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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte —- 1894 No. 3 —
Dass dies letztere auch beim dritten Falle stattfinden muss, wo man beide Beobachtungen nach
Regel II mit einer und derselben gegissten Länge reduzirt, ist ohne weiteres einleuchtend.
Somit können für die Ermittelung der Breite und Länge des Schiffsortes nur die beiden Fälle in Be
tracht kommen, dass entweder die beiden berechneten angenäherten Oerter auf demselben Breitenparallel
oder auf demselben Meridian liegen. Die Rechnung gestaltet sich für diese beiden Fälle folgendermaassen:
a) Die beiden angenäherten Oerter liegen auf demselben Breitenparallele. In nebenstehender Figur 7
sei A der angenommene Ort der ersten, B derjenige der zweiten Standlinie, so ist AB der Längenunter
schied (Lg ZJ) derselben. Es kommt nun darauf an, die Korrektionen der Breite und der Länge zu finden,
welche an die Breite und Länge eines angenäherten Ortes anzubrin
gen sind, um die Breite und Länge des Schiffsortes S, des Schnitt
punktes der Standlinien, zu erhalten. Im folgenden soll die.Korrek-
tion der Breite stets mit x, diejenigen der Länge mit y bezeichnet
werden.
Nennt man die beiden aus Tafel I entnommenen, einem Breiten
unterschiede von 1' entsprechenden Längenunterschiede dl x und dl.,,
so ist, da /L Sah s\n SAB,
x: 1
Lg U: (dl i + dl 2 )
Lg TT
dl x -f- iif
y : dl x — x : 1
x =
und hiernach
y = x . dl x
Die Breitenkorrektion x sowie die Längenkorrektion y sind an die Breite und Länge von A anzubringen.
Es mag hier bemerkt werden, dass man die Länge auch auf den anderen Ort B hätte beziehen können.
In der Praxis empfiehlt es sich, den angenäherten Ort derjenigen Standlinie zu wählen, zu deren Gestirn ein
Azimut gehört, welches am nächsten bei 90° liegt, weil dann erstens dl sich aus Tafel I leichter interpoliren
lässt und zweitens dieser Faktor so klein ist, dass eine etwaige Ungenauigkeit in x einen geringeren Einfluss
auf y ausübt.
Ueber die Frage, mit welchem Vorzeichen die Korrektionen x und y anzubringen sind, giebt am zweck-
mässigsten eine kleine, nach Augenmaass angefertigte, orientirende Figur Aufschluss. Zu ihrer Anfertigung
zeichnet man zunächst die beiden angenäherten Oerter A und B auf demselben
Breitenparallel ein (A gehört zur ersten, B zur zweiten Höhe) und zieht durch diese
Punkte Lothe zu den wahren xizimuten. Der Schnittpunkt derselben ist der Schiffs
ort S, von welchem man sofort erkennt, ob derselbe nördlicher oder südlicher
und ebenso ob er östlicher oder westlicher als A resp. B liegt.
Zusatz. Die Formel zur Berechnung von x erleidet eine Modifikation, wenn,
wie in Fig. 8 deutlich gemacht, die beiden Standlinien in demselben Quadranten liegen.
Bezeichnet man in der Figur die entsprechenden Punkte mit demselben Buchstaben,
wie in Fig. 7, sodass insbesondere auch hier Sr — 1', ar = dl v Ir — dl 2 , SR = x
und BR = y ist, so ist
x : 1 = LgTJ \ (dl x —dl. 2 )
Lg TJ
X dl x —dl,
b) Die beiden angenälierten Oerter liegen auf demselben
Meridian. Bezeichnet man wieder den angenäherten Ort der ersten
Standlinie mit A, denjenigen der zweiten mit B, so ist der Breiten
unterschied AB (BU) bekannt. In diesem Falle berechnet man
nun zunächst die Korrektion für Länge y. Dieselbe ergiebt sich,
wenn man die nach Tafel II gefundenen, einem Längenunter
schiede von 1' entsprechendem Breitenunterschiede mit db x und
db 2 bezeichnet, aus folgender Proportion: