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Volltext: 70, 1942

Prüfer, G.: Die Eisverhältnisse in d. deutschen u. d, ihnen benachbarten Ost- u. Nordseegebieten, 47 
Nordseewasser bis zur „Stirnfront“ bedeckt?), Diese Front pendelt jeweils mit 
der Richtung der Strömung und scheint im der Regel zu bestehen. Bereits 
Speerschneider hat diese Eigenart erkannt und sie zur Erklärung der in der 
Beltsee sich mitunter rasch bildenden Vereisung benutzt. Insbesondere wies er 
darauf hin, daß nach starken Weststürmen, nach einem starken . Transport 
schweren Nordseewassers nach der Ostsee die Vorbedingungen für die Aus- 
bildung einer scharf abgegrenzten leichten Oberflächenschicht vornehmlich 
günstig seien?). Die zwischen der leichten salzarmen Oberflächenschicht des 
Ostseewassers und dem darunter lagernden schweren Nordseewasser sich bildende 
Diskontinuitätsschicht unterbindet durch ihr starkes Dichtegefälle einen vertikalen 
Austausch zwischen beiden Wasserarten, so daß die leichte Oberflächenschicht 
die Eigenschaft eines seichten Gewässers besitzt. Die durch die Abkühlung der 
Oberfläche bewirkte Konvektion reicht nur bis zur Diskontinuitätsschicht, so daß 
diese dem Grunde eines seichten Gewässers entspricht. Das ist der Grund, wes- 
halb im Bereich der Front das leichte über dem Nordseewasser befindliche 
Östseewasser ebenso rasch gefrieren kann wie ein solches, Da sich dieser Fall 
nur auf einen abgegrenzten, in der Beltsee und in der südlichen Ostsee — westlich 
der Darsser Schwelle — pendelnden Bereich beschränkt, so entsteht hier zunächst 
nur Treibeis, das aber bei Versteifung der Frostlage leicht Anlaß zur Bildung 
einer festen Eisdecke wird, sobald sich das Eis in den beiden Belten zu stauen 
beginnt, Nur im Sund, wo Ein- und Ausstrom von stärkerer Wirkung sind, 
herrscht Festeisbildung seltener, starkes Treib- und Packeis eher vor. 
Im Kattegat kann man weniger von einer aus Ostseewasser bestehenden 
Oberschicht sprechen. Die Front des Ostseewassers reicht bei auswärts gerich- 
tetem Strom kaum über den Samsö-Belt hinaus, Jedoch gibt es im Kattegat ein 
ausgesprochenes Flach, das etwa von den Verbindungslinien der Ecken Fornäs— 
Anholt—Läsö—Skagen begrenzt wird, Dieses Flach hat eine Tiefe von weniger 
als 20 m. Demgegenüber erreicht die zwischen diesem Flach und der schwedischen 
Küste gelegene Rinne eine Tiefe von mehr als 80 m. Über diesem Flach bildet 
sich in strengen Wintern ziemlich rasch ein Scholleneis, das bald zu einer 
starken, festen Decke zusammenfriert. Diese Festeisperiode dauert jedoch nicht 
sehr lange. Sie dauert nur so lange, als die das Eis erzeugende gleichmäßige 
Frostwetterlage anhält, gleichmäßig, insofern sie mit konstanter Windrichtung 
— Ostwind oder Windstille — verbunden ist, Wird die Großwetterlage durch 
eine Störung aus dem Westen unterbrochen — klimatisch gilt hier noch etwa 
dasselbe wie in der Nordsee —, so schmilzt die herbeigeführte Warmluft das 
Festeis nicht hinweg — die Eismassen sind hier weit ausgedehnter als in der 
Deutschen Bucht und daher weit widerstandsfähiger —, sondern der Westwind 
drückt einen Schwall warmen, salzreichen Nordseewassers durch das Kattegat in 
die wahrscheinlich etwas entleerte und dadurch aufnahmefähige Ostsee hinein, 
und dieses Nordseewasser, im Verein mit der starken Wasserstandsschwankung, 
zerbricht und zermürbt die Festeisdecke., 
Auf den Karten sehen wir auch, wie am 11. Februar Kattegat und Beltsee 
sowohl in sehr strengen wie auch in strengen Wintern vom Eis ganz geschlossen 
sind, wie aber dann am 21. Februar in strengen Wintern eine Auflockerung sich 
bemerkbar macht in der Art, daß das (in strengen Wintern) in Bewegung geratene 
Eis mit der in der tiefen Rinne offenbar stärkeren Strömung fortgetrieben wird. 
Da diese Karten nur eine mittlere Darstellung zeigen, so kann das Bild im ein- 
zelnen variieren. Oft pendelt das Eis in dieser Phase der Vereisung mit 
wechselnder Windrichtung zwischen der dänischen und der schwedischen Küste 
hin und her, Dieser Wechsel kann plötzlich, im Laufe eines Tages, erfolgen. 
Nunmehr beginnt die zweite Phase der Vereisung. Die mittlere Ostsee füllt 
sieh nämlich jetzt zu jenem oben beschriebenen gewaltigen Eisspeicher auf. Und 
aus diesem Eisspeicher setzt alsdann (vorausgesetzt ist natürlich neuerliche Ost- 
windwetterlage, was für strenge Winter jedoch Bedingung ist) ein immer stärker 
werdender Strom starker Eisschollen nach dem Kattegat ein, verstopft die 
2%) H, Wattenberg, Über die Grenzen zwischen Nord- und Ostseewasser, Ann. d, Hydr. usw. 1941. 
Heft 9. — 21 L. ce. Vgl. anch Ann. d. Hrydr. usw. 1925. Heft 10. S. 3054.
	        
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