Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe | 45
Am 18. Dezember 1947 wurde mit den Ver-
suchen des Rahmenpeilgerätes begonnen.
Schon nach kurzer Fahrt wurde beobachtet,
dass dieses Gerät zu leicht ist ... Selbst eine
weitere Anbringung von etwa 15 kg Ballast an
jedem Taster brachte nicht den gewünschten
Erfolg, da auch hier noch ein Auftrieb von etwa
1 m zu verzeichnen war. Darauf wurden die
Versuche abgebrochen, da sich das Motorschifl
„Borwin“ und das zu leichte Rahmenpeilgerät
für diese Zwecke als unbrauchbar erwiesen ...
Eines der ersten SHD-Schiffe Mitte der 50er-Jahre in Wolgast
Aus den Vermessungsgruppen in Stralsund und
Rostock ging mit der Gründung des SHD deren
Abteilung Seevermessung (ab 1951 Expedition
Seevermessung) hervor. Für die drei zugehörigen
Seevermessungsgruppen standen die Kutter HYD-
ROGRAPH, der Motorsegler SENTA, die Barkasse
ERNA, die Motorboote SCHWALBE und KRANICH
sowie je Gruppe zwei Dreiarmtransporteure, drei
Sextanten, Lotleinen, Peilstäbe und für alle Gruppen
ein einziger Theodolit zur Verfügung. Die Basis für
die Landvermessungsgruppe war das Wohnschiff
BARTH. Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeits-
und Lebensbedingungen war der SMAD-Befehl
Nr. 234, der jedem Werktätigen in der Produktion
täglich eine warme und vor allem markenfreie
Mahlzeit garantierte.
Die ersten Vermessungsgruppenleiter waren erfah-
rene Nautiker, die später durch junge Vermessungs-
ingenieure abgelöst wurden. Ab 1950 wurden die
ersten Lehrlinge eingestellt und Vorbereitungen für
Lehrgänge zur Ausbildung von Seevermessungs-
technikern und -ingenieuren an der Seepolizeiof-
fiziersschule in Stralsund getroffen. Durch die In-
dienststellung des Loggers JOH. L. KRÜGER (1951)
als Forschungs- und Vermessungsschiff,
des Seiners KARL F. GAUSS als Vermessungs-
schiff (1952) sowie der großen Kutter JORDAN und
MAGNETOLOGE (1954) als Vermessungsfahrzeuge
konnten die technischen Voraussetzungen für SyS-
tematische Vermessungen wesentlich verbessert
werden. JORDAN und MAGNETOLOGE waren mit
Vermessungsecholoten sowjetischer Bauart aus-
gestattet. Im Jahre 1956 konnte das vom Nautisch-
Hydrographischen Institut des SHD entwickelte und
vom VEB RFT Berlin-Köpenick hergestellte elektroni-
sche Flachecholot auf MS HYDROGRAPH mit Erfolg
erprobt werden. Die theoretische und technologi-
sche Grundlage aller Arbeiten waren zunächst zwei
Bände „Anweisungen für die Vermessungsarbeiten
der Kriegsmarine“ aus dem Jahre 1944, die in den
fünfziger Jahren nach und nach durch Handbücher
ersetzt wurden, die auf den inzwischen gewonnenen
Erfahrungen der SHD-Mitarbeiter basierten. Für die
Vermessung der 3 sm breiten Territorialgewässer
der DDR bis zum Jahre 1957 wurden 46089 km
Lotungslinien, etwa 300 km? tachymetrischer
Küstenaufnahme, 270 km Doppelnivellement
(darunter das bemerkenswerte Hiddensee-Nivelle-
ment mit vier Stroaomübergängen im Jahre 1956),
53 Hafenvermessungen und erdmagnetische
Messungen auf 114 See- und 437 Landstationer
ausgeführt. Die Expedition Seevermessung, die
zeitweilig über fünf Seevermessungsgruppen,
zwei Landvermessungsgruppen, eine erdmag-
netische Gruppe und eine Gruppe Bearbeitung
verfügte, wurde im Bestand wesentlich reduziert,
als selbständige Struktureinheit aufgelöst und 1956
in die Abteilung Seevermessung/Seekarten- und
Bücherwerk (ab 1957 Hydrographisches Werk)
eingegliedert.