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| Gesamtdeutsche Entwicklung seit 1990
gedruckte Seekarte von der Aufnahme der Mess-
daten über die redaktionelle Bearbeitung, den Satz
Und schließlich den Druck vollständig digital herzu-
stellen. Dies bedeutet einen wichtigen technischen
Durchbruch in der nautischen Kartographie. Damit
wurde die Umstellung des Seekartenwerks auf eine
datenbankgestützte Redaktion und Produktion ein-
geleitet, mit der alle notwendigen Quelldaten zentra
gesammelt und direkt für die Herstellung aller See-
xarten und Seebücher in gedruckter Form oder als
Datensatz verwendet werden können.
Digitalisierung am Digitalisiertisch im Jahre 1992
Digitale Produktion und digitale Produkte
Digitale Technik in der Kartographie hatte schon
‘rüh im DHI Einzug gehalten: Bereits seit 1977
wurden mathematisch definierbare Elemente der
Seekarten, wie z.B. Kartennetze und die für die
terrestrische Funknavigation benötigten Hyperbel-
netze nicht mehr graphisch konstruiert, sondern mit
dem Computer berechnet und auf einem Zeichen-
tisch ausgezeichnet. Und ab 1977 stand sogar
das nach damaligem Stand modernste Digitalisier-
system zur Verfügung, mit dem nach den Vorstel-
ungen des seinerzeit sehr fortschrittsorientierten
Abteilungsleiters, Dr. Werner Bettac, nach und
ıach alle Seekarten digital erfasst und rechner-
Jestützt laufend gehalten werden sollten. Und
doch sollten noch zwei Jahrzehnte vergehen, bis
die Grundlagen für eine digitale Kartographie zur
Verfügung standen, mit der der Computer nicht
nur als Zeichengerät eingesetzt wird, sondern
das volle Potential der Informationstechnik aus-
geschöpft werden konnte. Dies zeigt bereits, dass
die Geschichte der digitalen Produktion im See-
<artenwesen von Beginn an mit großen Erwartungen.
aber auch ebenso vielen Fehlschlägen verbunden
Jewesen Ist. Grund dafür waren zum einen das
-ehlen eines umfassenden informationstechnischen
Ansatzes zur Klassifizierung und Erfassung der
<arteninhalte, zum anderen die für eine so komplexe
Aufgabe noch ungenügende Leistungsfähigkeit der
damaligen Computertechnik.
Es ist interessant, dass man der Lösung des Pro-
dlems erst näherkam und sie schließlich fand, als
man sich nicht mehr nur mit den digitalen Verfahren
zur Herstellung von Papier-Seekarten befasste,
sondern mit einem Navigationssystem, das solche
Papier-Seekarten ablösen sollte: der Elektronischen
Seekarte. Rückblickend kann man sagen, dass das
DHI und besonders später das BSH bei dieser Ent-
wicklung auch international eine maßgebende Rolle
gespielt haben, in der die Voraussetzungen dafür
geschaffen worden sind, über die Seekarteninhalte
ıinaus auch die Inhalte der Seebücher und sogar
allgemein maritimer Daten in einem umfassender
nformationstechnischen Konzept abzudecken.
nsofern kann die Einführung der digitalen Technik
n die Herstellung von Seekarten und Seebücherr
nicht losgelöst von der Elektronischen Seekarte
Detrachtet werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass es bei der rech-
nergestützten Herstellung der Papier-Seekarten und
in der graphischen Technik unabhängig von der
Elektronischen Seekarte keine Fortschritte gegeben
hätte — ganz im Gegenteil. Diese Fortschritte erfolg-
ten aber auf der Grundlage des aktuellen techni-
schen Fortschrittes mit Hilfe technischer Lösungen,
die sich im Landbereich bereits bewährt hatten und
die „nur“ für die Aufgaben im Seebereich angepass!
werden mussten. Dass selbst dies keineswegs ein-
ach war, zeigte sich bei der Beschaffung des ers-
‚en modernen Digitalisiersystems für die Seekarten-