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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 70 (1942)

Prüfer, G,: Die Eisverhältnisse in d. deutschen u. d. ihnen benachbarten Ost- u, Nordseegebieten. 49 
Eismassen blockiert; das aufgepackte Eis friert zu einer festen Decke zusammen, 
so daß man erwarten kann, daß die beiden oben genannten Zahlen voneinander 
nicht erheblich abweichen werden. Es wurden daher die Anzahl der Tage 
mit Eis’ in Prozenten der vollen Eisperiode (Tag des ersten Eises bis zum Tag 
des letzten Eises) für jeden Ort bestimmt, Die errechneten Werte wurden 
„relative Häufigkeit innerhalb der mittleren Eisperiode“ genannt, und zwar 
relative, weil sich die Häufigkeit nur auf die für jeden Ort verschieden‘ große 
Eisperiode bezieht, und mittlere, weil diese Eisperiode einen Mittelwert für. den 
betreffenden Wintertypus darstellt, Es wurden hiernach nur zwei Karten, für 
strenge und für mäßige Winter, in Linien von 10%, zu 10%, gezeichnet. Das 
Bild für sehr strenge Winter wäre von dem für strenge Winter kaum abge- 
wichen, das Bild für milde Winter hätte kaum etwas Bemerkenswertes gebracht. 
Tafel 21 gilt für strenge Winter. Dort, wo die Häufigkeit größer als 90%, 
ist, ist auch mit Sicherheit Festeis zu erwarten. Hier sind es die inneren 
Schärengebiete der schwedischen Küsten mit dem Kalmarsund, die Haffe und 
Buchten der deutschen Ostseeküste, die flachen Fahrwasser der dänischen Inseln 
und die Fjorde Norwegens, Eine Ausnahme bildet der Oslofjord. Hier bildet 
sich nur in den inneren Verzweigungen Festeis, während der äußere Teil infolge 
häufiger Wasserstandsschwankungen hauptsächlich Treibeis aufweist. Die dennoch 
große Eishäufigkeit kommt daher, daß der Fjord von den inneren und von seinen 
Randteilen dauernd mit Eis versorgt wird. Die von der 80%,-Isolinie um- 
schlossenen Flächen tragen vorwiegend Festeis, das verschiedentlich von Treibeis 
abgelöst wird, oder auch am Ort entstandenes Treibeis, das aus verschiedenen 
Gründen (Küstenform, Strom, Wasserstandsschwankungen, Wind) zwar an der 
Festeisbildung verhindert, doch zumeist in jenem Bereich festgehalten wird und 
daher auch leicht zu Packeis zusammengeschoben werden kann. Zum ersten 
Fall gehören die fast alle Küsten umfassenden Eisgürtel, zum zweiten die Beltsee 
und die Flußmündungen an der Deutschen Bucht. Je geringer die Häufigkeit 
des Eisvorkommens ist, um so mehr tritt das Eis nur in der Form von Treibeis 
auf, Doch bedeutet eine Häufigkeit von 50°, immer noch ein relativ dichtes 
Treibeisvorkommen. Es ist bemerkenswert, daß das gesamte Gebiet zwischen 
dem Skayerrak und einer etwas Östlich von Bornholm gelegenen Linie eine 
Häufigkeit von mehr als 50°, aufweist, Das kennzeichnet‘ die Schwierigkeit, 
mit der die Schiffahrt in diesem Bereich in strengen Wintern zu rechnen hat 
(vgl. auch Karte 23, die mit Karte 21 eine beachtliche Ähnlichkeit aufweist). 
Linien mit einer kleineren Häufigkeit als 50%, sind in der Karte 21 nicht mehr 
gezeichnet worden; denn sie führen über offenes Seegebiet hinweg, für das die 
für ihre Berechnung notwendigen Unterlagen fehlen, ; 
In welchem Maße sich die Vereisung in mäßigen Wintern nur auf die Küsten 
beschränkt, stellt Karte 22 anschaulich dar, Die in Karte 6 noch für diesen Winter- 
typus z. B. im Großen Belt gezeigte Vereisung erweist sich hier als recht spärlich 
auftretendes Treibeis. Das darüber hinausreichende Eisvorkommen in der süd- 
westlichen Ostsee und im Kattegat ist sogar so gering, daß es selbst in den 
Dekadenkarten nicht mehr zur Auswirkung gelangt. Festeis jedoch ist wieder 
in den Haffen der deutschen Ostseeküste, in den ostschwedischen Buchten wie 
auch in einigen tiefen norwegischen und dänischen Fjorden anzutreffen. 
Im ganzen stellen diese beiden Karten eine Ergänzung zu den 16 die Ent- 
wicklung der Eisverhältnisse wiedergebenden Dekadenkarten dar. Während diese 
die Eisperiode vom Tage des ersten Eisauftretens bis zum Tage des letzten 
schwindenden Eises ablaufen lassen, zeigen jene, wie häufig, d.h, wie stark die 
in dieser Periode gewesene Vereisung ist. Die daraus gezogenen Rückschlüsse 
auf die Art des Eises lassen gleichzeitig weitere Schlüsse auf die mögliche 
Schiffahrtsbehinderung zu. Die durch dunkle Farbtöne hervorgehobenen Gebiete 
sind gleichzeitig diejenigen, in denen die Schiffahrt am meisten gefährdet ist. 
Somit ist die oben erwähnte Ähnlichkeit der Karten 21 und 23 nicht ohne Sinn, 
Die Karten 23 bis 25 geben die den Seemann interessierenden Schiffahrts- 
verhältnisse in strengen und mäßigen Wintern wieder. Die Linien gleicher 
mittlerer Anzahl von Tagen mit Schiffahrtsbehinderung und Schiffahrtsschluß
	        
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