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Full text: 150 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 2011

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Gesamtdeutsche Entwicklung seit 1990 
Der Aufbau eines digitalen Datendienstes 
für ECDIS 
Als 1993 von der IMO mit dem International Ship 
Management (ISM) Code ein Qualitätsmanagement 
für den Betrieb von Schiffen eingeführt wurde, er- 
kannte man in der IHO, dass auch die Herstellung 
von Daten für ein Navigationssystem auf Computer- 
basis sicherheitskritisch ist, und forderte, die ECDIS- 
Datenherstellung ebenfalls durch ein Qualitätsma- 
nagementsystem (QMS) abzusichern. So entstand 
der Entschluss, ein solches System im BSH in der 
Abteilung „Nautische Hydrographie“ aufzubauen. 
Allerdings erwies es sich schnell, dass man die 
Daten nicht isoliert betrachten konnte, so dass man 
sich entschloss, den Arbeitsfluss von der Aufnahme 
der Seevermessungsdaten über deren Bearbei- 
tung bis zur Erstellung der Produkte in Gänze einer 
systematischen Qualitätssicherung zu unterwer- 
fen. Hierfür standen Projektmittel bereit, mit denen 
bereits 1995 die Arbeitsprozesse der Hydrographie 
auf die Grundlage eines nach ISO 9001 zertifizier- 
ten Qualitätsmanagementsystem gestellt werden 
konnten, Damit war das BSH der weltweit erste 
hydrographische Dienst und die erste Bundes- 
behörde überhaupt, die ein solches Qualitäts- 
mMmanagementsystem einführte. 
Papierseekarten und die Produktion von ECDIS- 
Daten zu einem einzigen Herstellungsprozess zu 
verschmelzen. Darüber hinaus lässt sich die Daten- 
struktur für ECDIS grundsätzlich auch auf die bisher 
nicht digital erfassten Seebücher übertragen, eine 
Möglichkeit, zusätzlich redundante Informationsteile 
von Seekarten und Seebüchern in einer integrierten 
Produktion zusammenzufassen. Diese Erkenntnis 
natte bereits 1993 den Anstoß zu einem Projekt mit 
dem Namen „Nautisch-Hydrographisches Informa- 
tionssystem“ (NAUTHIS) gegeben, das alle für die 
Karten- und Buchprodukte relevanten Informationer 
'n einem Informationssystem zusammenführen so- 
wie Werkzeuge für deren Pflege und die Erstellung 
der gedruckten und digitalen Produkte integrieren 
sollte. Unter der Leitung von Johannes Melles 
startete dieses ehrgeizige Vorhaben im Jahr 2002, 
das, wie sich später zeigte, letztlich zur äußeren 
Klammer für alle hydrographischen Projekte in der 
Folgezeit wurde. Das Projekt machte zunächst nur 
nühsam Fortschritte, denn zu seinem Beginn gab 
es noch keine Software auf dem Markt, die ein 
solches Informationssystem mit einem integrierten 
Produktionsprozess unterstützte, und erste Versu- 
che, so etwas mit eigenen Kräften zu entwickeln, 
scheiterten zunächst ebenso wie die Suche nach 
FEirmenpartnern mit hinreichendem Know-how. 
Mit der allmählichen Reifung des ECDIS-Datenstan- 
dards musste natürlich zunehmend die Lösung des 
Problems in den Fokus rücken, wie denn eine zu er- 
wartende routinemäßige ECDIS-Datenproduktion ir 
den allgemeinen Prozess der Seekartenherstellung 
integriert werden könnte. Erschwerend kam hinzu, 
dass das BSH wie alle Bundesbehörden nach der 
Wiedervereinigung Personal abbauen musste in 
einem Maße, das sich mit der Zeit auf ca 25% des 
Gesamtpersonals aufsummierte. Die hydrographi- 
sche Abteilung war aufgrund einer ungünstigen 
Altersstruktur in besonderem Maße betroffen. Eine 
Lösung konnte nur auf der Grundlage neuer, effizi- 
enter Organisationsformen und Produktionstechniken 
gefunden werden. Die Digitalisierung eröffnete auch 
hier neue Möglichkeiten: So erlaubt der Daten- 
standard $S-57 prinzipiell, die Herstellung von 
Bereits 1997 war jedoch eine praxistaugliche Ver- 
sion des S-57-Standards von der IHO fertiggestellt 
Jnd in Kraft gesetzt worden, sodass die regelmäßi- 
ge Datenproduktion beginnen konnte. Im BSH wur- 
de eigens zu diesem Zweck eine Gruppe mit dem 
\amen „ECDIS-Datendienst“ unter der Leitung von 
Max Funke eingerichtet. Ein Vertriebskonzept für die 
ıerzustellenden Daten war von der IHO unter der 
Zezeichnung „Worldwide Electronic Chart Databa- 
se“ (WEND) ausgearbeitet worden, wiederum unter 
maßgeblicher Mitwirkung des BSH: Vorsitz in dem 
/on der IHO dafür eingesetzten WEND-Ausschuss 
lag beim damaligen BSH-Präsidenten, Prof. Dr. Peter 
Ehlers. Die erste Sitzung dieses Ausschusses, auf 
der die Grundlagen für WEND gelegt wurden, fand 
1993 im BSH statt. Dieses Konzept sah die Bildung
	        
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