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| Gesamtdeutsche Entwicklung seit 1990
gefunden, der versprach, das schon seit langem
geplante und noch immer brachliegende NAUTHIS-
Projekt zu verwirklichen. Schnell allerdings erwies
sich das Vorhaben als komplexer, als es die Projekt-
partner anfangs geahnt hatten, und es vergingen
mehrere Jahre, bis 2005 ein erstes einsetzbares
Kernelement - die Hydrographic Production Data-
base - verfügbar war.
nen Betreibern von Primar, dem norwegischen und
dem britischen hydrographischen Dienst, bei denen
sich das BSH, das seit langem ein für den Handel
attraktiveres Vertriebskonzept verlangt hatte, ge-
meinsam mit einigen anderen Diensten West- und
Mitteleuropas den britschen Vorstellungen anschloß
Das Ergebnis war ein Zerbrechen der norwegisch-
oritischen Joint Venture und die Gründung eines
weiteren „RENC“, dem International Centre for
ENCSs (IC-ENC) unter britischer Regie. Dem BSH fiel
dabei eine besondere Verantwortung zu: Dem da-
maligen Abteilungsleiter Nautische Hydrographie,
Horst Hecht, übertrugen die neuen Mitglieder den
Vorsitz des neu eingerichteten Leitungsausschus-
ses.
In der Zwischenzeit wuchs der Druck auf das BSH,
flächendeckend ENCs für die heimischen Gewässer
1erzustellen und laufend zu halten. Um die dafür
2otwendigen personellen Ressourcen zu erschlie-
Ben, musste die bisherige starre organisatorische
Struktur flexibler gestaltet werden. Das Ergebnis
war der Umbau des Referates „Nautischer Infor-
mationsdienst“ von der bis dahin üblichen Käst-
Chenstruktur mit fest vorgegebenen Sachgebieten
in eine Prozessorganisation, in der Mitarbeiter
entsprechend jeweiliger Prioritäten flexibel einge-
setzt werden können, ohne jeweils eine aufwändige
und zeitraubende Bürokratie der Umorganisation
anstoßen zu müssen. Diese neue Struktur wurde
standortübergreifend im Jahr 2002 in Kraft gesetzt
Jnd trug maßgeblich dazu bei, dass die Herausfor-
derungen der neuen Produktionslinie ECDIS-Daten
in der folgenden Zeit bewältigt werden konnten,
obwohl die eigentlich dafür benötigte neue Soft-
ware noch nicht einsetzbar war und zusätzlich im
Jahr 2003 die Belastungen des Umzugs der noch
in Hamburg verbliebenen Teile der nautischen und
Seekartenproduktion nach Rostock bewältigt wer-
den mussten
Das neue Geschäftskonzept des IC-ENC war auf
die Kernaufgabe eines RENCs beschränkt, den
Markt mit qualitätsgesicherten Daten zu bedienen,
das kostspielige Anbieten von Endbenutzerdienster
aber kommerziellen Dienstleistern zu überlassen.
Dieses Konzept, das vollkommen den BSH-Forder-
ingen entsprach, erwies sich als erfolgreich.
Jementsprechend wuchs das IC-ENC rasch um
weitere Mitglieder aus allen Erdteilen an. Auch das
?Primar-RENC stellte sich mit seinen verbliebener
Mitgliedern neu auf, jedoch mit demselben Ge-
schäftsmodell eines mit dem RENC verbundenen
Endbenutzerdienstes wie vorher, und positionierte
sich als „Konkurrenz“-RENC. Dieses Verhältnis
sorgte leider für zahlreiche, bis heute anhaltende
Spannungen zwischen den RENCs, die letztlich
der Verbreitung von ECDIS in der Schifffahrt eher
ainderlich waren.
Der Bestand an fertigen ECDIS-Daten wuchs nur
langsam - beim BSH ebenso wie weltweit, von Aus-
nahmen wie Japan abgesehen. Im Jahr 2003 hatte
das für den Vertrieb der Daten vorgesehene ECDIS-
Zentrum Primar noch immer viel zu wenig Daten,
Jm damit auch nur einen Bruchteil seiner Kosten
decken zu können; von einem für die Schifffahrt
attraktiven Angebot an Daten war man weit entfernt.
Zugleich entwickelten sich gravierende Differenzen
über das Geschäftsmodell zwischen den gemeinsa-
Trotz mannigfacher Probleme bei der Bereitstellung
von qualitätsgeprüften ECDIS-Daten durch die
hydrographischen Dienste und beim Aufbau eines
veltweiten Datenvertriebssystems ist inzwischen
sin Überdeckungsgrad der Weltozeane und Häfen
arreicht, der dem verfügbarer moderner Papiersee-
karten entspricht - nicht zuletzt dank der Initiative
des britischen Hydrographischen Dienstes, beste-
1ende Datenlücken im Auftrag der zuständigen