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| Historische Wurzeln
Die Vermessungen von 1884 bis zum Ausbruch
des Ersten Weltkrieges
Die Forderung der Marine nach genaueren Karten
war in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts immer
stärker geworden. Es wurde verlangt, dass die
‚lachgehenden Kanonen- und Torpedoboote auch
außerhalb der bekannten Fahrwasser ohne Lotsen-
hilfe navigieren konnten. Die vorhandenen Vermes-
sungen dieser Gebiete beruhten jedoch auf dem
recht veralteten Grundlagenmaterial der Landes-
vermessung und entsprachen den Anforderungen
nicht. Vom Jahr 1884 ab wurden daher einheitliche
Grundsätze für die Vermessung der heimischen
Gewässer aufgestellt. In der Ostsee wurden jetzt
die östlichen Teile völlig neu vermessen. Es wurden
Kontrollvermessungen vorgesehen, nach denen
dasselbe Gebiet etwa alle acht bis zehn Jahre neu
aufzunehmen war.
In der Nordsee, deren engere Küstenfahrwasser
ständigen Änderungen unterworfen waren, begann
man mit Neu- und jährlich sich wiederholenden
Kontrollvermessungen. Als besonders vorteilhaft
erwies sich der Einsatz von kleinen, mit einer Besat-
zung von 13 Mann ausgestatteten Peilbooten, mit
deren Bau im Jahre 1888 begonnen worden war. Ihr
Einsatz wurde ab 1893 von den neugeschaffenen
Küstenbezirksämtern lokal geleitet. Die Zahl der
Peilboote stieg bis zum Jahre 1904 auf 7 Einheiten.
Kanonenboat MÖWE
Außerdem wurden für Vermessungszwecke neuge-
rüstete Kanonenboote und das gecharterte Han-
delsschiff „National“ eingesetzt. Für die Ausbildung
des benötigten Personals wurde im Jahre 1903 eine
Vermessungskompanie bei der 1. Matrosendivision
n Kiel gebildet.
‘n den Jahren 1885 bis 1914 führten die Vermes-
sungsschiffe GRILLE, DRACHE, POMMERANIA,
ALBATROSS, NAUTILUS, HYÄNE, MÖWE, die Peil-
boote 1, III, IV, V, VI, VII und der Vermessungsdamp-
‚er NATIONAL Vermessungen in der Ost- und Nord-
see aus. Dabei wurde in der Ostsee eine Fläche
von 58927 km? und in der Nordsee von 46 482 km?
ausgelotet.
Die Vermessungen zwischen 1914 und 1945
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden alle
Vermessungsarbeiten zunächst unterbrochen und
die Vermessungsschiffe vorläufig außer Dienst
gestellt. Das Vermessungspersonal wurde wegen
seiner seemännischen Ausbildung und navigatori-
schen Spezialkenntnisse zum Dienst in der Marine
eingezogen. Die Ausdehnung der Operationen auf
'remde Gewässer machte jedoch schon im zweiten
Kriegsjahr die Bildung neuer Vermessungsgrupper
und Indienststellung besonderer Fahrzeuge nötig.
ın den heimischen Gewässern wurden Kontrollver-
messungen verschiedener Gebietsteile in der Noro-
und Ostsee ausgeführt. An der Küste von Flandern
nat eine kleine Vermessungsabteilung die Einfahrten
nach Zeebrügge und Ostende mehrfach kontrolliert.
Von 1915 an war ein Peilboot ständig an der Küste
von Kurland mit Revisionsvermessungen und Neu-
aufnahmen der dortigen Häfen und Flussmündungen
oeschäftigt. Die HYÄNE hat im Jahre 1918 eine
Neuvermessung des Hafens und der Bucht Arens-
burg auf der Insel Ösel ausgeführt; ein Peilboot hat
kleinere lokale Vermessungen im Gebiet der Alands-
‚nseln vorgenommen.
Eine besonders sorgfältig ausgerüstete Einheit
wurde für eine beabsichtigte genaue Aufnahme der
Donau nach Budapest geschickt: sie hat später die