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Full text: 150 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 2011

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| Historische Wurzeln 
Die Vermessungen von 1884 bis zum Ausbruch 
des Ersten Weltkrieges 
Die Forderung der Marine nach genaueren Karten 
war in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts immer 
stärker geworden. Es wurde verlangt, dass die 
‚lachgehenden Kanonen- und Torpedoboote auch 
außerhalb der bekannten Fahrwasser ohne Lotsen- 
hilfe navigieren konnten. Die vorhandenen Vermes- 
sungen dieser Gebiete beruhten jedoch auf dem 
recht veralteten Grundlagenmaterial der Landes- 
vermessung und entsprachen den Anforderungen 
nicht. Vom Jahr 1884 ab wurden daher einheitliche 
Grundsätze für die Vermessung der heimischen 
Gewässer aufgestellt. In der Ostsee wurden jetzt 
die östlichen Teile völlig neu vermessen. Es wurden 
Kontrollvermessungen vorgesehen, nach denen 
dasselbe Gebiet etwa alle acht bis zehn Jahre neu 
aufzunehmen war. 
In der Nordsee, deren engere Küstenfahrwasser 
ständigen Änderungen unterworfen waren, begann 
man mit Neu- und jährlich sich wiederholenden 
Kontrollvermessungen. Als besonders vorteilhaft 
erwies sich der Einsatz von kleinen, mit einer Besat- 
zung von 13 Mann ausgestatteten Peilbooten, mit 
deren Bau im Jahre 1888 begonnen worden war. Ihr 
Einsatz wurde ab 1893 von den neugeschaffenen 
Küstenbezirksämtern lokal geleitet. Die Zahl der 
Peilboote stieg bis zum Jahre 1904 auf 7 Einheiten. 
Kanonenboat MÖWE 
Außerdem wurden für Vermessungszwecke neuge- 
rüstete Kanonenboote und das gecharterte Han- 
delsschiff „National“ eingesetzt. Für die Ausbildung 
des benötigten Personals wurde im Jahre 1903 eine 
Vermessungskompanie bei der 1. Matrosendivision 
n Kiel gebildet. 
‘n den Jahren 1885 bis 1914 führten die Vermes- 
sungsschiffe GRILLE, DRACHE, POMMERANIA, 
ALBATROSS, NAUTILUS, HYÄNE, MÖWE, die Peil- 
boote 1, III, IV, V, VI, VII und der Vermessungsdamp- 
‚er NATIONAL Vermessungen in der Ost- und Nord- 
see aus. Dabei wurde in der Ostsee eine Fläche 
von 58927 km? und in der Nordsee von 46 482 km? 
ausgelotet. 
Die Vermessungen zwischen 1914 und 1945 
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden alle 
Vermessungsarbeiten zunächst unterbrochen und 
die Vermessungsschiffe vorläufig außer Dienst 
gestellt. Das Vermessungspersonal wurde wegen 
seiner seemännischen Ausbildung und navigatori- 
schen Spezialkenntnisse zum Dienst in der Marine 
eingezogen. Die Ausdehnung der Operationen auf 
'remde Gewässer machte jedoch schon im zweiten 
Kriegsjahr die Bildung neuer Vermessungsgrupper 
und Indienststellung besonderer Fahrzeuge nötig. 
ın den heimischen Gewässern wurden Kontrollver- 
messungen verschiedener Gebietsteile in der Noro- 
und Ostsee ausgeführt. An der Küste von Flandern 
nat eine kleine Vermessungsabteilung die Einfahrten 
nach Zeebrügge und Ostende mehrfach kontrolliert. 
Von 1915 an war ein Peilboot ständig an der Küste 
von Kurland mit Revisionsvermessungen und Neu- 
aufnahmen der dortigen Häfen und Flussmündungen 
oeschäftigt. Die HYÄNE hat im Jahre 1918 eine 
Neuvermessung des Hafens und der Bucht Arens- 
burg auf der Insel Ösel ausgeführt; ein Peilboot hat 
kleinere lokale Vermessungen im Gebiet der Alands- 
‚nseln vorgenommen. 
Eine besonders sorgfältig ausgerüstete Einheit 
wurde für eine beabsichtigte genaue Aufnahme der 
Donau nach Budapest geschickt: sie hat später die
	        
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