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Full text: 150 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 2011

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Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe 
Die Hoffnung, mit der Ablösung manueller Zeichen- 
'echniken durch digitale Verfahren die Bearbeitung 
erheblich zu beschleunigen und dabei noch Kosten 
zu sparen, gingen jedoch erst Anfang des 21. Jahr- 
hunderts in Erfüllung. Speziell der sehr langsame 
Bildschirmaufbau beim Zugriff auf gespeicherte 
Daten ließ immer wieder Wartezeiten entstehen. Der 
Rechner zu diesem System war einfach noch nicht 
'eistungsfähig genug. Zudem waren die Routinen für 
die Eingabe von Daten noch sehr umständlich. Zwar 
'ießen sich einige Elemente der Seekarte mit die- 
sem System schneller darstellen als durch manuelle 
Zeichnung, Gravur oder Montage, doch insgesamt 
war dieses Vorgehen zu dieser Zeit noch unwirt- 
schaftlich. Dies änderte sich erst mit der Einführung 
automatisierter Eingabeverfahren, z.B. durch Scan- 
nen und mit den leistungsfähigeren IT-Systemen in 
den kommenden Jahrzehnten. Bis dahin war Karto- 
graphie weiterhin ein zeitintensives Geschäft, das 
auch handwerkliches Geschick voraussetzte. Eine 
ı1ahezu vollständige Digitalisierung konnte somit 
aur an drei Karten der französischen Küste erprobt 
werden (Krt. Nr. 208, 281 und 282). 
Parallel zu diesen Arbeiten an den Herstellungsver- 
fahren für gedruckte Seekarten begann die Schiff- 
fahrt mit ersten Anlagen zu experimentieren, die 
es ermöglichten, die eigene Schiffsposition digital 
darzustellen, sei es auf einem Bildschirm oder 
einem Kartentisch mittels eines über ein Gestänge 
angesteuerten Lichtpunktes. Aus diesen Versucher 
sollte sich bald der Wunsch nach der sogenannter 
Elektronischen Seekarte entwickeln, die das Me- 
dium Papier zugunsten einer Bildschirmausgabe 
hinter sich lassen sollte. 
graphischer Sicht vor allem durch die vergleichswei- 
se geringe Bildschirmgröße und -auflösung mit dem 
Nachteil behaftet, dass bei der Übersichtsdarstel- 
lung in kleinen Maßstäben die Texte und Signaturen 
unlesbar winzig zusammenschrumpfen, während 
beim Hineinzoomen die Darstellung unlesbar körnig 
wird und zudem Kartengenauigkeiten suggeriert, 
die die gewählte Generalisierung der Karteninhalte 
nicht erfüllen kann. Die ersten wichtigen Entwick- 
lungsschritte, die später den Technologiesprung 
zur Elektronischen Seekarte auf der Basis der heute 
eingesetzten standardisierten Vektorkarte ermög- 
lichten, wurden 1988 in den Räumen der Seefahrts: 
schule an der Hamburger Elbchaussee getan. Hier 
trafen sich einen Sommer lang zwei Kartographen 
des DHI fast täglich mit Mitarbeitern der Schiffsfüh- 
rungs-Simulationsanlage (SUSAN) der FH Hamburg 
und entwickelten in einem gemeinsamen Projekt 
auf einem einfachen Computer der Marke Atari die 
ersten Objekte und Attribute für das datenbank- 
orientierte Standardformat der heutigen Elektroni- 
schen Seekarte. Sie hatten als erste die Idee, die 
nautische-hydrographische Welt in Objekte einzu- 
teilen, die mit unterschiedlichen Attributen weiter 
spezifiziert werden. Diese aus der Landkartographie 
übernommene Idee bedeutete eine völlige Abkehr 
von dem bis dahin verfolgten Ansatz, das gedruckte 
Kartenbild mit seinen graphischen Signaturen digita 
auf einen Bildschirm zu kopieren. Aus den damit 
erzeugbaren hydrographisch klassifizierten Daten- 
bankinhalten sollten erst in einem weiteren Schritt 
programmgestützt Papierseekarten und Elektroni- 
sche Seekartendaten für den Bordeinsatz abgeleite! 
werden. Von dieser Philosophie musste allerdings 
erst die restliche hydrographische Welt überzeugt 
werden, denn nur als weltumspannend standar 
disiertes System konnte diese Technologie ihren 
vollen Nutzen entfalten. Alle Standardisierungsbe- 
mühungen, die in den vergangenen siebzig Jahren 
‘ür gedruckte Seekarten unter dem Dach der IHO 
stattgefunden hatten, sollten nun im Zeitraffer auf 
die digitale Kartenwelt übertragen werden. 
Im April 1989 wurde von der damaligen DHI/SUSAN- 
Arbeitsgruppe die erste Version des Objektklassen- 
Weiterentwicklung bis zum Standardformat für 
die Elektronische Seekarte 
Der erste Schritt in dieser Entwicklung bestand in 
der Bildschirmdarstellung der durch Scannen ge- 
wonnenen digitalen Abbilder von gedruckten See- 
karten, die auf einem Bildschirm mit der Darstellung 
der aktuellen Schiffsposition kombiniert wurden. 
Diese sogenannte Rasterkartentechnik ist aus karto-
	        
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