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Aus dem Reiseberichte der deutschen. Bark „Hercules*.
der Wind, nordöstlich holend, zu einer flauen Briese ab. An den beiden
folgenden Tagen holte der Wind durch N nach NW, worauf am 3. Oktober in
11,3° S-Br und 173,0° W-Lg bei flauen, zwischen N und WSW malienden
Winden starke Regenschauer auftraten. Auf eine Windstille am Vormittage
des 4. Oktober folgte Nachmittags leichte südöstliche Briese mit starkem Regen,
der bis zum folgenden Morgen anhielt, worauf die Luft bei südsüdöstlichem
Winde am Nachmittage auf klarte. Am Abend sichteten wir mit Sonnenunter
gang die £7ea-Inseln; um 2 h a. m. den 6. Oktober bei leichtem Ostwinde wurde
die Insel Vincennes passirt. Seit dem 30. September war der Fortgang des
Schiffes ein sehr geringer gewesen, aber am 8. und 9. Oktober war derselbe
infolge von Mallungen und Windstillen so gut wie ganz aufgehoben. Am letzt
genannten Tage überschritten wir in 14,3° S-Br den Meridian von 180° und
gingen von westlicher Länge auf östliche über, weshalb das Datum des 10. Ok
tober übersprungen wurde. Hier hatten wir das Glück, dafs der südöstliche
Wind am Abend auffrischte und wir in den nächsten Tagen einen guten Fort
gang erzielen konnten. Dieser dauerte aber nur bis zum 13., an welchem Tage
wir in 18,9° S-Br und 173,5° O-Lg andauernd sehr leichte Briese hatten, welche
uns bis zum 16. Oktober in Sicht der Insel Walpole brachte, woselbst auf
23,0° S-Br und 169,3° O-Lg die polare Grenze des SE-Passatgebiets lag. Hier
hatten wir wieder mehrere Tage mit Mallungen und leichten Winden zu kämpfen.
Nachdem am 18. Oktober die Insel Pines gesichtet war, gelangten wir zwar
mit meistens günstigen, aber ganz flauen Winden, die gelegentlich zur Windstille
abnahmen, und gegen einen hohen südlichen Seegang am 25. Oktober bis nach
28,4° S-Br und 160,9° O-Lg. Jetzt setzte leichte östliche Briese ein, die uns
am Mittage des 26. Oktober bis zur Südspitze der Elisabeth-Untiefe führte. In
der Südostecke der von dem Riff umschlossenen Lagune lag ein gestrandetes
Schiff, dessen Fockmast mit den daran befindlichen beiden Marsraaen und der
Fockraa noch stand, während der abgebrochene Klüverbaum vor dem Bug des
Schiffes hing. Das Wrack schien hinter der grofsen Luke durchgebrochen zu
sein, da an dem Hintertheil desselben nichts zu sehen war. Der übrige Theil
berührte mit der B-B.-Riegelung die Oberfläche des Wassers, welches ganz
ruhig war. Trotz eines scharfen Ausgucks von oben konnte ich kein lebendes
Wesen auf dem Wrack entdecken, auch nicht das laut der Karte in der Lagune
verankerte Rettungsboot nebst Rettungsboje. 1 ) Ich werde meine Wahrnehmungen
in Sydney melden.
Am 27. Oktober hatten wir frischen von NE auf N holenden Wind, der
uns am 28. bis in die Nähe der Küste von Australien führte, wo der günstige
Wind sein Ende erreichte und wir in der folgenden Nacht ein schweres Gewitter
mit südlichem Winde zu bestehen hatten. Am Morgen des 29. Oktober standen
wir eben im Norden von der Broken-\$&\. Nachdem wir den Tag über gegen
leichten südlichen Wind gekreuzt hatten, erhielten wir um 6 Uhr Abends einen
Schleppdampfer, der uns nach einer Reise von 65 Tagen in den Hafen von
Sydney brachte.
t) Siehe auch „South Pacific Ocean Directory“ von Findlay, V. Ausgabe S. 966 und 967.