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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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Der Windstille folgte eine Drehung des Windes nach West, der Wind 
verstärkte sich allmälig und erst nach 15 Minuten brach der Sturm aus dieser 
Richtung wieder los. Die Windrichtung vor dem Eintreten der Windstille war 
in allen auf den Schiffen beobachteten Fällen NE bis Ost, nach Vorübergang 
derselben WSW bis West. 
Aus allen Schiffsbeobachtungen und aus den Aufzeichnungen einiger der 
meteorologischen Stationen auf dem Festlande ergiebt sich, dass in dem ersten 
Theile der Sturmbahn die Windrichtung durchschnittlich einen Winkel von 
10.8 Compassstrichen mit der Richtung der Lage des Sturmcentrums machte, 
während nach der früheren Sturmregel dieser Winkel nur 8 Striche betragen 
musste (s. pag. 157 Anm.). 
Nach den Berichten aus den Districten von Balasore und Midnapore, über 
welche das Sturmcentrum hinwegging, war die Westseite des Wirbels viel 
schwächer abgegrenzt als die Ostseite; auch traten die grössten Sturmstärken 
sowie die meisten Verluste von Menschenleben und Eigenthum auf der Westseite 
des Sturmwirbels ein.*) Ferner ist bemerkenswerth, dass die Heftigkeit des 
Sturmes nicht in unmittelbarer Nähe der centralen Windstille, sondern erst in 
einiger Entfernung von derselben ihr Maximum erreichte, Der Halbmesser des 
Raumes, auf welchem die Cyclone mit zerstörender Kraft auftrat, betrug 
ca. 38 Kilometer. 
Zu Burdwan, das ebenfalls in der Nähe des Sturmcentrums liegt, war der 
Wind anfänglich NE, dann folgte Windstille auf die Dauer einer halben Stunde, 
und hierauf brach der Sturm von SW los. Das Minimum des Luftdrucks war 
am 16. October um 5* 51" a. m. mit 724.9", entsprechend einer Depression 
von 34.3=m, Der Halbmesser des Sturmfeldes war 16 Kilometer, die Geschwin- 
digkeit des Fortschreitens 38'/2 Kilometer die Stunde. Im Distriet von Moorshe- 
dabad nahm der Sturm an Stärke erheblich ab; zu Birhampure war am 16. October 
1» 15“ °p. m. das Barometerminimum 735.8”. Veberall war die Cyclone von 
heftigen Regengüssen begleitet und ein Theil der grossen Verwüstungen wurde 
durch die daher stammenden Ueberschwemmungen verursacht. Im Midnapore- 
Distriet wurden 254” Regen während 24 Stunden angegeben, in Burdwan 
170—210, zu Lalgolah in Moorshedabad sogar 414mm, 
Der Cyclone vom 15—16. October 1874 gingen keine besonderen Wit- 
terungs-Anzeichen voraus. Die Winde waren zu Anfang October im unteren 
Bengalen ungewöhnlich leicht und veränderlich, vom 12. October an nördlich 
und nordöstlich, doch nicht stark. Im Südosten des Bengalischen Meerbusens 
herrschten hingegen strenge westliche Winde und schlechtes Wetter. Die Schiffe 
„Ireshope“ und „Patrie“ fanden auf 6°—13° Nord-Br. starken WSW- und West- 
wind. Die Schwankungen des Luftdruckes waren unbedeutend und ungewöhnlich. 
Selbst zu Saugor-Island zeigte sich das Barometer nicht vor Mitternacht des 
14. October von dem heranrückenden Sturme beeinflusst, als das Centrum des- 
selben nur noch 7.8 Seem. von ihr entfernt war. Zu Calcutta begannen deut- 
liche Aenderungen des Luftdrucks erst am Mittage des 15. October, als das 
Centrum 86 Seem. entfernt war und erst 10—12 Stunden vor dessen grösster 
Annäherung. 
Die Vertheilung des Luftdrucks über dem Meerbusen von Bengalen war je- 
doch insofern abnorm, als der Luftdruck im Süden höher war als im Norden, während 
sonst um diese Zeit der Luftdruck im Mittel von Norden nach Süden zu abnimmt. 
Der Witterungscharakter zeigte sowohl zu Calcutta als auch auf der Insel 
Saugor jedoch schon früher das Herannahen schlechten Wetters an; besonders 
charakteristisch war das rasche Heraufziehen von Wolkenschichten aus NE und 
ENE in grösserer Höhe, während unten der Wind noch schwach war. Alle 
Sturmanzeigen traten auf der Insel Saugor ungefähr 12 Stunden früher ein, als 
zu Calcutta. Die Regenzeit hatte sich übrigens im Jahre 1874 bis zu Anfang 
October verlängert, aber vom 10. October ab war das Wetter über ganz 
Bengalen hin trocken. 
Die von der Midnapore-Cyelone erzeugte hohe See liess das Niveau des 
Meeres im Diamond-Hafen um 5 Met. steigen. 
*) Auf der Westseite verloren 1896 Menschen das Leben, im Wirbel selbst 609, und auf 
der Ostseite nur 453.
	        
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