Prüfer, G.:; Die Eisverhältnisse in d, deutschen u, d. ihnen benachbarten Ost- u. Nordseegebieten. 43
10 zu 10 Tagen, 2 Karten über die relative Eishäufigkeit innerhalb der mittleren
Eisperiode (deren Bedeutung weiter unten erklärt werden wird), 2 Karten über
die Dauer der Schiffahrtsbehinderung, 1 Karte über die Dauer der Schiffahrts-
cuhe und schließlich je 12 Karten als Beispiele über die Entwicklung ‘eines
strengen und eines mäßigen Winters (1940/41 und 1931/32). Von diesen Karten
werden im Anhang in den Tafeln 2 bis 14 25 Karten wiedergegeben. Hierbei ist,
namentlich in den Dekadenkarten, die Farbgebung verändert worden, Während
in dem für den Praktiker bestimmten Atlas die mit Eis erfüllten Flächen in den
Farben von dunkelrot bis gelb abgetönt sind, um zu charakterisieren, daß Eis
eine Warnung bedeutet, liegen hier die Farben zwischen weiß und grün, der
Natur des Eises Rechnung tragend. Ebenso gegensätzlich sind die Wintertypen
bezeichnet worden. Im Atlas ist das in milden Wintern vereiste Gebiet dunkelrot
getönt. Es ist das Gebiet, das immer vereist und daher in strengen Wintern
lie größte Eisdecke aufweist. Es darf daher in solchen Wintern, um so mehr
also in sehr strengen, als mit Festeis besetzt angesehen werden, Dagegen tragen
die mit zunehmender Winterhärte darüber hinaus vereisten Gebiete hellere Töne,
in sehr strengen Wintern ein helles Gelb, um anzudeuten, daß das Eisvorkommen
hier seltener ist [bei Gelb ist es z. B. nur auf den Fall sehr strenger Winter
beschränkt], das Eisgefüge infolgedessen lockerer, die Eisart entsprechend vor-
wiegend Treibeis oder Eisfelder sein dürfte, Hier jedoch tragen die in milden
Wintern vereisten Flächen den hellsten Ton. Sie sind weiß gelassen worden,
womit die Geschlossenheit der Eisdecke, nicht ihrer Schwere, sondern ihrer Farbe
nach, bezeichnet sei. Die Lockerung des Eisgefüges in den in härteren Winter-
iypen darüber hinaus vereisten Gebieten wird alsdann durch eine stufenweis zu-
nehmende Unterbrechung der weißen Farbe durch kräftiges Grün charakterisiert,
so daß der nur in sehr strengen Wintern vereiste Raum am dunkelsten erscheint.
Hiermit soll zugleich dem Gefühl des Beschauers Rechnung getragen werden,
das für die Darstellung des strengsten Wintertypus auch den dunkelsten Ton
erwartet. Beide Darstellungsweisen stehen einander gleichberechtigt gegenüber,
weshalb der Versuch erlaubt sein darf, beide der Öffentlichkeit vorzulegen.
Bei der Betrachtung der im Anhang gebrachten 16 Karten, welche die Ent-
wicklung der Vereisungsverhältnisse in den vier genannten Typen in Dekaden
darstellen, hebt sich sofort der große Unterschied zwischen den strengen und
sehr strengen Wintern einerseits und den mäßigen und milden Wintern anderer-
seits heraus, Dieser Unterschied macht die gewählte Aufteilung in die vier
Wintertypen erst recht verständlich. Eine Darstellung, welche sich auf Mittel-
werte, gezogen aus dem gesamten Material, gestützt hätte, wäre wahrscheinlich
keiner in Wirklichkeit vorkommenden Eislage gerecht geworden. Der Trennung
nach charakteristischen Merkmalen jedoch entspricht ein systematischer Unter-
schied in den Ursachen.
Dieser Unterschied, von dem unsere Betrachtungen ihren Ausgang nahmen,
rührt daher, daß in milden Wintern das nordatlantische Klima, in strengen das
kontinentale vorherrscht. In milden Wintern sind nur die Küsteneinschnitte und
seichten Fahrwasser, an der ostschwedischen Küste der innere Schärenhof vereist,
in strengen Wintern sind es die ganzen Seegebiete. In mäßigen Wintern da-
gegen, das ist etwa der Normalfall, liegen unsere Gebiete in einer Übergangs-
zone zwischen zwei Klimazentren. Die Kaltlufteinbrüche sind häufiger als in
milden Wintern, und die Temperatur ist im allgemeinen niedriger. Im Westen
beschränkt sich das Eis wieder nur auf Buchten und Wasserstraßen — etwas
stärker als in milden Wintern —, im Osten entstehen Küsteneisgürtel. Obwohl
dieser Typus, der Vereisung an den Küsten nach, in der Mitte zwischen den
milden und den strengen Wintern steht, sind die Seegebiete fast ebenso frei von
Eis wie in den milden Wintern, so daß, im großen gesehen, die mäßigen Winter
eher mit den milden gemeinsam eine Klasse bilden, als daß sie die Mitte halten
zwischen diesen: und den strengen Wintern. Ihnen gegenüber bilden die sehr
strengen Winter nur eine Verschärfung der strengen und mit diesen zusammen
eine Klasse. Daraus ist bereits zu sehen, daß ein Grad der Vereisung, der in
ler Mitte zwischen strengen und milden Wintern liegt, ein allgemeines Mittel