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Full text: 150 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 2011

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Historische Wurzeln 
3.3 Das deutsche Seekartenwerk seit dem 19. Jahrhundert bis 1945 
ım Jahr 1853 hatte Oldenburg an Preußen ein 
Gebiet am Jadebusen zur Anlage des Kriegshafens 
‘Wilhelmshaven abgetreten. Da von der Jade weder 
sine Karte noch Vermessungen vorlagen, war es die 
erste Sorge der jungen Königlichen Marine, diesem 
Mangel abzuhelfen. Sie führte zunächst in den Jah- 
ren 1855-1857 eine Vermessung nicht nur der Jade-, 
sondern auch der Weser- und Elbmündungen aus. 
Auf Grund des so gewonnenen Materials bearbeitete 
Jnd veröffentlichte dann die Königlich-Preußische 
Admiralität in den Jahren 1858-1859 den ersten 
oreußischen „Seeatlas der Jade-, Weser- und Eider- 
nNündungen“. Er bestand aus einer Übersichtskarte 
m Maßstab 1: 100000 und 6 Blättern im Maßstab 
1:50000. Diese Karten waren in Stein graviert; ihr 
Vertrieb wurde der Firma Dietrich Reimer in Berlin 
übertragen, die fortan den Vertrieb der Deutschen 
Admiralitätskarten besorgte. Zu diesen Karten kamen 
m Jahre 1862 noch eine Karte der japanischen 
Yeddo-Bucht und 5 Blätter mit Küstenansichten von 
Japan bis Kapstadt und St. Helena hinzu, die wäh- 
end der Ostasiatischen Expedition die ARCONA 
von Offizieren dieses Schiffes aufgenommen worden 
waren. Außerdem gab es noch 4 Karten von Ame- 
and bis zur Elbe, herausgegeben von der Königli- 
chen Generaldirektion des Wasserbaues in Hannover 
von 1859-1863. 
Nach sieben Jahren Vorlaufzeit gab das Hydrogra- 
pohische Bureau dann 1868 die ersten preußischen 
Admiralitätskarten für die heimischen Gewässer 
1eraus. Das Aufgabengebiet des Hydrographischen 
3ureaus erweiterte sich erheblich, als nach dem 
<riege von 1866 Schleswig-Holstein und Hannover 
an Preußen fielen. Zunächst nur auf die Seekarten 
der deutschen Küsten und der Zufahrtsstraßen zu 
den deutschen Häfen beschränkt, dehnte es seine 
Tätigkeit mit dem Aufschwung der deutschen Schiff- 
fahrt seit 1870 und mit dem Erwerb der Schutzge- 
biete (Kolonien) auch auf andere Seeräume aus. 
Die durch den Krieg von 1870/71 unterbrochenen 
xartographischen und hydroaraphischen Arbeiten 
wurden 1872 wieder aufgenommen. Um die Karten 
Ind Bücher auf dem Laufenden halten zu können, 
war es notwendig, alle für die Schifffahrt wichtigen 
Angaben gesammelt als „Nachrichten für See- 
’ahrer“ zu veröffentlichen, die 1869 erstmals er- 
schienen. Im Juni 1875 erfolgte die Berufung des 
rachkartographen A. Welcker. Prägend für das 
antstehende deutsche Seekartenwerk war die 
=ntscheidung, anstelle des im letzten Jahrzehnt be- 
vorzugten lithographischen Verfahrens wieder den 
Xupferstich und den Originalkupferdruck einzufüh- 
’en. Bis 1885 bestand das kartographische Per- 
3onal neben Welcker als leitendem Kartographer 
ediglich aus vier weiteren Fachkräften. Aus dem 
-Aydrographischen Bureau wurde 1879 das „Hydro- 
Jraphische Amt der Admiralität“. 1893 erfolgte die 
Änderung der Bezeichnung in „Nautische Abteilung 
des Reichs-Marine-Amts“. 
Bis 1882 waren die notwendigsten deutschen 
Seekarten der Ostsee mit dem Sund und den 
Belten, der Nordsee und eine Übersichtskarte des 
Englischen Kanals - im ganzen 44 Seekarten — 
arschienen. In den Jahren 1891 bis 1898 wurden 
von der Marine Vermessungen an den Küsten des 
ostafrikanischen Schutzgebietes und Kameruns, im 
3ismarck-Archipel und Kaiser-Wilhelm-Land sowie 
an der Küste Deutsch-Südwestafrikas ausgeführt. 
Die Kartierung des eingehenden Vermessungsma- 
erials erforderte eine Vermehrung des kartographi- 
3chen Personals, das infolgedessen in den Jahren 
893 bis 1895 auf neun, 1896 auf elf erhöht wurde 
Das kartographische Ergebnis der Vermessungs- 
arbeiten waren 9 neue Seekarten der westafrikani- 
schen Küsten, 8 Karten der Küsten des Bismarck- 
Archipels und des Kaiser-Wilhelm-Landes und 
/i\erzehn Karten von Deutsch-Ostafrika. Nach dem 
de Welckers lag die technische Leitung der kar- 
'ographischen Veröffentlichungen der Nautischen 
Abteilung von 1888 bis 1899 in den Händen des 
Kxartographischen Dirigenten Mayr, der besonders 
auf die Seekarten der deutschen Schutzgebiete
	        
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