Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe | 49
wurde, 1986 begannen in Zusammenarbeit mit der
Hochschule für Seefahrt Warnemünde Vorarbeiten
für eine elektronische Bildschirmdarstellung von
Seekarten. Im Jahr 1987 konnten die beim Militär-
kartographischen Dienst entwickelte automatisierte
Herstellung von Kartennetzen aller Maßstäbe und
1989 die automatisierte Herstellung von Deccanet
zen für Seekarten in die praktische Nutzung über-
führt werden. 1988/89 wurde erstmals eine digitale
Tonnendatei mit über 2000 Positionen erarbeitet.
Die Versorgung der nationalen Flotte der DDR mit
berichtigten Seekarten erfolgte seit 1964 über die
zum VEB Schiffsversorgung Rostock gehörende
amtliche Vertriebs- und Berichtigungsstelle. Diese
Stelle besorgte auch den entsprechenden Vertrieb
der nautischen Bücher und des regelmäßigen Be-
richtigungsdienstes —- der „Nautische Mitteilungen
für Seefahrer“. Beide Publikationsarten wurden
ebenfalls beim SHD redaktionell und drucktech-
nisch betreut und entwickelten sich parallel zum
Seekartenwerk. Am Anfang wurde 1950 eine nautı-
sche Beschreibung der Küste der DDR herausge-
geben. Bis zur Aufnahme von Tauschbeziehungen
mit den hydrographischen Diensten der Nachbar-
staaten wurden Vorkriegsausgaben sowie durch
das DHI inzwischen bearbeitete Seehandbücher
nachgedruckt. Auf diese Weise waren 1951 bereits
19 Seehandbücher erschienen. Etwa zehn weitere
Jahre waren erforderlich, um ein neues nationales
Seehandbuchwerk aufzubauen. Der Gebrauchs-
wert der Seehandbücher, die in den Jahren 1966
bis 1980 den wachsenden Anforderungen des
modernen Seeverkehrs entsprechend modernisiert
wurden, konnte zielstrebig erhöht werden. Die sich
in den einzelnen Büchern wiederholenden Angaben
wurden erstmals 1969 in zwei Allgemeinen Bänden
zusammengefasst. Das entsprach zahlreichen Wün-
schen aus der Schifffahrtspraxis und -ausbildung
und fand auch internationale Anerkennung.
des Leuchtfeuerverzeichnisses. Von 1959 bis 1964
erfolgte mit dem Übergang vom festen Einband auf
die Loseblattform eine erste Modernisierung. Nach
weiteren Untersuchungen zur Gebrauchswerterhö-
hung und Kostensenkung wurde von 1974 bis 1979
die Umstellung aller Teile auf das benutzerfreund-
liche Hochformat mit einer neuen Gebietseinteilung
vorgenommen. Ab 1988 wurde nach einer neuen
Rationalisierungskonzeption eine dritte Modernisie-
rung eingeleitet, bei der alle Leuchttonnen entfielen
und eine neue Gebietseinteilung erfolgte.
Alle vier Bände des weltweit bearbeiteten Nau-
tischen Funkdienstes wurden bereits 1953 als
praktische Ringbücher herausgegeben, die ent-
sprechend der Entwicklung des Seefunkwesens
mehrfach inhaltlich erweitert und teilweise neu ge-
ordnet wurden. Viele Funkoffiziere der Handelsflotte
unterstützten durch ihre Berichte und Mitteilungen
die Richtigkeit der Angaben. Ab 1988 begannen
Vorarbeiten, um den Nautischen Funkdienst nach
1990 entsprechend den modernen Anforderunger
neu zu bearbeiten. Von den zahlreichen weiterer
Veröffentlichungen, die der Seehydrographische
Dienst während seines vierzigjährigen Bestehens
herausgab, soll hier lediglich das seit 1950 heraus-
gegebene Nautische Jahrbuch erwähnt werden,
dessen Manuskript seit 1960 im Institut für Meeres-
kunde der Akademie der Wissenschaften der DDR
bearbeitet wurde. Der Nautische Warn- und Nach-
richtendienst der DDR wurde vom Seehydrograph'-
schen Dienst ausgeübt. Für dessen Organisation
war die Redaktion der „Nautische Mitteilungen für
Seefahrer“ (NMfS) zuständig. Nachdem bereits im
April 1950 die Veränderungsmeldungen des ersten
Quartals in einem Sammelheft herausgegeben
wurden, erschien am 15. September 1950 die erste
Ausgabe NMfS, die wöchentlich erschien. Die
jährliche Ausgabe Nummer 1 wurde ab 1963 um
allgemeine Bestimmungen und Bekanntmachungen
erweitert.
Nachdem bereits 1950 das „Verzeichnis der Leucht
feuer und Signalstellen an der Küste der DDR“
erschien, folgten bis Ende 1952 acht weitere Teile