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| Gesamtdeutsche Entwicklung seit 1990
5.5 Geodateninfrastruktur
Bei der Entwicklung des ECDIS-Datenstandards
IHO S-57 hatte von Anfang an die Vorstellung Pate
gestanden, es bei der Elektronischen Seekarte
nicht mit einem auf einem Bildschirm dargestellten
Kartenbild bewenden zu lassen, sondern sie zu
einem Navigations-Informationssystem auszubauen
das aktiv die Sicherheit der Schifffahrt unterstützt
Bei der Ausarbeitung der Grundlagen von S-57 ist
dabei mit ATKIS ein deutscher Standard der
Landesvermessung als Vorbild benutzt worden, der
bereits in die Richtung geographischer Informations-
systeme (GIS) wies. In der Tat kann man ECDIS als
ein Echtzeit-Navigations-GIS einstufen. In gleicher
Weise war schliesslich die Idee des NAUTHIS-
Vorhabens auf der Grundlage des GIS-Konzeptes
entstanden.
Das Thema GIS rückte mit der rapiden Entwicklung
der Computerleistung in den 90er-Jahren von einem
Stadium der Entwicklung von Grundlagen auf in das
Stadium der Realisierbarkeit und wurde allmählich
attraktiv als neues effizientes Instrument, z.B. in der
wissenschaftlichen Forschung und der öffentlichen
Verwaltung. Die dabei entstandenen Insellösungen
mit unterschiedlichen, nicht kompatiblen Konzepten
ießen alsbald den Wunsch nach Zusammenführung
der Teile entstehen. Der Ausarbeitung eines ge-
meinsamen Fundamentes an Standards kam dabei
eine entscheidende Rolle zu; dieses wurde seit Mit-
te der 90er-Jahre von der Internationalen Standard-
organisation ISO entwickelt. Schon bald wurde die
Idee der Schaffung einer gemeinsamen Infrastruktur
für geographische Daten, kurz Geodateninfrastruk-
tur (GDI), geboren, bestehend aus gemeinsamen
Standards für die Datenhaltung und die Daten-
übermittlung, dazu kompatibler Anwender-Software
Jnd einem Netzwerk von Geodatenportalen, In
dem für die Pflege und Weiterentwicklung des
IHO-Standards S-57 zuständigen IHO-Ausschuss
erkannte man früh, dass der ISO-Standard für S-57
eine zukunftssichere Basis für notwendige Weiter-
entwicklungen darstellen würde. Vor dem Hinter-
grund, dass das weit über ECDIS hinausreichende
Potential von S-57 für andere Anwendungen nicht
abgerufen worden war, setzte man sich das Ziel,
nun eine Plattform zu schaffen, die von vornherein
ganz allgemein angelegt war und daher eine ISO-
<ompatible Grundlage für marine Geoinformationen
And ihre Anwendungen darstellte. Um nicht erneut
den Blickwinkel auf ECDIS zu verengen, wurde der
Standard 2005 in S-100 umbenannt.
Während sich so auf der einen Seite die Tür für
marine Geoinformationssysteme öffnete, wurde
national und international (EU) der Ausbau einer
umfassenden Geodateninfrastruktur in Projekten in
Angriff genommen - allerdings lief die Entwicklung
zunächst vollständig unter der Federführung der
Landesvermessungsverwaltungen, weitestgehend
Sahne die Existenz eines marinen Bereiches zur
Kenntnis zu nehmen. Unter dem Eindruck, überse-
hen worden zu sein, kam man im BSH auf die Idee
die hydrographischen Dienste auf die Entwicklung
der GDI aufmerksam zu machen und Iud dazu die
HO-Mitglieder zu einem internationalen Workshop
m November 2005 nach Rostock ein. Dieser „Ros-
:ock-Workshop“ stieß international auf große Re-
sonanz und brachte national wie international das
Thema GDI-Aufbau nunmehr unter Einschluss des
marinen Sektors in Gang. Insbesondere der Begriff
Aydrographie tauchte plötzlich auf den Agenden
der Europäischen Union mit seinem INSPIRE-Projekt
auf, sodass sie nunmehr dauerhaft im Begriff GDI
verankert ist.
Für das BSH war das der Startschuss zu einem inter-
1en Projekt, denn es galt nun, im eigenen Hause die
alsher getrennt und isoliert voneinander laufenden
GIS-Anwendungen und Projekte in eine gemeinsame
Infrastruktur einzubringen, an zentraler Stelle
2atürlich das in Entwicklung befindliche NAUTHIS
Verschiedene Faktoren hatten dem BSH mittler-
weile zu einer Schlüsselrolle im marinen Bereich
verholfen, insbesondere der politisch begründete
Ausbau der erneuerbaren Energien, der zahlreiche