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| Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe
Der Seevermessungsdienst des SHD
Die letzten Seevermessungen in den Küstengewäs-
sern der damaligen sowjetischen Besatzungszone
stammten teilweise noch aus der Zeit vor dem
1. Weltkrieg: Wismarbucht vor 1917, Mecklenburger
Bucht vor 1929, Arkonasee und Boddenkette West
vor 1905, um Hiddensee vor 1935, östlich Rügen,
Oderhaff, Peenestrom und Greifswalder Bodden vor
1912, Landtief und Osttief vor 1936 sowie Oderbucht
vor 1913. Selbst diese Vermessungsunterlagen
waren jedoch nicht zugänglich, weil sie wie alle
Unterlagen und Geräte, darunter auch die kleine
Gezeitenrechenmaschine aus Greifswald, zum
Aufbau des Deutschen Hydrographischen Instituts
(DHI) nach Hamburg gebracht worden waren.
Mit der Verpeilung der Wismarbucht sowie der
Häfen Wismar, Tarnewitz, Timmendorf und Rerik
im Jahre 1947 durch das Vermessungsschiff PAUL
BENEKE, hatte das DHI auch begonnen, die Küs-
tengewässer der sowjetischen Besatzungszone
zu vermessen. Die Vermessungsarbeiten in den
Seegebieten der Reede Warnemünde, des Stral-
sunder Fahrwassers, der Reede Saßnitz und des
Osttieffahrwassers waren für 1948 geplant, kamen
jedoch nicht mehr zur Ausführung. Nur die Abschrif-
'en der Berichte des Kapitäns der PAUL BENEKE
verblieben beim Wasserstraßenamt Rostock. Die in
Rostock und in Stralsund in dieser Zeit gegebenen
Möglichkeiten zur Seevermessung sind aus folgen-
den Zitaten aus archiviertem Schriftgut ersichtlich.
m Bericht des Vorstandes des Wasserstraßenamtes
Stralsund, Koll. Kläckow, vom 10. Dezember 1947
zur Tiefenvermessung des Fahrwassers Osttief ist
nachzulesen:
dem Registrierpapierband bezeichnet, sobald
der Peildampfer dieselben passiert. Die Tiefen
der Fahrwasserrinne sind in der Fahrwassermit-
te und an der roten und schwarzen Tonnenseite
‚estgestellt. Aufgrund der örtlich aufgenomme-
nen Wassertiefen auf der Registrierrolle wurde
im Büro des Wasserstraßenamtes der anliegen-
de maßstäbliche Längsschnitt angefertigt. Die
Registrierrollen können zur Zeit zur Überprüfung
nicht vorgelegt werden, da dieselben zur Wie-
derverwendung benutzt werden müssen, da ein
anderer Ersatz nicht aufzutreiben ist ...“
Die Situation in Rostock schildert der Peilmeister
Voigt in seinem Bericht über Rahmenpeilungen im
Bereich des WasserstraBenamtes Rostock vom
22. Dezember 1947 wie folgt:
„Am 9. Dezember 1947 wurde mir durch Herrn
Boldt als Vorstand des Wasserstraßenamtes
Rostock erklärt, dass für die Rahmenpeilungen
kein Fahrzeug vorhanden wäre. Das Motorschiff
‚Borwin“ muss laut Verfügung der Generaldirek-
{ion die Winterbetonnung durchführen ... Herr
Boldt schlägt vor, über die Generaldirektion den
Dampfer „Blitz“ (Stralsund) mit den Rahmenpei-
lungen in Rostock zu beordern, da das einzige
in Rostock vorhandene Motorschiff „Borwin“ ...
nur bei schlechtem Wetter für Peilzwecke abge
geben werden kann. Das konnte nicht erfolgen
da „Blitz“ für Auswechselung der Winterbeton-
nung eingesetzt war.
Herr Vermessungsingenieur Wilhelm (Rostock)
hatte für Flußsohlenpeilungen bei der Werft von
"udwig (Rostock) zwei Taster aus Gasrohr von
atwa 13 m Länge und 2“ Durchmesser anfer-
tigen lassen, welche am 17. Dezember 1947
am Motorschiff „Borwin“ befestigt wurden, als
schlechte Witterung die Auslegung der Winter
tonnen verhinderte.
‚... Die Auslotung erfolgt durch ein Peilgerät,
das in dem Schleppdampfer „Blitz“ einge-
baut ist. Ein seitlich am Dampfer angebrach-
ter eiserner Taster schleift auf der Sohle des
Fahrwassers entlang und überträgt im Maßstab
1:50 die vorhandenen Wassertiefen auf einer
Registrierpapierrolle, die durch ein Uhrwerk
bewegt wird. Die an den Fahrwasserrinnen
ausliegenden Tonnen werden von Hand auf