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Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe
Die Hoffnung, mit der Ablösung manueller Zeichen-
'echniken durch digitale Verfahren die Bearbeitung
erheblich zu beschleunigen und dabei noch Kosten
zu sparen, gingen jedoch erst Anfang des 21. Jahr-
hunderts in Erfüllung. Speziell der sehr langsame
Bildschirmaufbau beim Zugriff auf gespeicherte
Daten ließ immer wieder Wartezeiten entstehen. Der
Rechner zu diesem System war einfach noch nicht
'eistungsfähig genug. Zudem waren die Routinen für
die Eingabe von Daten noch sehr umständlich. Zwar
'ießen sich einige Elemente der Seekarte mit die-
sem System schneller darstellen als durch manuelle
Zeichnung, Gravur oder Montage, doch insgesamt
war dieses Vorgehen zu dieser Zeit noch unwirt-
schaftlich. Dies änderte sich erst mit der Einführung
automatisierter Eingabeverfahren, z.B. durch Scan-
nen und mit den leistungsfähigeren IT-Systemen in
den kommenden Jahrzehnten. Bis dahin war Karto-
graphie weiterhin ein zeitintensives Geschäft, das
auch handwerkliches Geschick voraussetzte. Eine
ı1ahezu vollständige Digitalisierung konnte somit
aur an drei Karten der französischen Küste erprobt
werden (Krt. Nr. 208, 281 und 282).
Parallel zu diesen Arbeiten an den Herstellungsver-
fahren für gedruckte Seekarten begann die Schiff-
fahrt mit ersten Anlagen zu experimentieren, die
es ermöglichten, die eigene Schiffsposition digital
darzustellen, sei es auf einem Bildschirm oder
einem Kartentisch mittels eines über ein Gestänge
angesteuerten Lichtpunktes. Aus diesen Versucher
sollte sich bald der Wunsch nach der sogenannter
Elektronischen Seekarte entwickeln, die das Me-
dium Papier zugunsten einer Bildschirmausgabe
hinter sich lassen sollte.
graphischer Sicht vor allem durch die vergleichswei-
se geringe Bildschirmgröße und -auflösung mit dem
Nachteil behaftet, dass bei der Übersichtsdarstel-
lung in kleinen Maßstäben die Texte und Signaturen
unlesbar winzig zusammenschrumpfen, während
beim Hineinzoomen die Darstellung unlesbar körnig
wird und zudem Kartengenauigkeiten suggeriert,
die die gewählte Generalisierung der Karteninhalte
nicht erfüllen kann. Die ersten wichtigen Entwick-
lungsschritte, die später den Technologiesprung
zur Elektronischen Seekarte auf der Basis der heute
eingesetzten standardisierten Vektorkarte ermög-
lichten, wurden 1988 in den Räumen der Seefahrts:
schule an der Hamburger Elbchaussee getan. Hier
trafen sich einen Sommer lang zwei Kartographen
des DHI fast täglich mit Mitarbeitern der Schiffsfüh-
rungs-Simulationsanlage (SUSAN) der FH Hamburg
und entwickelten in einem gemeinsamen Projekt
auf einem einfachen Computer der Marke Atari die
ersten Objekte und Attribute für das datenbank-
orientierte Standardformat der heutigen Elektroni-
schen Seekarte. Sie hatten als erste die Idee, die
nautische-hydrographische Welt in Objekte einzu-
teilen, die mit unterschiedlichen Attributen weiter
spezifiziert werden. Diese aus der Landkartographie
übernommene Idee bedeutete eine völlige Abkehr
von dem bis dahin verfolgten Ansatz, das gedruckte
Kartenbild mit seinen graphischen Signaturen digita
auf einen Bildschirm zu kopieren. Aus den damit
erzeugbaren hydrographisch klassifizierten Daten-
bankinhalten sollten erst in einem weiteren Schritt
programmgestützt Papierseekarten und Elektroni-
sche Seekartendaten für den Bordeinsatz abgeleite!
werden. Von dieser Philosophie musste allerdings
erst die restliche hydrographische Welt überzeugt
werden, denn nur als weltumspannend standar
disiertes System konnte diese Technologie ihren
vollen Nutzen entfalten. Alle Standardisierungsbe-
mühungen, die in den vergangenen siebzig Jahren
‘ür gedruckte Seekarten unter dem Dach der IHO
stattgefunden hatten, sollten nun im Zeitraffer auf
die digitale Kartenwelt übertragen werden.
Im April 1989 wurde von der damaligen DHI/SUSAN-
Arbeitsgruppe die erste Version des Objektklassen-
Weiterentwicklung bis zum Standardformat für
die Elektronische Seekarte
Der erste Schritt in dieser Entwicklung bestand in
der Bildschirmdarstellung der durch Scannen ge-
wonnenen digitalen Abbilder von gedruckten See-
karten, die auf einem Bildschirm mit der Darstellung
der aktuellen Schiffsposition kombiniert wurden.
Diese sogenannte Rasterkartentechnik ist aus karto-