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Volltext: 150 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 2011

Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe | 45 
Am 18. Dezember 1947 wurde mit den Ver- 
suchen des Rahmenpeilgerätes begonnen. 
Schon nach kurzer Fahrt wurde beobachtet, 
dass dieses Gerät zu leicht ist ... Selbst eine 
weitere Anbringung von etwa 15 kg Ballast an 
jedem Taster brachte nicht den gewünschten 
Erfolg, da auch hier noch ein Auftrieb von etwa 
1 m zu verzeichnen war. Darauf wurden die 
Versuche abgebrochen, da sich das Motorschifl 
„Borwin“ und das zu leichte Rahmenpeilgerät 
für diese Zwecke als unbrauchbar erwiesen ... 
Eines der ersten SHD-Schiffe Mitte der 50er-Jahre in Wolgast 
Aus den Vermessungsgruppen in Stralsund und 
Rostock ging mit der Gründung des SHD deren 
Abteilung Seevermessung (ab 1951 Expedition 
Seevermessung) hervor. Für die drei zugehörigen 
Seevermessungsgruppen standen die Kutter HYD- 
ROGRAPH, der Motorsegler SENTA, die Barkasse 
ERNA, die Motorboote SCHWALBE und KRANICH 
sowie je Gruppe zwei Dreiarmtransporteure, drei 
Sextanten, Lotleinen, Peilstäbe und für alle Gruppen 
ein einziger Theodolit zur Verfügung. Die Basis für 
die Landvermessungsgruppe war das Wohnschiff 
BARTH. Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeits- 
und Lebensbedingungen war der SMAD-Befehl 
Nr. 234, der jedem Werktätigen in der Produktion 
täglich eine warme und vor allem markenfreie 
Mahlzeit garantierte. 
Die ersten Vermessungsgruppenleiter waren erfah- 
rene Nautiker, die später durch junge Vermessungs- 
ingenieure abgelöst wurden. Ab 1950 wurden die 
ersten Lehrlinge eingestellt und Vorbereitungen für 
Lehrgänge zur Ausbildung von Seevermessungs- 
technikern und -ingenieuren an der Seepolizeiof- 
fiziersschule in Stralsund getroffen. Durch die In- 
dienststellung des Loggers JOH. L. KRÜGER (1951) 
als Forschungs- und Vermessungsschiff, 
des Seiners KARL F. GAUSS als Vermessungs- 
schiff (1952) sowie der großen Kutter JORDAN und 
MAGNETOLOGE (1954) als Vermessungsfahrzeuge 
konnten die technischen Voraussetzungen für SyS- 
tematische Vermessungen wesentlich verbessert 
werden. JORDAN und MAGNETOLOGE waren mit 
Vermessungsecholoten sowjetischer Bauart aus- 
gestattet. Im Jahre 1956 konnte das vom Nautisch- 
Hydrographischen Institut des SHD entwickelte und 
vom VEB RFT Berlin-Köpenick hergestellte elektroni- 
sche Flachecholot auf MS HYDROGRAPH mit Erfolg 
erprobt werden. Die theoretische und technologi- 
sche Grundlage aller Arbeiten waren zunächst zwei 
Bände „Anweisungen für die Vermessungsarbeiten 
der Kriegsmarine“ aus dem Jahre 1944, die in den 
fünfziger Jahren nach und nach durch Handbücher 
ersetzt wurden, die auf den inzwischen gewonnenen 
Erfahrungen der SHD-Mitarbeiter basierten. Für die 
Vermessung der 3 sm breiten Territorialgewässer 
der DDR bis zum Jahre 1957 wurden 46089 km 
Lotungslinien, etwa 300 km? tachymetrischer 
Küstenaufnahme, 270 km Doppelnivellement 
(darunter das bemerkenswerte Hiddensee-Nivelle- 
ment mit vier Stroaomübergängen im Jahre 1956), 
53 Hafenvermessungen und erdmagnetische 
Messungen auf 114 See- und 437 Landstationer 
ausgeführt. Die Expedition Seevermessung, die 
zeitweilig über fünf Seevermessungsgruppen, 
zwei Landvermessungsgruppen, eine erdmag- 
netische Gruppe und eine Gruppe Bearbeitung 
verfügte, wurde im Bestand wesentlich reduziert, 
als selbständige Struktureinheit aufgelöst und 1956 
in die Abteilung Seevermessung/Seekarten- und 
Bücherwerk (ab 1957 Hydrographisches Werk) 
eingegliedert.
	        
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