Neuere Veröffentlichungen,
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metcorologischen Horizontalnavigation
die meteorologische Vertikalnavigation
hinzu (vgl. „Luftfahrt“ 1924 S. 295 und Z. f. M.
1933 S. 556), die zuerst im Freiballon und dann im
Motorlufifahrzeug in größerem Umfang verwendet
worden ist. Unentbehrlich bei der Flugnavigation
ist das Winddreieck (Abb. 1 und 8), das den
richtigen Vorhaltewinkel liefert, Die Theorie der
„meteorologischen Groß - und Kleinnavigation“
wird vom Verfasser, soweit es das kleine inhalt-
reiche Bändchen zuläßt, gegeben.
Den Kern der Flugnavigation, -meteorologie
und -beratung behandelt der Verfasser in dem Teil,
wo er von der Verschiebung der Luftmassen
nach drei Dimensionen spricht, die, wie ich hin-
zufügen möchte, durch Temperaturdifferenzen, der
treibenden Kraft auch im Luftmeer, erzeugt werden,
Hierzu gibt Seilkopf lehrreiche Skizzen, die
im Lauf der Erfahrungen wohl noch weiter aus-
baufähig sind und dann dem Flieger und Segel-
Hlieger die Wind- und Strömungsfelder weisen
zönnen, nach denen er sich zurechtfinden soll bzw.
die dem Flugmeteorologen eine Grundlage zur Flug-
beratung geben.
Weitere Grundlagen bilden die von den Wetter-
warten jetzt täglich gezeichneten Höhenwetter-
karten, die Karten der absoluten Topographie der
500 mb-Fläche, die insbesondere das Strömungs-
bild in der Höhe erkennen läßt und für die Vertikal-
navigierung, Wahl der Höhe, von Bedeutung ist.
Im übrigen braucht der Fernflieger nicht so
sehr die Beobachtungen aus der Höhe als die Vor-
aussage des Windes in der Höhe und am Boden,
Auch eine etwaige „Versteilung“ des Luftdruck-
gefälles soll vorausgesagt und die Ursachen sollen
physikalisch - meteorologisch ergründet * werden,
Schließlich muß der Flieger verstehen, im Fluge
zelbst Wiadbeobachtungen in Flughöhe zu machen,
indem er nacheinander zwei etwas verschiedene
Kurse fliegt und dabei die Abtriftwinkel mißt
‘Methode Elias-Coutinho),
An Beispielen behandelt Seilkopf einzelne
Sturmtiefs und Flüge, teils nach Beratungen
der Ozeanflieger, teils nach Erfahrungen im Luft-
schiff „Hindenburg“ im Atlantik und an den
Küsten,
Ein Teil der Ausführungen ist den Wolken-
arten und Wolkenbildungen gewidmet, aus
denen man oftmals auf den Wind in den betref-
fenden Höhen schließen kann; allerdings gehören
dazu sehr gründliche Erfahrungen, denn Täu-
schungen sind m. E. sehr leicht möglich, da man
von oben nur relativ die horizontalen Windände-
rungen und Luftströmungen erkennt und es sehr
schwer ist, daraus auf die absoluten Strömungen
sowohl nach Richtung wie nach Geschwindigkeit
zu schließen. Immerhin bleiben die Wolken im
Luftmeer für den Luftmann, wie ich sagen möchte,
sehr wichtige Wegweiser.
Umstritten ist noch immer das alte Problem
der Erklärung der v. Bassusschen Flußtalab-
bildung in Wolken; ähnliches gilt von den
Bergkuppen- und Inselwinden und -wol-
ken, wo trotz Einwand von anderer Seite m. E.
die Übereinanderlagerung des Lokalwindes und
des durch die Luftdruckverteilung erzeugten Gra-
dientwindes die Grundlage bildet (vgl, Archiv d,
D. S. 1928 Bd, 45, H. 3, 5. 46).
S. 14 schreibt Verfasser, es werden „1l und
12 Windstärken gemeldet“, Diese Ausdrucksweise,
lie leider auch schon in die Tageszeitungen ge-
Irungen ist. ist entschieden zu verwerfen: der
Leser wird nämlich dadurch zu der falschen An-
ıaahme gezwungen, daß die „Windstärke“ (wie etwa
Pferdestärke) eine feste Einheit ist.
Dr. Paul Perlewitz.
3. Schröder, Fernweh und Heimweh. Potsdam:
Rütten & Loening Verlag 1941, 237 S., 16 Licht-
bilder. Preis geb, 4.80 RM.
Fernweh und Heimweh — das sind die Pole
nes Seemannslebens, reich an Mühen, überreich
ın Erfahrungen und Erlebnissen. Kapitän Gustav
Schröder läßt uns einen Blick ia sein Leben
;un:; sich selbst und anderen zur Freude gibt er
wieder, was ihm an Hand seiner Tagebücher in
lie Erinnerung zurückkehrt und „was in die Feder
ıinein und aus ihr heraus will“,
Unüberwindliches Fernweh trieb den Knaben
‚om Gymnasium fort in den Seemannsberuf,
Heimweh berührte ihn im Rauschen der Bug-
velle, das ihm wie Wipfelrauschen schleswig-
ıolsteinischer Buchenwälder klang. So verlor er
sich nicht ganz an die Ferne. .
Mit ernsthaftem Leistungswillen erwarb sich
Schröder in seiner Segelschiffszeit und später
lie Achtung von Kameraden und Vorgesetzten
ınd sah schließlich seinen kühnsten Traum, als
Kapitän einst die größten Schiffe zu führen, wahr
verden, Es gelang ihm sogar, im Winter 1939/40
nit seinem Schiff die englische Blockade zu durch-
ırechen und die „St. Louis“ von New York über
Murmansk glücklich nach Hause zu bringen, eine
ijeutsche Tat, die durch Verleihung des Blockade-
wrecherabzeichens geehrt worden ist.
Den Annalen-Lesern ist der Verfasser gut be-
tannt. In seinen Arbeiten über den Grünen
Strahl!) und verschiedenen anderen gab er sich
ıls vortrefflicher Naturbeobachter und -schilderer
zu erkennen, der auch gern selbst zum Zeichen-
;tift greift, um seine Eindrücke noch anschaulicher
larzulegen. Gerade dıeser Vorzug tritt in seinem
juche deutlich zutage, Sci es, daß er uns mit
Norten malt, wie nach langer Meerfahrt der An-
»lick des grünen Landes die Augen entzückt, sei
», daß wir mit ihm die eisige Klarheit nordischer
Xüsten erleben oder seinen Angaben über den
Yogelzug lauschen (S. 155).
Die Verbundenheit des Seemanns mit der
Natur kommt vielfach in dem Buche zum Aus-
Iruck. „Wir wurden so vertraut mit den Witte-
ungsveränderungen, daß wir glaubten, an der
Ausik des Windes hören zu können, ob wir auf
ler Vorderseite oder der Rückseite eines Sturm-
jefs waren. Ich glaube auch heute noch, daß
eine Ohren den Unterschied feststellen können“
S. 104), Der Kapitän berechnet. wie er mit Hilfe
’} Einc Mitteilung über den Grünen Strahl in Dolaren
3reiten, zıu. dessen Beobachtung Schröder in den Ann. d.
Iydr. 1936, 2. Köppenheit, 5. 91, anffordert, findet sich in
lem hier besprochenen Werk $S, 217: „Die Tage wurden
immer kürzer, der Bogen, den die Sonne am Mimmel be-
chrich, immer kleiner und niedriger. Bis das Gestirm am
“1. November mit dem Unterrand gar nicht ınchr über den
Iorizont kam. An diesem Tage war gerade klares Wetter,
Zin weit im Süden der Bucht liegender niedriger Höhenzug
/erdeckte mittags die Sonne so weit, daß nur ihr Oberrand,
der besser gesagt, ein winziges Segment von ihr, einige
Minuten lang über dem Land sichtbar wurde. Dieses Seg-
nent war nicht etwa, wie viele meinen werden, goldgelb,
;ondern lichtblau, Mit einem starken Fernrohr bewaffnet,
ah ich die zarten cntlaubten Birken, die auf der IIöhe trotz
Nacht und Kälte lebten, in bläulichem Licht. Sie hoben
ich scharf ab von dem kleinen Segment, das hinter ihnen
v‚orbeiwanderte. — Für mich war dies eine außerordentlich
nteressante, einzigartige Beobachtung des Phänomens, das
nan mit „der grüne Strahl“ bezeichnet, denn es tritt cben-
alls und wahrscheinlich hünfiger in erüner Farhe anf“