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Full text: 150 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 2011

Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe / 33 
3ei der Vermessung des Meeresbodens kommen 
raditionell Schiffe oder Boote zum Einsatz. Von 
dieser mobilen Vermessungsplattform aus werden 
die eigene Position und die darunter liegende Tiefe 
in möglichst hoher zeitlicher Abfolge ermittelt. 
Da der Meeresboden von der Oberfläche aus im 
Allgemeinen unsichtbar ist, läuft das Vermessungs: 
schiff vorher festgelegte Profile, die sogenannten 
Lotungslinien ab. Eine besondere Schwierigkeit ist 
die Zuordnung der Messwerte zu einem einheit- 
lichen Bezugshorizont - dem „Seekartennult“. Zur 
Reduktion der gemessenen Wassertiefen um die 
aktuellen Werte der Gezeiten und des Windstaus 
zum Messzeitpunkt auf diesen Bezug werden die 
Wasserstände an einem im Vermessungsgebiet 
gelegenen Pegel registriert und die geloteten Tiefen 
entsprechend beschickt. 
Die klassischen Methoden der Schiffsortbestim- 
MNung sind die aus der Landesvermessung bekann- 
ten Einschneideverfahren, wobei die Doppelwinkel- 
messung mit dem Sextanten (Rückwärtseinschnitt) 
Jesondere Bedeutung erlangt hat. Hierbei werden 
vom fahrenden Schiff aus von zwei Beobachtern 
gleichzeitig in regelmäßigen Zeitabständen die 
Winkel zwischen festen und nach Koordinaten be- 
<annten Punkten an Land (Kirchtürme, Leuchttürme, 
Schornsteine, Baken usw.) gemessen. Diese bereits 
n den Anfängen der amtlichen Hydrographie ge- 
oräuchliche Methode wurde bis in die 1980er-Jahre 
zu Kontrollzwecken angewendet. Die von den Sicht- 
verhältnissen und den Entfernungen zu den Land- 
abjekten abhängige Methode erfuhr erst 1953 durch 
die Einführung des Decca-Funkortungsverfahrens 
sine entscheidende Wandlung. Dieses Hyperbel- 
verfahren wurde zum Auftakt der Anwendung einer 
ganzen Reihe technisch immer weiter verbesserter 
Ortungsverfahren. Nach Erprobung und kurzzei- 
tigem Einsatz des Hydrodist-Verfahrens im Jahre 
1963, bei dem vom Schiff aus zu mindestens zwei 
festen Sendern an Land die Entfernungen mit Hilfe 
alektromagnetischer Wellen gemessen werden und 
der Schiffsort durch Bogenschlag bestimmt wird, 
Seepegel 
Westerland 
nurde ab 1964 das speziell für die Seevermessung 
nstallierte Hi-Fix-Verfahren angewendet. Nach und 
ı1ach wurden an den Küsten der Nord- und Ostsee 
Senderketten eingerichtet, die nach dem Gebiet 
‚hrer Installation benannt wurden: Sylt-, Eider-, Ham- 
aurger-, Jade-, Groninger und Ostseekette. Später 
vurden im Seegebiet um Juist und in der westli- 
zhen Ostsee als Nachfolgesystem für Hi-Fix zwei 
li-Fix/6-Ketten aufgebaut. Daneben wurden ab 
1978 mobile Funkortungsgeräte des Typs Motorola 
Mini-Ranger Ill in solchen Gebieten eingesetzt, in 
denen keine Bedeckung mit Hi-Fix vorhanden oder 
diese zu ungenau war. Im Jahre 1981 beschlossen 
die maßgeblichen Behörden in der Bundesrepublik 
Deutschland und in den Niederlanden, die veralte- 
ten Hi-Fix-Ketten durch eine gemeinsame Funkver- 
nNessungskette des französischen Systems Syledis 
3 der Firma Sercel zu ersetzen. Die Inbetriebnahme 
egann im Außenemsbereich im Jahre 1982; die 
<ette wurde 1983 bis Helgoland erweitert, und in 
den Jahren 1984/85 wurden Sender zur Bedeckung 
des nordfriesischen Küstengebietes installiert. Die 
zrgänzung der Kette durch je einen Sender auf der 
dänischen Insel Romt und der Forschungsplattform 
Nordsee erfolate im Jahre 1986.
	        
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