Zwei nationale hydrographische Dienste - eine Aufgabe / 33
3ei der Vermessung des Meeresbodens kommen
raditionell Schiffe oder Boote zum Einsatz. Von
dieser mobilen Vermessungsplattform aus werden
die eigene Position und die darunter liegende Tiefe
in möglichst hoher zeitlicher Abfolge ermittelt.
Da der Meeresboden von der Oberfläche aus im
Allgemeinen unsichtbar ist, läuft das Vermessungs:
schiff vorher festgelegte Profile, die sogenannten
Lotungslinien ab. Eine besondere Schwierigkeit ist
die Zuordnung der Messwerte zu einem einheit-
lichen Bezugshorizont - dem „Seekartennult“. Zur
Reduktion der gemessenen Wassertiefen um die
aktuellen Werte der Gezeiten und des Windstaus
zum Messzeitpunkt auf diesen Bezug werden die
Wasserstände an einem im Vermessungsgebiet
gelegenen Pegel registriert und die geloteten Tiefen
entsprechend beschickt.
Die klassischen Methoden der Schiffsortbestim-
MNung sind die aus der Landesvermessung bekann-
ten Einschneideverfahren, wobei die Doppelwinkel-
messung mit dem Sextanten (Rückwärtseinschnitt)
Jesondere Bedeutung erlangt hat. Hierbei werden
vom fahrenden Schiff aus von zwei Beobachtern
gleichzeitig in regelmäßigen Zeitabständen die
Winkel zwischen festen und nach Koordinaten be-
<annten Punkten an Land (Kirchtürme, Leuchttürme,
Schornsteine, Baken usw.) gemessen. Diese bereits
n den Anfängen der amtlichen Hydrographie ge-
oräuchliche Methode wurde bis in die 1980er-Jahre
zu Kontrollzwecken angewendet. Die von den Sicht-
verhältnissen und den Entfernungen zu den Land-
abjekten abhängige Methode erfuhr erst 1953 durch
die Einführung des Decca-Funkortungsverfahrens
sine entscheidende Wandlung. Dieses Hyperbel-
verfahren wurde zum Auftakt der Anwendung einer
ganzen Reihe technisch immer weiter verbesserter
Ortungsverfahren. Nach Erprobung und kurzzei-
tigem Einsatz des Hydrodist-Verfahrens im Jahre
1963, bei dem vom Schiff aus zu mindestens zwei
festen Sendern an Land die Entfernungen mit Hilfe
alektromagnetischer Wellen gemessen werden und
der Schiffsort durch Bogenschlag bestimmt wird,
Seepegel
Westerland
nurde ab 1964 das speziell für die Seevermessung
nstallierte Hi-Fix-Verfahren angewendet. Nach und
ı1ach wurden an den Küsten der Nord- und Ostsee
Senderketten eingerichtet, die nach dem Gebiet
‚hrer Installation benannt wurden: Sylt-, Eider-, Ham-
aurger-, Jade-, Groninger und Ostseekette. Später
vurden im Seegebiet um Juist und in der westli-
zhen Ostsee als Nachfolgesystem für Hi-Fix zwei
li-Fix/6-Ketten aufgebaut. Daneben wurden ab
1978 mobile Funkortungsgeräte des Typs Motorola
Mini-Ranger Ill in solchen Gebieten eingesetzt, in
denen keine Bedeckung mit Hi-Fix vorhanden oder
diese zu ungenau war. Im Jahre 1981 beschlossen
die maßgeblichen Behörden in der Bundesrepublik
Deutschland und in den Niederlanden, die veralte-
ten Hi-Fix-Ketten durch eine gemeinsame Funkver-
nNessungskette des französischen Systems Syledis
3 der Firma Sercel zu ersetzen. Die Inbetriebnahme
egann im Außenemsbereich im Jahre 1982; die
<ette wurde 1983 bis Helgoland erweitert, und in
den Jahren 1984/85 wurden Sender zur Bedeckung
des nordfriesischen Küstengebietes installiert. Die
zrgänzung der Kette durch je einen Sender auf der
dänischen Insel Romt und der Forschungsplattform
Nordsee erfolate im Jahre 1986.