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Full text: 51, 1932

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Aus dem Ardiiv der Deutschen Seewarte. — 51. Bd. Nr. 6. 
eines Spezialdienstes. Ersterer hat einen einheitlichen Ausbau erhalten und beliefert die Bezieher regelmä 
ßig, letzterer wird, und zwar abgestellt auf besondere Bedürfnisse, teilweise auch laufend zugestellt, teil 
weise arbeitet er nur in einzelnen Fällen auf Anfrage. 
Als wichtigstes Mittel zur Verbreitung der Wetternachrichten dienen dem allgemeinen Wirtschaftswetter- 
dienst die Wetterkarte und der Wetterbericht. Beide können durch die Post bezogen werden. Neben ihnen 
steht die allgemeine Unterrichtung durch die Presse-Wetterkarte. Ein besonders wirkungsvolles Hilfsmittel ist 
der Rundfunk, dessen Berichte jedesmal rechtzeitig genug kommen, um dem Hörer es zu ermöglichen, den 
Wetternachrichten entsprechende Maßregeln zu treffen. Für den Spezialdienst kommen mannigfache Interes 
senten in Betradit, deren wirtschaftliche Betätigung unter Umständen erheblich von der Wetterlage abhängt. 
Seine Hauptbetätigung besteht in Spezialberatungen, Abgabe von Gutachten und Erteilung von Auskünften. 
Alle sind gebührenpflichtig, sie werden je nach Lage des Bedürfnisses mündlich, schriftlich, telephonisch oder 
telegraphisch übermittelt. Der Dienst arbeitet ununterbrochen und kommt den Interessenten in jeder Weise 
entgegen, So haben in einigen Großstädten, darunter auch Hamburg, die Fernsprediteilnehmer neuerdings die 
Möglidikeit, sidi telephonisch amtliche Auskünfte über die Wetteraussichten des kommenden Tages einzuho 
len. Von li h an kann man sich in Hamburg gegen Berechnung der Ortsgesprächsgebühr und einer Zusprech 
gebühr von 20 Reichspfennig auf Anruf die amtliche Wettervorhersage durchsagen lassen. 
In die Zusprechgebühr von 0,20 RM., die die Gebühr für die erteilte Auskunft darstellen, teilen sich die 
Post und die Wetterdienststelle, die die Prognose auf gestellt und dem Fernsprechamt übermittelt hat. Jede 
Partei erhält die Hälfte. Diese Einrichtung erfreut sich auf Grund ihrer Billigkeit bereits großer Beliebtheit 
beim Publikum. Im Durchschnitt erfolgen z. B. in Hamburg monatlich 500 Anrufe dieser Art, die sich beson 
ders zur Reisezeit und zur Zeit des Wintersports, vor allem aber an den Vorabenden vor Feiertagen häufen. 
a) Der landwirtschaftliche Betrieb hängt mehr als jedes andere Gewerbe von den Naturkräften ab. Vom 
Witterungsverlauf ist das Gedeihen und Ernten der angebauten Pflanzen abhängig, das Klima entscheidet 
über die Rentabilität seiner Unternehmungen. Der Landwirt, der rationell wirtschaften, der Kostenaufwand 
und Ertrag in ein möglichst günstiges Verhältnis bringen will, muß sich daher in seinen Plänen und Arbeiten 
nach der Witterung richten, er muß vor allem in der Aufstellung des allgemeinen Arbeitsplanes für seine 
Wirtschaft diejenigen Witterungsfaktoren berücksichtigen, welche die Besonderheiten des Klimas seines 
Wohnortes ausmachen. Zum andern muß er sich auch in seinen täglichen Dispositionen nicht nur nach dem 
vergangenen und augenblicklichen Wetter richten, sondern er muß sich auch schon, bevor er die Arbeit für 
die nächste Zeit verteilt, darüber klar zu werden suchen, wie das Wetter sich wohl in dieser kommenden Ar 
beitszeit gestalten dürfte. 
Die Unterlagen dafür bietet in ausgiebigstem Maße der Wirtschafts Wetterdienst, der es dem Landwirt 
hinreichend ermöglicht, die Witterungsverhältnisse seinen Unternehmungen nutzbar zu machen, zum minde 
sten sich gegen Schaden, der aus ihrer Wirksamkeit resultiert, zu schützen. Grundbedingung dabei aber ist, 
daß der einzelne Landwirt auch seinerseits denWitterungsverlauf seiner Gegend, in einigen Beziehungen we 
nigstens, mit beobachtet. Nur dann kann er an Hand der allgemeinen Wetternachrichten, die ja nur für einen 
größeren Bezirk bestimmt sein können, beurteilen, wie sich die Verhältnisse bei ihm in seiner engeren Um 
gebung gestalten werden. 
Reichen die allgemeinen Nachrichten und die eigene Erkenntnis nicht aus, so ist der Wetterdienst jeder 
zeit bereit, in besonders gelagerten Fällen spezielle Beratung und Auskunft zu erteilen. Die Beanspruchung 
des Spezialdienstes dürfte vor allem geboten sein bei der Frage, ob das örtliche Klima das hervorbringen kann 
und ungefährdet bis zur Reife gedeihen läßt, was man erzeugen will, oder ob man lieber was anderes pflanzen 
soll. Eine derartige Entscheidung fällt heute bei der deutschen Landwirtschaft umso mehr ins Gewicht, als 
durch Intensivierung des Getreidebaues keine nennenswerte Hilfe mehr zu erlangen, sondern nur durch mög 
lichst weitgehende Umstellung eine Erhöhung der Rentabilität zu erwarten ist. 
Normalerweise dürften für den landwirtschaftlichen Betrieb die allgemeinen Wetternachrichten aber ge 
nügen. Durch verständnisvollen Verfolg einer täglichen Wetterkarte ist eine klare Übersicht der Wetterlage 
zu erreichen, und diese klare Übersicht ermöglicht auch ein Verständnis für die Witterung des Tages und 
eine Voraussicht auf das kommende Wetter. Damit kann bei richtiger Disposition über die Verteilung der 
landwirtschaftlichen Arbeit nicht nur viel Zeitverlust und vergeblicher Aufwand — also direkte Kosten — 
erspart, sondern es können auch in der Erntezeit große Mengen von Heu, Getreide und sonstige Feldfrüchte 
gerettet oder in weitaus besserer Qualität eingebracht, also positive Betriebsgewinne durch Ausnutzung der 
Wetterkunde gemacht werden.
	        
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