Gesamtdeutsche Entwicklung seit 1990 | 67
sogenannter Regionalzentren (RENC) vor, über die
Daten in den Vertrieb gebracht werden sollten.
Bereits 1991 hatte Norwegen in einem kühnen Vor-
stoß ein „Electronic Chart Centre“ (ECC) eingerich-
tet, das aber mangels Daten - und Standards —
zunächst keine Geschäftsgrundlage hatte. Etwa
zeitgleich hatte man in der Abteilung Schifffahrt
damit begonnen, die technischen Voraussetzunger
‘ür die Baumusterprüfung von ECDIS-Bordgeräten
zu schaffen. Entsprechend den gerade entwickel-
ten Prüfvorgaben der International Electrotechni-
cal Commission entwickelte eine Gruppe um Dr.
Mathias Jonas eine Simulationsumgebung, die für
die erforderlichen Prüfszenarien geeignet war. Den
Labortests folgten umfangreiche Borderprobungen
Im Oktober 1999 war es soweit: Die weltweit erste
offizielle ECDIS-Zulassung wurde der russisch-
britischen Firma Transas für den NAVI Sailor 2400
ECDIS ausgestellt.
INTERNATIONAL HYDROGRAPHIC ORGANIZATION
MW,
IHO TRANSFER STANDARD
for
DIGITAL HYDROGRAPHIC DATA
internationaler ECDIS-Datendienst
Es sollte noch bis 1999 dauern, bis das Electronic
Chart Centre, inzwischen unter der Mitträgerschaft
des britischen Hydrographischen Dienstes, unter
dem Markennamen „Primar“ seinen Betrieb aufneh
men konnte. Doch auch dann kämpften alle Dienste,
das BSH eingeschlossen, noch mehrere Jahre mit
den Schwierigkeiten, neben der regulären
Produktion von Papierseekarten eine kontinuierli-
che, flächendeckende nationale Datenlieferung mit
digitalen Seekartendaten —- den „Electronic Naviga
tional Charts — ENCs“ aufzubauen. Die Versuche
des BSH, das alle redaktionelle Bearbeitungen
und Produkte überdeckende System NAUTHIS mit
eigenen Kräften oder mit Partnern zu entwickeln,
waren bis zu diesem Zeitpunkt erfolglos geblieben
Notdürftig wurden daher zunächst die Daten mit
Hilfe von Insellösungen in einem parallelen Ar-
beitsprozess zur Herausgabe von Papierseekarten
hergestellt. Diese Bearbeitungsweise hatte unter
anderem den besonderen Nachteil, dass die ENC-
Bearbeitung immer erst nach der Fertigstellung der
Druckvorlage für die entsprechende Papierseekarte
einsetzen konnte; dies führte regelmäßig zu einem
zeitlichen Versatz der Veröffentlichung des gedruck-
ten und des digitalen Mediums für ein identisches
Seegebiet von mehreren Monaten. Es leuchtet ein.
dass diese Situation aus Sicht des Nutzers wenig
verständlich war und zu praktischen Schwierigkeiten
an Bord führte, wenn sowohl Papierseekarten und
die mit ENCs belieferte ECDIS in parallelem Einsatz
waren.
Enhancements Required to Encode S-57 Edition 3.1.1 ENC Data
December 2006
Special Publication No. 57
Published by the
nternational Hydrographic Bureau
MONACO
8-57 Edition 3.1.1 — Enhancementes:
Deckblatt des Datentransferstandard der IHO S-57
In dieser Situation waren neue Ideen gefragt. Das
3SH lud im Februar 2000 internationale Firmen und
aydrographische Dienste zu einem Workshop nach
Rostock-Warnemünde ein, um das BSH-Konzept
eines Softwaresystems zur Integration der Pro-
duktionsprozesse vorzustellen und Ideen auszu-
tauschen. In der Tat brachte der Workshop den
Durchbruch, und es fand sich mit der kanadischen
Firma Caris ein Partner, der bereit war, mit dem BSH
zusammen in einem Joint Venture das BSH-Konzept
zu realisieren. Damit war endlich ein Lösungsansatz