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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

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ZN 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1913. 
Durch die schon vorher erwähnte Veränderung der Endkurven der Spirale 
weicht sie wesentlich von der theoretischen Form ab. Es findet daher eine be- 
deutende Schwerpunktsverschiebung während der Unruhschwingung statt, welche 
sich in den verschiedenen senkrechten Lagen verschieden äußert. Hinzu tritt, 
daß durch das Eigengewicht der Spiralfeder ihre Form und somit auch die der 
Endkurven verändert wird. 
Die Unruhe soll stets in genauem Gleichgewicht bleiben. Es müßte daher 
die Spiralfeder allein schuld an dem Schwerpunktsfehler sein. Keine Unruhe 
ist aber ganz genau zentriert, daher wirkt auch sie auf die Veränderung der 
Schwerpunktslage, Die Form der Unruhe wird ebenfalls durch das Eigengewicht, 
wenn auch nur gering, verändert. 
Nach Caspari werden sich z. B. die Unruhklingen sowie die Achse selbst 
ein wenig biegen. Die eine Klinge nähert sich, die andere entfernt sich von der 
Achse. Mithin verschiebt sich der gemeinsame Schwerpunkt nach unten, während 
er sich von der Achse entfernt, Das Trägheitsmoment vergrößert sich um das 
Produkt der ganzen Masse in das Quadrat der Verschiebung. Die Chronometer 
gehen langsamer. 
Nur in dem seltenen Falle kann ein Schnellergehen der Chronometer er- 
zeugt werden, wenn sich durch die Formveränderung der Schwerpunkt der Achse 
nähert. (Siehe Spalten 11 bis 14). 
Nach dem Vorstehenden ist also der Hauptgrund der Gangänderung der 
Chronometer bei einer Neigung die verschiedene Lage des Schwerpunktes der 
Spiralfeder bzw. der Unruhe, Liegt er außerhalb der Achse, so übt er bei den 
verschiedenen Lagen des Instruments einen verschiedenen Einfluß aus, Nach 
der Ansicht des Chronometerfabrikanten Lange-Glashütte, liegt der Hauptgrund, 
falls die Unruhe gut abgewogen ist, in der Spirale, wenn eine Neigung zu Unter- 
schieden in den mittleren Temperaturen vorhanden ist. Sind dagegen bei einer 
Neigung des Zifferblattes in diesen Temperaturen Unterschiede nicht vorhanden, 
nur bei sehr hohen und niederen, so liegt es an dem ungleichen Arbeiten der 
aufgeschnittenen Kompensationsunruhe, wodurch sich eine Schwerpunkts- 
verschiebung in der Unruhe einstellt. 
Ein gutes Chronometer darf, wie die Chronometerwerke-Hamburg meinen, 
in den verschiedenen Stellungen bei 25° Neigung höchstens 6 Sekunden Gang- 
änderung zeigen, sowohl horizontal als in den vier Lagen unter sich, da sonst 
ein regelmäßiger Gang nach den Erfahrungen auf See — woselbst das Chrono- 
meter nicht immer ganz horizontal bzw. so ruhig wie auf dem Observatorium 
steht — ausgeschlossen ist, falls die Aufhängevorrichtung nicht ganz einwand- 
frei arbeitet. 
Ergebnis. 
Die meisten Chronometer werden bei einer Neigung einen verlierenden 
(+) Gang annehmen, nur wenige einen gewinnenden, 
Letzterer Fall tritt ein, wenn die Reibung besonders groß ist, oder wenn 
die Schwerpunktslage der Unruhe bzw, Spirale sich durch eine Formveränderung 
der Achse nähert. 
Des ferneren ergibt sich, daß eine Aufstellung von Chronometern ohne 
kardanische Aufhängung, wie sie seinerzeit bei Nardin Torpedoboots-Chronometer 
geplant war, nicht angängig ist. Solange die Instrumente in gut arbeitenden 
kardanischen Ringen hängen, werden große Unterschiede in den vier Lagen in 
der Praxis selten oder nie in Erscheinung treten. 
Schlußbetrachtung. 
Der gleichmäßige Gang eines Chronometers in den vier Lagen bei 25° 
Neigung gibt die sichere Gewähr für ein richtiges Zusammenarbeiten der ganzen 
Hemmung. Schon Caspari hat seinerzeit hierauf in seiner Preisschrift auf- 
merksam gemacht, daß nämlich ersehen werden kann, ob ein Chronometer 
richtig zentriert ist, wenn der Gang des Instruments beobachtet wird während 
seiner Neigung in den vier rechtwinkligen Richtungen.
	        
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