissen 
zu erlangen ist; wenn es auch leider von diesen beiden Arten von Männern nicht 
so viele giebt, als man wünschen möchte. In der ersten Richtung brauchen wir 
nur einen Blick zu werfen in die Logbücher unseres Hydrographischen Amtes, 
in die Auszüge aus Kapitänsberichten im „Nautical Magazine“ oder in die 
„Annalen der Hydrographie“ oder in die Pariser „Annales“, um viele Beob- 
achtungen von Interesse zu finden. Sie erzählen uns von den Regionen der 
„doppelten Pfeile“ für den Winter auf dem Nordatlantischen Ocean, wo die 
Schiffe unter doppelt gerefften Marssegeln sich durch eine dunkle, hohe See, die 
weifse Schaumstreifen auf ihren langen Kämmen trägt, bei stürmischen westlichen 
Winden schwer hindurcharbeiten müssen; oder von den Breiten, wo die Schiffe 
stetige Winde haben, wo sie ihre ganze Segelfläche entfalten, Leesegel setzen 
und schnell ihren Weg, sowohl am Tage wie in der Nacht verfolgen können, 
oder von den langweiligen Tagen in den Doldrums, wo die See grau und blank 
ist und in einer langen Dünung sich bewegt, wo die Segel hin und her schlagen 
und auf die erste leichte Briese gewartet wird, welche das Schiff ein Stück weiter 
über die Linie wegzuführen vermöchte. 
Da wir uns hier jedoch mehr der Meteorologie wie der Navigation zu 
widmen haben, so ist es wohl verständlich, wenn wir uns hier vorwiegend Be- 
trachtungen der zweiten Richtung widmen, und uns mit dem Zusammenhang der 
atlantischen Winde, mit der allgemeinen Cirkulation der Atmosphäre und mit den 
Ursachen beider beschäftigen. 
Vor einigen Jahren legte ich eine Eintheilung der Winde nach ihren Ur- 
sachen in diesem Journal den Lesern vor. Die atlantischen Winde auf den 
Begleitkarten geben eine hübsche Illustration der Klassen, denen ich die Namen 
planetarische oder allen Planeten angehörende Winde, terrestrische oder der Erde 
angehörende Winde und allgemeine Winde gegeben habe, die somit wohl als be- 
rechtigt angesehen werden können. In einem späteren Artikel werde ich beson- 
ders auf eine weitere Klasse von Winden aufmerksam machen, nämlich auf die 
halbjährlichen Kontinentalwinde, und werde zu diesem Zweck das verallgemeinerte 
Bild der Windverhältnisse des Indischen Oceans aus dem neuesten Atlas der 
Deutschen Seewarte benutzen. 
Planetarische Winde sind solche, welche jeder Planet, der eine Atmosphäre 
besitzt, sich um seine Achse dreht und am Aequator durch die Sonne erwärmt 
wird, haben mufs, und die ferner nicht von kleineren Ursachen beeinflußt werden. — 
Jahreszeitliche Aenderungen und Einflüsse von Land und Wasser werden später- 
hin berücksichtigt werden. — Die wesentlichen Züge der planetarischen Winde sind 
sehr einfach: Oestliche Passatwinde laufen von den Luftdruckmaxima an den 
Grenzen der Tropen schräg gegen den niedrigen Luftdruck unter dem Aequator; 
aufsertropische westliche Winde fließen schräg ostwärts gegen das nach niedrigere 
Minimum des Luftdrucks an den Polen; Stillen und leichte Winde herrschen in 
den Gebieten niedrigen Luftdrucks unter dem Aequator, an den Polen, und unter 
dem hohen Luftdruck der meteorologischen Wendekreise oder auf dem Theile 
der Oceane, der zwischen den Passaten und den westlichen Winden liegt und den 
wir gewöhnlich „Rofsbreiten“ nennen. Mit Ausnahme der Thatsachen an den 
Polen finden wir diese Verhältnisse in den Windkarten gut wiedergegeben.
	        
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