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2 Grundsätzliche Festlegungen
2.1 Grundzüge der Meeresüberwachung
Eine Einschätzung der Qualität des Meereszustandes ist gleichbedeutend mit einer Aussage
über die Gesundheit der Meeresumwelt. Dies umfasst die Folgen des Eintrages von Schad
stoffen, Nährstoffen und radioaktiven Substanzen, der Ausbeutung biologischer und nicht-bio
logischer Ressourcen sowie durch Einschleppung nicht einheimischer Arten. Ein weiterer we
sentlicher Bestandteil der Einschätzung ist die Erfolgskontrolle von Maßnahmen zum Schutz
der Meeresumwelt und der daraus resultierende Hinweis auf weitere notwendige Maßnahmen.
Die Überwachung überprüft, ob bisher getroffene Maßnahmen, die mit erheblichen Finanzauf
wendungen verbunden sind, auch tatsächlich zur Verbesserung des Meereszustandes ziel
führend, erfolgbringend und ausreichend eingesetzt sind; sie erfüllt somit die Funktion eines
“betriebswirtschaftlichen” Controllings.
Eine vollständige Beschreibung des Umweltzustandes beinhaltet eine räumliche und zeitliche
Analyse der Hydrodynamik, der chemischen und der biologischen Verhältnisse mit einer Be
wertung des menschlichen Einflusses, unter Berücksichtigung der natürlichen Variabilität. Zu
standseinschätzungen behandeln deshalb bevorzugt folgende Aspekte:
• den Einfluss des Klimas auf das Meer,
• den Zustand des Meeres bezüglich Nähr- und Schadstoffen und deren Effekte für die Si
cherheit und Gesundheit der Bevölkerung,
• den Zustand des Meeres bezüglich des Schutzes der marinen biologischen Vielfalt,
• die Auswirkung von Maßnahmen zum Schutz der Meeresumwelt, einschließlich der mög
lichen Auswirkungen, die durch Maßnahmen im Rahmen der Durchführung des Raumord
nungsplanes auf die Meeresumwelt entstehen.
Obwohl das BSH keine Untersuchungen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung (z.B.
im Sinne des Lebensmittelrechts) durchführt, sind diese zum Verständnis dort auftretender
Probleme hilfreich.
Überwachung ist das Sammeln von Informationen über den Umweltzustand und hat den
Zweck, spezifische Fragen zu beantworten. Sie umfasst alle Formen des Erhebens, Zusam-
menstellens und Verarbeitens von Daten und anderen Informationen über die Qualität der
Meeresumwelt, d.h. von Wasser, Sediment, Organismen und Lebensgemeinschaften, über
anthropogene Aktivitäten und über Einträge sowie deren Effekte.
Folgende Zielvorgaben gelten für die Sammlung von Informationen:
• Beschreibung der räumlichen Verteilung von festgelegten physikalischen, chemischen und
biologischen Messgrößen. Hier ist auch die Bedeutung des anthropogenen Anteils festzu
legen.
• Beschreibung der zeitlichen Veränderungen (Trend). Damit soll auch die Wirksamkeit von
Maßnahmen und an Hand geeigneter Indikatoren die Veränderung der Qualität des Mee
reszustandes festgestellt werden.