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Full text: 70, 1942

15 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1942. 
minimalen Mitteltemperaturen etwa zwischen 3.7° C und 6.8° C. Für die Ver- 
eisung kommt also nur das Küstenwasser in Betracht. Dieses kann in strengen 
Wintern sogar sehr niedrige Temperaturen annehmen, So betrugen die Ober- 
flächentemperaturen, gemessen bei den Feuerschiffen Borkumriff, Norderney, 
Elbe 1 von Mitte Februar bis Mitte März 1929 —0.5° C bis — 1,8° C*), Die 
Feuerschiffe Außeneider und Amrumbank waren sogar in dieser Zeit wegen Eis- 
vefahr eingezogen. Da jedoch der Salzgehalt in dieser Epoche mit 32 bis 33% 9 
gemessen wurde, das Temparaturminimum sich nur über höchstens eine Dekade 
erstreckte, so wird unter Berücksichtigung, daß der Gefrierpunkt zu solchen 
Salzgehaltwerten bei etwa — 1.7° C liegt, mit der Lage der Feuerschiffe auch 
die Grenze der in der Deutschen Bucht möglichen Eisbildung gegeben sein. 
Das in der Deutschen Bucht im übrigen vorwiegend auftretende Eis wird daher 
in erster Linie aus dem Wattengebiet und aus den Flußmündungen stammendes 
Treibeis sein, 
Um so erstaunlicher ist, daß die am Rande der Deutschen Bucht gelegenen 
Gebiete selbst rasch und früh — selbst in mäßigen und milden Wintern — ver- 
eisen, Das läßt sich folgendermaßen erklären. Der deutschen Küste ist ein 
breites, bis zu den Inseln reichendes Wattengebiet vorgelagert, das vom wechseln- 
den Wasserstand der Gezeit beherrscht wird. Zur Zeit der Ebbe ist es fast 
völlig vom Wasser frei, nur von einigen flachen Tümpeln bedeckt und von FPrielen 
durchzogen. Ähnlich wie Moore strahlen diese Flächen stark aus, so daß der 
feuchte Boden mit seinen seichten Tümpeln rasch gefriert. Bringt dann die 
Gezeit das Wasser zurück, so kühlt sich dieses, da es nur langsam aufläuft, 
ebenfalls rasch ab; und da es selbst bei Hochwasser nur eine geringe Mächtig- 
keit erreicht, so unterliegt es stark der Einwirkung des Frostes von oben und 
unten, Dieser Vorgang wiederholt sich unaufhörlich, so daß Schicht um Schicht 
ein Scholleneis entsteht, das bald zu starkem Treibeis, mitunter auch zu Festeis 
anwächst. Hinzukommt, daß das Wasser infolge der zahlreichen Flußmündungen 
relativ salzarm ist, welche schließlich selbst auf ihrer salzarmen Oberfläche zu- 
nächst aus dem Oberlauf, schließlich am Ort gebildetes Treibeis mit sich führen. 
Auf diese Weise bildet sich am Saume der Deutschen Bucht sehr leicht Treibeis, 
das, von der Gezeit hin- und hergeführt, lange im Bereich der Küste bleibt und 
erst mit dem restlichen Oberflächenstrom in die offene See gelangt, in der es 
schließlich abschmilzt. Da nun in der Nordsee kein im Bereich der Gefriergrenze 
liegendes Temperaturminimum existiert, das imstande wäre, eine Stabilität der 
Frostlage zu verstärken, so sind die im Watten- und Flußmündungsgebiet vor- 
handenen Eismassen mit dem zunehmenden Frühjahr der Energie der Sonne 
ausgesetzt, ohne Verstärkung bei einer etwa die Kälte bewahrenden Wasser- 
temperatur zu finden. Hier spielt jetzt auch der oben erwähnte meteorologische 
Umstand eine Rolle, indem die in der einsetzenden Frühjahrszeit hier leichter 
einbrechenden Warmluftmassen bei den relativ geringen Eismassen keinen großen 
Widerstand finden. Daher schwindet das Eis dieser Gebiete selbst in sehr strengen 
Wintern bereits im März, was rückwirkend wiederum auf die Wetterlage von 
gewissem Einfluß ist. Somit liegt auch der Höhepunkt der Vereisung an der 
Nordseeküste vor dem März, und wir finden ihn in unseren Karten bereits im 
Februar. 
Zwischen Nord- und Ostsee nehmen Kattegat und Beltsee eine Mittelstellung 
und auch eine Sonderstellung ein. Hier berühren sich Nord- und Ostseewasser, 
hier entsteht Eis, aber hier sind auch die Durchgangsstraßen für den Abtransport 
der riesigen aus der mittleren Ostsee kommenden Treibeismassen nach dem 
Skagerrak und von dort in die Nordsee. Beide Teile, Eisentstehung und Eis- 
transport, sind voneinander zu trennen, und sie lassen sich auch — in gewissem 
Maße — selbst in unseren Karten unterscheiden, 
H, Wattenberg zeigte, daß der Übergang vom Nord- zum Ostseewasser 
nicht kontinuierlich, sondern in Form einer Front stattlindet derart, daß das 
Ostseewasser etwa stufenförmig in einer oberen, ziemlich seichten Schicht das 
19) Meereskundliche Beobachtungen auf deutschen Feuerschiffen der Nord- und Ostsee, Jahr 1929, 
heraunsgereben von der Deutschen Seewarte. Hamburg 1931,
	        
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