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Full text: 150 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 2011

Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe | 35 
strichförmige Zeitmarke erzeugt, die zunächst durch 
Stempelung von Hand, später durch automatische 
Beschriftung mit der Uhrzeit und den Hyperbelwer- 
'en des Funkortungsempfängers versehen wurde. 
Nlach der manuellen Beschickung der auf dem 
zchogramm aufgezeichneten Wassertiefen auf 
Kartennull wurden die Echogrammtiefen mit einem 
halbautomatischen Auswertegerät digitalisiert. Die 
weitere Datenverarbeitung geschah auf der 
zentralen Rechenanlage des DHI. Die Zuordnung 
der Positionen zu den Wassertiefen erfolgte über 
die registrierten Zeiten. Nach einer Umformung und 
Aufbereitung wurde ein weiterer Lochstreifen aus- 
gegeben, der als Steuerstreifen für einen numerisch 
gesteuerten Zeichentisch diente. Er enthielt die 
notwendigen Befehle zum Anfahren und Markieren 
der Positionen in der Karte sowie zur Beschriftung 
ınd zum Schreiben der Tiefenzahlen. 
Dieses Verfahren wurde später durch Magnetbän- 
der ersetzt. Auf diesen Bandkassetten wurden die 
vom Syledis-Empfänger berechneten Gauß-Krüger- 
Koordinaten mit der Uhrzeit und — falls gewünscht — 
nit digitalen Wassertiefen gespeichert. In diesem 
Falle waren bis auf die Beschickung alle für die 
Erzeugung von Arbeitskarten benötigten Messwerte 
auf einem Datenträger vorhanden. Dem Echogramm 
yurden automatisch Zeiten und Koordinaten zu- 
geordnet. Es diente bei der späteren Auswertung 
(Konstruktion von Tiefenlinien) zur Interpretation und 
Kontrolle. In einigen Gebieten wurde noch lange auf 
die Registrierung digitaler Tiefen verzichtet, da die 
herkömmliche halbautomatische Digitalisierung des 
Echogramms effektiver war. Zuletzt wurde auch die 
Beschickung der Tiefen auf ein digitales Verfahren 
umgestellt. 
Das Seekartenwerk, Seehandbücher und andere 
nautische Veröffentlichungen des DHI 
Aus dem Marinekommando Kaufbeuren wurde am 
17. Juni 1945 das „German Naval Chart Establish- 
ment“, das Ende 1945 in das neu gegründete Deut- 
sche Hydrographische Institut eingegliedert wurde, 
Am 4. Mai 1946 trafen aus dem zum Kriegsende hin 
nach Kaufbeuren ausgelagerten Seekartenwerk 
34 Waggons mit den Kupferplatten und Maschinen- 
druckplatten von 1050 Seekarten nebst allem Zube- 
16r an Unterlagen und Geräten in Hamburg ein. 
Jank der 1944 vorgenommenen Verlagerung dieser 
Jnterlagen von Berlin in die idyllische Kleinstadt 
:m Allgäu hatte es keine Substanzverluste durch 
Kriegseinwirkungen gegeben. Von Beginn an stand 
auch das notwendige technische Fachpersonal 
zur Verfügung, das auf Veranlassung der Alliierten 
Kontrollkommission aus der Kriegsgefangenschaft 
entlassen wurde. Die Gruppe „Kartographie“, aus 
der sich das heutige Referat „Nautischer Informa- 
tionsdienst“ entwickelt hat, bestand im Mai 1946 
aus 12 Kartographen. 
Der Wiederaufbau des zunächst noch gesamtdeut- 
schen Seekartenwerkes erstreckte sich zunächst 
laut Anordnung der Besatzungsmächte hauptsäch- 
'ich auf die Gebiete Ostsee, Nordsee und Gewässe: 
zwischen Ostsee und Nordsee. Zu diesem Zeitpunkt 
wurden aus dem Vorkriegsbestand der 1050 See: 
«arten nur die Seekarten dieser Gebiete aktuell 
vorgehalten. 
In den folgenden Jahren der deutschen Teilung 
entwickelte sich das Seekartenwerk des DHI konti- 
quierlich weiter; neue Karten kamen hinzu, Karten 
mit Kupferstichbild wurden eingezogen. Die Karten 
wurden durch die Ablösung des Kupferstichs durcr 
den Offsetdruck farbiger, übersichtlicher und aktu- 
aller. Mit einem Stand von 931 Karten deckte das 
Seekartenwerk im Jahre 1963 die zu bearbeitenden 
Gebiete fast weltweit ab. Eine komplette globale 
Überdeckung durch die Ausdehnung auf Gebiete, 
die bisher nicht kartiert waren (z.B. Australien, 
Inselgruppen im Stillen Ozean), wurde jedoch aus 
wirtschaftlichen Erwägungen nicht angestrebt. Statt 
dessen konzentrierte man sich auf die nutzerorien- 
tierte Pflege des Bestandes. In den folgenden 
Jahren wurden innerhalb des kartierten Gebietes 
neue Karten mit geändertem Maßstab und Blatt- 
schnitt entsprechend dem Bedarf der deutschen 
Schifffahrt herausgegeben. Nicht mehr zeitgemäße
	        
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