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Historische Wurzeln
3.3 Das deutsche Seekartenwerk seit dem 19. Jahrhundert bis 1945
ım Jahr 1853 hatte Oldenburg an Preußen ein
Gebiet am Jadebusen zur Anlage des Kriegshafens
‘Wilhelmshaven abgetreten. Da von der Jade weder
sine Karte noch Vermessungen vorlagen, war es die
erste Sorge der jungen Königlichen Marine, diesem
Mangel abzuhelfen. Sie führte zunächst in den Jah-
ren 1855-1857 eine Vermessung nicht nur der Jade-,
sondern auch der Weser- und Elbmündungen aus.
Auf Grund des so gewonnenen Materials bearbeitete
Jnd veröffentlichte dann die Königlich-Preußische
Admiralität in den Jahren 1858-1859 den ersten
oreußischen „Seeatlas der Jade-, Weser- und Eider-
nNündungen“. Er bestand aus einer Übersichtskarte
m Maßstab 1: 100000 und 6 Blättern im Maßstab
1:50000. Diese Karten waren in Stein graviert; ihr
Vertrieb wurde der Firma Dietrich Reimer in Berlin
übertragen, die fortan den Vertrieb der Deutschen
Admiralitätskarten besorgte. Zu diesen Karten kamen
m Jahre 1862 noch eine Karte der japanischen
Yeddo-Bucht und 5 Blätter mit Küstenansichten von
Japan bis Kapstadt und St. Helena hinzu, die wäh-
end der Ostasiatischen Expedition die ARCONA
von Offizieren dieses Schiffes aufgenommen worden
waren. Außerdem gab es noch 4 Karten von Ame-
and bis zur Elbe, herausgegeben von der Königli-
chen Generaldirektion des Wasserbaues in Hannover
von 1859-1863.
Nach sieben Jahren Vorlaufzeit gab das Hydrogra-
pohische Bureau dann 1868 die ersten preußischen
Admiralitätskarten für die heimischen Gewässer
1eraus. Das Aufgabengebiet des Hydrographischen
3ureaus erweiterte sich erheblich, als nach dem
<riege von 1866 Schleswig-Holstein und Hannover
an Preußen fielen. Zunächst nur auf die Seekarten
der deutschen Küsten und der Zufahrtsstraßen zu
den deutschen Häfen beschränkt, dehnte es seine
Tätigkeit mit dem Aufschwung der deutschen Schiff-
fahrt seit 1870 und mit dem Erwerb der Schutzge-
biete (Kolonien) auch auf andere Seeräume aus.
Die durch den Krieg von 1870/71 unterbrochenen
xartographischen und hydroaraphischen Arbeiten
wurden 1872 wieder aufgenommen. Um die Karten
Ind Bücher auf dem Laufenden halten zu können,
war es notwendig, alle für die Schifffahrt wichtigen
Angaben gesammelt als „Nachrichten für See-
’ahrer“ zu veröffentlichen, die 1869 erstmals er-
schienen. Im Juni 1875 erfolgte die Berufung des
rachkartographen A. Welcker. Prägend für das
antstehende deutsche Seekartenwerk war die
=ntscheidung, anstelle des im letzten Jahrzehnt be-
vorzugten lithographischen Verfahrens wieder den
Xupferstich und den Originalkupferdruck einzufüh-
’en. Bis 1885 bestand das kartographische Per-
3onal neben Welcker als leitendem Kartographer
ediglich aus vier weiteren Fachkräften. Aus dem
-Aydrographischen Bureau wurde 1879 das „Hydro-
Jraphische Amt der Admiralität“. 1893 erfolgte die
Änderung der Bezeichnung in „Nautische Abteilung
des Reichs-Marine-Amts“.
Bis 1882 waren die notwendigsten deutschen
Seekarten der Ostsee mit dem Sund und den
Belten, der Nordsee und eine Übersichtskarte des
Englischen Kanals - im ganzen 44 Seekarten —
arschienen. In den Jahren 1891 bis 1898 wurden
von der Marine Vermessungen an den Küsten des
ostafrikanischen Schutzgebietes und Kameruns, im
3ismarck-Archipel und Kaiser-Wilhelm-Land sowie
an der Küste Deutsch-Südwestafrikas ausgeführt.
Die Kartierung des eingehenden Vermessungsma-
erials erforderte eine Vermehrung des kartographi-
3chen Personals, das infolgedessen in den Jahren
893 bis 1895 auf neun, 1896 auf elf erhöht wurde
Das kartographische Ergebnis der Vermessungs-
arbeiten waren 9 neue Seekarten der westafrikani-
schen Küsten, 8 Karten der Küsten des Bismarck-
Archipels und des Kaiser-Wilhelm-Landes und
/i\erzehn Karten von Deutsch-Ostafrika. Nach dem
de Welckers lag die technische Leitung der kar-
'ographischen Veröffentlichungen der Nautischen
Abteilung von 1888 bis 1899 in den Händen des
Kxartographischen Dirigenten Mayr, der besonders
auf die Seekarten der deutschen Schutzgebiete