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Gesamtdeutsche Entwicklung seit 1990
Der Aufbau eines digitalen Datendienstes
für ECDIS
Als 1993 von der IMO mit dem International Ship
Management (ISM) Code ein Qualitätsmanagement
für den Betrieb von Schiffen eingeführt wurde, er-
kannte man in der IHO, dass auch die Herstellung
von Daten für ein Navigationssystem auf Computer-
basis sicherheitskritisch ist, und forderte, die ECDIS-
Datenherstellung ebenfalls durch ein Qualitätsma-
nagementsystem (QMS) abzusichern. So entstand
der Entschluss, ein solches System im BSH in der
Abteilung „Nautische Hydrographie“ aufzubauen.
Allerdings erwies es sich schnell, dass man die
Daten nicht isoliert betrachten konnte, so dass man
sich entschloss, den Arbeitsfluss von der Aufnahme
der Seevermessungsdaten über deren Bearbei-
tung bis zur Erstellung der Produkte in Gänze einer
systematischen Qualitätssicherung zu unterwer-
fen. Hierfür standen Projektmittel bereit, mit denen
bereits 1995 die Arbeitsprozesse der Hydrographie
auf die Grundlage eines nach ISO 9001 zertifizier-
ten Qualitätsmanagementsystem gestellt werden
konnten, Damit war das BSH der weltweit erste
hydrographische Dienst und die erste Bundes-
behörde überhaupt, die ein solches Qualitäts-
mMmanagementsystem einführte.
Papierseekarten und die Produktion von ECDIS-
Daten zu einem einzigen Herstellungsprozess zu
verschmelzen. Darüber hinaus lässt sich die Daten-
struktur für ECDIS grundsätzlich auch auf die bisher
nicht digital erfassten Seebücher übertragen, eine
Möglichkeit, zusätzlich redundante Informationsteile
von Seekarten und Seebüchern in einer integrierten
Produktion zusammenzufassen. Diese Erkenntnis
natte bereits 1993 den Anstoß zu einem Projekt mit
dem Namen „Nautisch-Hydrographisches Informa-
tionssystem“ (NAUTHIS) gegeben, das alle für die
Karten- und Buchprodukte relevanten Informationer
'n einem Informationssystem zusammenführen so-
wie Werkzeuge für deren Pflege und die Erstellung
der gedruckten und digitalen Produkte integrieren
sollte. Unter der Leitung von Johannes Melles
startete dieses ehrgeizige Vorhaben im Jahr 2002,
das, wie sich später zeigte, letztlich zur äußeren
Klammer für alle hydrographischen Projekte in der
Folgezeit wurde. Das Projekt machte zunächst nur
nühsam Fortschritte, denn zu seinem Beginn gab
es noch keine Software auf dem Markt, die ein
solches Informationssystem mit einem integrierten
Produktionsprozess unterstützte, und erste Versu-
che, so etwas mit eigenen Kräften zu entwickeln,
scheiterten zunächst ebenso wie die Suche nach
FEirmenpartnern mit hinreichendem Know-how.
Mit der allmählichen Reifung des ECDIS-Datenstan-
dards musste natürlich zunehmend die Lösung des
Problems in den Fokus rücken, wie denn eine zu er-
wartende routinemäßige ECDIS-Datenproduktion ir
den allgemeinen Prozess der Seekartenherstellung
integriert werden könnte. Erschwerend kam hinzu,
dass das BSH wie alle Bundesbehörden nach der
Wiedervereinigung Personal abbauen musste in
einem Maße, das sich mit der Zeit auf ca 25% des
Gesamtpersonals aufsummierte. Die hydrographi-
sche Abteilung war aufgrund einer ungünstigen
Altersstruktur in besonderem Maße betroffen. Eine
Lösung konnte nur auf der Grundlage neuer, effizi-
enter Organisationsformen und Produktionstechniken
gefunden werden. Die Digitalisierung eröffnete auch
hier neue Möglichkeiten: So erlaubt der Daten-
standard $S-57 prinzipiell, die Herstellung von
Bereits 1997 war jedoch eine praxistaugliche Ver-
sion des S-57-Standards von der IHO fertiggestellt
Jnd in Kraft gesetzt worden, sodass die regelmäßi-
ge Datenproduktion beginnen konnte. Im BSH wur-
de eigens zu diesem Zweck eine Gruppe mit dem
\amen „ECDIS-Datendienst“ unter der Leitung von
Max Funke eingerichtet. Ein Vertriebskonzept für die
ıerzustellenden Daten war von der IHO unter der
Zezeichnung „Worldwide Electronic Chart Databa-
se“ (WEND) ausgearbeitet worden, wiederum unter
maßgeblicher Mitwirkung des BSH: Vorsitz in dem
/on der IHO dafür eingesetzten WEND-Ausschuss
lag beim damaligen BSH-Präsidenten, Prof. Dr. Peter
Ehlers. Die erste Sitzung dieses Ausschusses, auf
der die Grundlagen für WEND gelegt wurden, fand
1993 im BSH statt. Dieses Konzept sah die Bildung