Historische Wurzeln | 23
digitalen Bearbeitungswerkzeugen fehlt, So ent-
spricht der auf dem Computerbildschirm lesbare
Text elektronischer Seehandbücher in Inhalt und
Gestaltung zur Zeit im Wesentlichen noch der
gedruckten Vorlage.
Während in Großbritannien bereits im 18. Jahrhun-
dert Seebücher von der Admiralität herausgegeben
wurden, begann der Aufbau des amtlichen deut-
schen Seehandbuchwerks erst mit der Gründung
des Preußischen Hydrographischen Bureaus ir
Jahre 1861. Die Veröffentlichung der ersten Bücher
ließ allerdings auf sich warten, da man den Ehrgeiz
hatte, die Seehandbücher nach eigenem Quellen-
material zu gestalten, anstatt nur Übersetzungen
ausländischer Publikationen zu liefern. Aus der
allmählich anwachsenden Materialsammlung, die
sich vornehmlich aus Berichten von Kriegs- und
Handelsschiffen und —- an der deutschen Küste —
aus Mitteilungen der Hafenbehörden und Protokol-
len der Vermessungsfahrzeuge zusammensetzte
entstanden ab 1878 die ersten geschlossenen
Bücher für die Ostsee und die Nordsee, beginnend
mit einer „Segel-Anleitung für die deutsche Küste
des mittleren Teiles der Ostsee“. Die Erweiterung
des amtlichen Seehandbuchwerks ging von da an
zügig vonstatten, wobei sich das Hydrographische
Amt zunächst auf die heimischen und angrenzen-
den Gewässer konzentrierte.
Schon im Jahre 1892 hatte die damals neu einge-
richtete Abteilung V der in Hamburg ansässigen
Deutschen Seewarte damit begonnen, ein Bücher
werk für fremdländische Gewässer aufzubauen,
Aufgrund der Ausdehnung des Seekartenwerks
nach 1902 und der Überlegung, dass Seekarten
Ind Seebücher an derselben Stelle bearbeitet
werden sollten, wurde diese Abteilung 1903 nach
Berlin verlegt. Die Herausgabe aller Seehandbücher
erfolgte von da an durch die amtliche Hydrographie
der Marine. Die Seewarte arbeitete an den See
handbüchern jedoch insofern weiter mit, als sie die
meteorologischen Beiträge für die einzelnen Bände
lieferte und damit eine Aufgabe wahrnahm, die
nach der Auflösung dieses Instituts im Jahre 1945
auf das neu gegründete Seewetteramt überging.
Bereits 1900 umfasste das amtliche Seehandbuch-
werk 22 Bücher (davon sieben von der Seewarte
herausgegeben), bis 1911 wuchs es auf 40 an.
Die schwierigen politischen und finanziellen Verhält
nisse in Deutschland während der Jahre nach dem
Ersten Weltkrieg wirkten sich auch nachteilig auf die
Arbeit im nautisch-hydrographischen Bereich aus.
Nach mühevollen Vorarbeiten und der Überwindung
personeller Engpässe gelang es 1930, die Erneue-
rung und den Ausbau des Seehandbuchwerks nacr
einem festen Plan sicherzustellen, Offensichtlich ge-
riet man jedoch bei der Verwirklichung in Zeitnot,
denn es musste nun von dem früheren Grundsatz
abgewichen werden, die Seehandbücher nach einer
eigenen Konzeption weiterzuentwickeln: Etliche der
in dieser Zeit neu herausgegebenen Bücher waren
in großen Teilen fast reine Übersetzungen der ent-
sprechenden britischen Publikationen. Immerhin
wurde aber das Seehandbuchwerk in etwa zehn
Jahren in wesentlichen Bestandteilen erneuert und
bis 1939 auf insgesamt 51 Bände erweitert.
Die Art der laufenden Berichtigung der Seehand-
bücher hat vielfach gewechselt. Seit Anfang 1911
erschienen für jedes Buch Jährliche Ergänzungen,
die eine Sammlung aller in den „Nachrichten für
Seefahrer“ veröffentlichten Berichtigungen des
letzten Jahres enthielten. Zusätzlich gab man bei
Bedarf ausführlichere Nachträge heraus. Als an-
zustrebende Laufzeit für die Auflage eines Buches
waren etwa zehn Jahre geplant. Nach dem Ersten
Weltkrieg wurde auf die Ergänzungen verzichtet; es
erschienen zu jedem Buch jährlich am 31. Dezem-
ber abgeschlossene Nachträge.