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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1912.
<t. Wettertelegramme von deutschen Stationen an das Ausland.
Eine Änderung ist nicht zu verzeichnen.
3. Wetterdienst für das Marine-Plugwesen.
Dem Marine-Flug-Detachement in Johannistal wurden seit seinem dortigen
Bestehen, beginnend am 2. X. 12, außer den gedruckten Wetterberichten und tele
graphischen Anzeigen der für die Küste erlassenen Sturmwarnungen regelmäßig
besondere Telegramme zugestellt und zwar: a) abends ein chiffriertes Telegramm,
enthaltend Darlegung der Luftdruckverceilung über Europa und die Witterungsver
hältnisse von Deutschland am Abend nebst einer Prognose für den folgenden Tag;
b) morgens ein Telegramm mit (meist chiffrierter) Prognose für den folgenden Tag,
gelegentlich mit Angaben über besondere Änderungen der Luftdruckverteilung
seit dem Abend; c) Sturmwarnungen für die Gegend von Johannistal.
Der Marine-Fliegerstation in Putzig wurden außer den gedruckten Wetter
berichten die für die Küste von Chlapau bis Memel erlassenen Sturmwarnungen
zugestellt.
4. Versuch mit der funkentelegraphischen Abgabe von täglichen Wetter
berichten und Sturmwarnungen über Nordsee und Ostsee.
Dieser in dem vorjährigen Bericht eingehend dargelegte Versuch ist auch
während des Berichtsjahres fortgeführt worden; es ist nur die Änderung erfolgt,
daß seit Ende August bei der funkentelegraphischen Abgabe von Sturmwarnungen
stets das Wort „Sturmwarnung“ als Anruf vorausgeschickt wird.
c. Normalbeobachtungsstationen und Ergänzungsstation Cuxhaven
der Deutschen Seewarte.
Ein Wechsel der Beobachter und eine Verlegung der Station haben nicht
stattgefunden. In Keitum ist der Beobachter Kapitän Boysen auch im Berichts
jahre beurlaubt gewesen und durch den Landwirt Thamen vertreten worden.
In Wustrow wurden neue Regenmesser (System Hellmann), in Ham
burg ein neuer sehr empfindlicher Thermograph (1° gleich 4 mm) aufgestellt.
d. Sturmwarnungsstellen und Nebenstellen der Deutschen Seewarte.
Nach der Verlegung der Hauptagentur in Bremen, im Juni, werden die
Wetternachrichten dort sowohl bei der Hauptagentur im Verwaltungsgebäude des
Hafen II wie auch im Hafenhause ausgehängt.
Das Feuerschiff „Weser“ wurde im Frühjahr 1912 mit Tagsturmsignalen
ausgerüstet und nimmt seit Juli die von Norddeich funkentelegraphisch für die
Nordsee aufgegebenen Sturmwarnungen auf.
Soweit erforderlich, sind beschädigte Aneroidbarometer durch gute
Instrumente ersetzt worden.
Im Berichtsjahre sind für die Nordsee 47, für die westliche Ostseeküste
ostwärts bis Warnemünde 37, für die mittlere Ostseeküste von Darsser Ort bis
Greifswalder Oie 41, für die Pommersche Küste von Swinemünde bis Karwen 40
und für die östliche Ostseeküste von Chlapau bis Memel 44 Sturmwarnungen
einschließlich der Anweisungen zum Hängenlassen der Sturmsignale (nicht aber
der Anweisungen zum Senken der Signale) erlassen worden. Einschließlich der
Provinzialsturmwarnungsstellen sind im ganzen 6135 Anweisungen zum Hissen
und Hängenlassen von Sturmwarnungen den Sturmwarnungsstellen zugegangen.