10 | Historische Wurzeln
3.1 Amtliche deutsche Hydrographie vom 19. Jahrhundert bis 1945
Die Bezeichnung und auch die Zugehörigkeit der
1861 gegründeten Dienststelle hat sich in den
anderthalb Jahrhunderten mehrfach geändert. Aus
dem Hydrographischen Bureau wurde 1879 das Hv-
drographische Amt, 1893 die Nautische Abteilung
und 1908 das Nautische Departement des Reichs-
marineamtes. 1920 war es als nautische Abteilung
der Marineleitung unterstellt, ab 1935 gehörte
es zum Oberkommando der Kriegsmarine. 1939
nannte es sich Amtsgruppe Nautik des Marinekom
mandoamtes bzw. 1941 der Seekriegsleitung. Mit
der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht 1945
endete auch die Arbeit der Amtsgruppe Nautik.
In der geopolitischen Neuordnung der Welt hatte
seit dem Zeitalter der großen Entdeckungen die
Seeschifffahrt die entscheidende Rolle gespielt.
Verlässliche Informationen über die anzutreffender
SÖrtlichen Schifffahrtsverhältnisse waren deshalb
von hohem wirtschaftlichen, aber vor allem auch
militärisch-strategischen Wert. So verwundert es
nicht, dass die Hydrographie in allen Seefahrts-
nationen ausnahmslos von der Marine wahrge-
nommen wurde, Bedingt durch staatliche Zersplit
terung Deutschlands hatte sich hier bis zur Mitte
des 19. Jahrhunderts keine einheitlich wirkende
Hydrographie entwickeln können. Als 1861 durch
„Allerhöchste Kabinetts-Order“ das „Hydrographi-
sche Bureau“ beim Preußischen Marine-Ministerium
errichtet und ihm u. a. die Anfertigung, Berichtigung
und Beschaffung von Seekarten übertragen wurde.
begann die amtliche deutsche Hydrographie beim
Stande „Null“. Zwar hatte man sich die Qualität
der damals schon auf hohem Stand befindlichen
britischen und amerikanischen Seekartenwerke
als anzustrebendes Ziel gesetzt. Allein, sowohl die
Organisation als auch das benötigte hochspezia-
lisierte Personal fehlten als Ausgangsbasis — mit
nur einem Kartographen begann es. Anregung und
Rat gab der Hydrograph des Navigationsbüros
ın Washington, der seit 1847 in Amerika lebender
Preuße Ernest R. Knorr. Im Jahre 1868 erschienen
die ersten Karten des Hydrographischen Bureaus,
zwei Spezialkarten der Eider, denen 1869 zwei Kar-
ien der schleswig-holsteinischen Westküste folgten.
Zusammen mit diesen beiden Karten erschien auch
das Seehandbuch „Der Norddeutsche Lotse“, das
allerdings noch als Privatdruck seines Verfassers,
Wilhelm von Freeden, herausgegeben wurde. 1873
erschien das „Verzeichnis der Leuchtfeuer aller
Meere“ in drei Büchern. Die ersten geschlossenen
amtlichen Seehandbücher für die Nordsee und die
Ostsee entstanden ab 1878.
Der Krieg 1870/71 unterbrach die hydrographi-
schen und kartographischen Arbeiten, so dass erst
1882 die notwendigsten 44 deutschen Seekarten
der deutschen Küste der Nordsee, der Ostsee
‘einschl. Sund und Belte) und eine kleinmaßstäbige
Karte des englischen Kanals vorlagen. Angesichts
der Qualität der Karten und aus der Erkenntnis,
dass ein räumlich so eingeengtes Seekartenwerk
die Bedürfnisse der deutschen Schifffahrt nicht
Defriedigen konnte, bewilligte der Reichstag 1902
al
Historische Deutsche Seekarte Nr. 37 —- Neustädter Bucht