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Full text: 150 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 2011

Au 
| Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe 
Der Seevermessungsdienst des SHD 
Die letzten Seevermessungen in den Küstengewäs- 
sern der damaligen sowjetischen Besatzungszone 
stammten teilweise noch aus der Zeit vor dem 
1. Weltkrieg: Wismarbucht vor 1917, Mecklenburger 
Bucht vor 1929, Arkonasee und Boddenkette West 
vor 1905, um Hiddensee vor 1935, östlich Rügen, 
Oderhaff, Peenestrom und Greifswalder Bodden vor 
1912, Landtief und Osttief vor 1936 sowie Oderbucht 
vor 1913. Selbst diese Vermessungsunterlagen 
waren jedoch nicht zugänglich, weil sie wie alle 
Unterlagen und Geräte, darunter auch die kleine 
Gezeitenrechenmaschine aus Greifswald, zum 
Aufbau des Deutschen Hydrographischen Instituts 
(DHI) nach Hamburg gebracht worden waren. 
Mit der Verpeilung der Wismarbucht sowie der 
Häfen Wismar, Tarnewitz, Timmendorf und Rerik 
im Jahre 1947 durch das Vermessungsschiff PAUL 
BENEKE, hatte das DHI auch begonnen, die Küs- 
tengewässer der sowjetischen Besatzungszone 
zu vermessen. Die Vermessungsarbeiten in den 
Seegebieten der Reede Warnemünde, des Stral- 
sunder Fahrwassers, der Reede Saßnitz und des 
Osttieffahrwassers waren für 1948 geplant, kamen 
jedoch nicht mehr zur Ausführung. Nur die Abschrif- 
'en der Berichte des Kapitäns der PAUL BENEKE 
verblieben beim Wasserstraßenamt Rostock. Die in 
Rostock und in Stralsund in dieser Zeit gegebenen 
Möglichkeiten zur Seevermessung sind aus folgen- 
den Zitaten aus archiviertem Schriftgut ersichtlich. 
m Bericht des Vorstandes des Wasserstraßenamtes 
Stralsund, Koll. Kläckow, vom 10. Dezember 1947 
zur Tiefenvermessung des Fahrwassers Osttief ist 
nachzulesen: 
dem Registrierpapierband bezeichnet, sobald 
der Peildampfer dieselben passiert. Die Tiefen 
der Fahrwasserrinne sind in der Fahrwassermit- 
te und an der roten und schwarzen Tonnenseite 
‚estgestellt. Aufgrund der örtlich aufgenomme- 
nen Wassertiefen auf der Registrierrolle wurde 
im Büro des Wasserstraßenamtes der anliegen- 
de maßstäbliche Längsschnitt angefertigt. Die 
Registrierrollen können zur Zeit zur Überprüfung 
nicht vorgelegt werden, da dieselben zur Wie- 
derverwendung benutzt werden müssen, da ein 
anderer Ersatz nicht aufzutreiben ist ...“ 
Die Situation in Rostock schildert der Peilmeister 
Voigt in seinem Bericht über Rahmenpeilungen im 
Bereich des WasserstraBenamtes Rostock vom 
22. Dezember 1947 wie folgt: 
„Am 9. Dezember 1947 wurde mir durch Herrn 
Boldt als Vorstand des Wasserstraßenamtes 
Rostock erklärt, dass für die Rahmenpeilungen 
kein Fahrzeug vorhanden wäre. Das Motorschiff 
‚Borwin“ muss laut Verfügung der Generaldirek- 
{ion die Winterbetonnung durchführen ... Herr 
Boldt schlägt vor, über die Generaldirektion den 
Dampfer „Blitz“ (Stralsund) mit den Rahmenpei- 
lungen in Rostock zu beordern, da das einzige 
in Rostock vorhandene Motorschiff „Borwin“ ... 
nur bei schlechtem Wetter für Peilzwecke abge 
geben werden kann. Das konnte nicht erfolgen 
da „Blitz“ für Auswechselung der Winterbeton- 
nung eingesetzt war. 
Herr Vermessungsingenieur Wilhelm (Rostock) 
hatte für Flußsohlenpeilungen bei der Werft von 
"udwig (Rostock) zwei Taster aus Gasrohr von 
atwa 13 m Länge und 2“ Durchmesser anfer- 
tigen lassen, welche am 17. Dezember 1947 
am Motorschiff „Borwin“ befestigt wurden, als 
schlechte Witterung die Auslegung der Winter 
tonnen verhinderte. 
‚... Die Auslotung erfolgt durch ein Peilgerät, 
das in dem Schleppdampfer „Blitz“ einge- 
baut ist. Ein seitlich am Dampfer angebrach- 
ter eiserner Taster schleift auf der Sohle des 
Fahrwassers entlang und überträgt im Maßstab 
1:50 die vorhandenen Wassertiefen auf einer 
Registrierpapierrolle, die durch ein Uhrwerk 
bewegt wird. Die an den Fahrwasserrinnen 
ausliegenden Tonnen werden von Hand auf
	        
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