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| Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe
Nachdem in den Jahren 1957 bis 1960 Wracksuche,
Hafenvermessung und Luftbildaufnahmen der
Häfen die Schwerpunkte der hydrographischen
Arbeiten waren, wurde ab 1961 begonnen, mit dem
Vermessungsschiff KARL F. GAUSS die Vermes-
sung der Küstengewässer der DDR in den Maß-
stäben 1:10000 und 1:50000 zu wiederholen. Im
Jahre 1970 wurden die Gruppen Seevermessung in
der Unterabteilung Hydrographie aufgelöst, je eine
Seevermessungsgruppe dem SHD Peenemünde
und dem SHD Warnemünde unterstellt und in der
Unterabteilung Hydrographie ein Planungs- und
Kontrollorgan sowie eine geodätische Gruppe ge-
bildet. Mehr als zehn Jahre hatte eine solche zentral!
geleitete geodätische Gruppe gefehlt. Nun war
das in den Anfangsjahren des SHD geschaffene
nautische Festpunktfeld praktisch zerstört. In enger
Zusammenarbeit mit dem VEB Kombinat Geodäsie
und Kartographie, Betrieb Schwerin gelang bis
1980, im Küstengebiet der DDR ein nautisches
Festpunktfeld wiederherzustellen, das etwa 1600
Festpunkte umfasste und in der Qualität dem Staat:
'ichen Trigonometrischen Netz 5. Ordnung gleich-
gesetzt werden konnte. Außerdem gelang es, die
Wiederholung des staatlichen Nivellements 1. und
2, Ordnung in den 80er-Jahren zum Anschluss aller
Pegel-Höhenfestpunkte an das Staatliche Höhen-
system der DDR zu nutzen. Eine besondere Leis-
tung war dabei das mit Hilfe des Zentralinstituts für
Physik der Erde durchgeführte hydrokinematische
Nivellement zum Höhenanschluss der Inseln Greifs-
walder Oie und Ruden. Mit diesen Arbeiten war im
Küstengebiet der DDR eine geodätische Grundlage
von hoher Qualität für den Lage- und Höhenan-
schluss der Seevermessungsarbeiten geschaffen.
sungsgebiet bis an die Seegrenzen der benachbar-
ten Ostseeanliegerstaaten ausgedehnt werden. Im
Jahre 1981 wurden schließlich die Vermessungsbar-
xasse BESSEL sowie 1983 das Wohn- und Arbeits-
schiff MERCATOR in Dienst gestellt und für die Ver-
peilung der inneren Seegewässer, Fahrwasser und
Häfen eingesetzt. Danach wurde der Anschluss der
mportierten Vermessungstechnik an Rechentechnik
aus der Produktion der DDR und die schrittweise
Automatisierung der Datenverarbeitung eingeleitet.
C.F. GAUSS im Rostocker Stadthafen
Das Seekartenwerk, Seehandbücher und andere
nautische Veröffentlichungen des SHD
Die Ausgangsbedingungen für die Schaffung eines
3igenen Seekarten- und Bücherwerkes waren, wie
dereits für die Seevermessung beschrieben, im
östlichen Teil Deutschlands denkbar ungünstig.
Gemäß dem Beschluss des Alliierten Kontrollrates
waren bis 1947 sämtliche gesammelten Unterlagen
und Vermessungsergebnisse an das für alle damali:
gen Besatzungszonen Deutschlands geschaffene
Deutsche Hydrographische Institut in Hamburg
übergeben worden. Neben diesen Quellen und
der notwendigen Technik fehlte es aber auch an
Fachleuten. Die sich nach 1945 neu entwickelnde
Schifffahrt und Fischerei hatten jedoch dringenden
3edarf, und so erfolgte bereits ab 1949 die Her-
ausgabe von alten deutschen Seekarten aus der
Zeit vor 1945, sogenannten Nachdruckseekarten.
die auf Grund der großen Formate nur beim Ver-
Auch die Seevermessungstechnik wurde moderni-
siert. Im Jahre 1976 konnte das Vermessungsschiff
CARL FR. GAUSS in Dienst gestellt werden. Dieses
Vermessungsschiff verpeilte mit seiner vergleichs-
weise modernen, aus der Bundesrepublik importier-
ten Vermessungsausrüstung bis 1990 etwa 60000
km Lotungslinien in der Mecklenburger Bucht und
in der Arkonasee. Außerdem konnte das Vermes-