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Full text: 150 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 2011

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| Gesamtdeutsche Entwicklung seit 1990 
5.5 Geodateninfrastruktur 
Bei der Entwicklung des ECDIS-Datenstandards 
IHO S-57 hatte von Anfang an die Vorstellung Pate 
gestanden, es bei der Elektronischen Seekarte 
nicht mit einem auf einem Bildschirm dargestellten 
Kartenbild bewenden zu lassen, sondern sie zu 
einem Navigations-Informationssystem auszubauen 
das aktiv die Sicherheit der Schifffahrt unterstützt 
Bei der Ausarbeitung der Grundlagen von S-57 ist 
dabei mit ATKIS ein deutscher Standard der 
Landesvermessung als Vorbild benutzt worden, der 
bereits in die Richtung geographischer Informations- 
systeme (GIS) wies. In der Tat kann man ECDIS als 
ein Echtzeit-Navigations-GIS einstufen. In gleicher 
Weise war schliesslich die Idee des NAUTHIS- 
Vorhabens auf der Grundlage des GIS-Konzeptes 
entstanden. 
Das Thema GIS rückte mit der rapiden Entwicklung 
der Computerleistung in den 90er-Jahren von einem 
Stadium der Entwicklung von Grundlagen auf in das 
Stadium der Realisierbarkeit und wurde allmählich 
attraktiv als neues effizientes Instrument, z.B. in der 
wissenschaftlichen Forschung und der öffentlichen 
Verwaltung. Die dabei entstandenen Insellösungen 
mit unterschiedlichen, nicht kompatiblen Konzepten 
ießen alsbald den Wunsch nach Zusammenführung 
der Teile entstehen. Der Ausarbeitung eines ge- 
meinsamen Fundamentes an Standards kam dabei 
eine entscheidende Rolle zu; dieses wurde seit Mit- 
te der 90er-Jahre von der Internationalen Standard- 
organisation ISO entwickelt. Schon bald wurde die 
Idee der Schaffung einer gemeinsamen Infrastruktur 
für geographische Daten, kurz Geodateninfrastruk- 
tur (GDI), geboren, bestehend aus gemeinsamen 
Standards für die Datenhaltung und die Daten- 
übermittlung, dazu kompatibler Anwender-Software 
Jnd einem Netzwerk von Geodatenportalen, In 
dem für die Pflege und Weiterentwicklung des 
IHO-Standards S-57 zuständigen IHO-Ausschuss 
erkannte man früh, dass der ISO-Standard für S-57 
eine zukunftssichere Basis für notwendige Weiter- 
entwicklungen darstellen würde. Vor dem Hinter- 
grund, dass das weit über ECDIS hinausreichende 
Potential von S-57 für andere Anwendungen nicht 
abgerufen worden war, setzte man sich das Ziel, 
nun eine Plattform zu schaffen, die von vornherein 
ganz allgemein angelegt war und daher eine ISO- 
<ompatible Grundlage für marine Geoinformationen 
And ihre Anwendungen darstellte. Um nicht erneut 
den Blickwinkel auf ECDIS zu verengen, wurde der 
Standard 2005 in S-100 umbenannt. 
Während sich so auf der einen Seite die Tür für 
marine Geoinformationssysteme öffnete, wurde 
national und international (EU) der Ausbau einer 
umfassenden Geodateninfrastruktur in Projekten in 
Angriff genommen - allerdings lief die Entwicklung 
zunächst vollständig unter der Federführung der 
Landesvermessungsverwaltungen, weitestgehend 
Sahne die Existenz eines marinen Bereiches zur 
Kenntnis zu nehmen. Unter dem Eindruck, überse- 
hen worden zu sein, kam man im BSH auf die Idee 
die hydrographischen Dienste auf die Entwicklung 
der GDI aufmerksam zu machen und Iud dazu die 
HO-Mitglieder zu einem internationalen Workshop 
m November 2005 nach Rostock ein. Dieser „Ros- 
:ock-Workshop“ stieß international auf große Re- 
sonanz und brachte national wie international das 
Thema GDI-Aufbau nunmehr unter Einschluss des 
marinen Sektors in Gang. Insbesondere der Begriff 
Aydrographie tauchte plötzlich auf den Agenden 
der Europäischen Union mit seinem INSPIRE-Projekt 
auf, sodass sie nunmehr dauerhaft im Begriff GDI 
verankert ist. 
Für das BSH war das der Startschuss zu einem inter- 
1en Projekt, denn es galt nun, im eigenen Hause die 
alsher getrennt und isoliert voneinander laufenden 
GIS-Anwendungen und Projekte in eine gemeinsame 
Infrastruktur einzubringen, an zentraler Stelle 
2atürlich das in Entwicklung befindliche NAUTHIS 
Verschiedene Faktoren hatten dem BSH mittler- 
weile zu einer Schlüsselrolle im marinen Bereich 
verholfen, insbesondere der politisch begründete 
Ausbau der erneuerbaren Energien, der zahlreiche
	        
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