accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 70 (1942)

386 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1942, 
nicht anders zu erwarten; 3. wird der gleichmäßige Kurvenverlauf zeitweise 
durch plötzlich auftretende „Kältezacken“ von wenigen Minuten Dauer unter- 
brochen. Ihre Größenordnung beträgt einige zehntel Grade Celsius. Diese Er- 
scheinung deutet darauf hin, daß innerhalb der Wassermasse vorübergehende 
wellen- oder wirbelartige Hebungen der Sprungschicht auftreten, die bis in die 
2 m-Schicht hinaufreichen können. 
Ein Gegenstück zu der obigen Messung unter ähnlichen Witterungsverhält- 
nissen stellt Abb, 4 dar. Jedoch zeichnet sich diese Kurve, die aus 0.5 m Tiefe 
stammt, durch ihren äußerst unruhigen thermischen Verlauf aus. Dieses zu- 
nächst unverständliche Verhalten ist örtlich bedingt. Die Meßreihe wurde in 
der Putziger Wiek in nächster Nähe des Steilabhanges gewonnen, an dem der 
südwestlich der Halbinsel Hela vorgelagerte Wattstreifen plötzlich in die dort 
gut 30 m tiefe Mulde der Wiek übergeht. Wie bereits durch Augenschein fest- 
zustellen war, zogen sich hier einzelne wahrscheinlich wärmere Stromfäden aus 
dem wattartigen Gebiet in die offene Putziger Wiek hinein. 
Eine Aufnahme aus der oberen Grenze der Sprungschicht, aus 5m Tiefe, 
ist in Abb. 5 wiedergegeben. Hier treten bereits aus der noch deutlich erkenn- 
baren Grundlinie verhältnismäßig klar ausgebildete größere thermische Perioden 
in der Größenordnung von 1°C auf. Bemerkenswert ist ihre einseitige Aus- 
bildung oberhalb der Grundlinie. Dies ist begründet in dem Darüberlagern der 
homothermen Oberflächenschicht, welche eine wesentliche Erwärmung über die 
Temperatur der 5 m-Schicht nicht erlaubt. 
Eine noch klarere Ausbildung wellenartiger Perioden aus der Sprungschicht 
zeigen Abb. 6 und 7. Besonders auffallend ist das gänzliche Fehlen kurzperio- 
discher Zacken, wie sie Abb. 4 so anschaulich wiedergibt. Dies ist zweifellos 
eine Folge der besonders ruhigen Wetterlage. In Abb. 7 erreichen die Amplituden 
sogar Werte über 5°C, was einer Erhebung der Sprungschicht um etwa 2!/, m 
entspricht. Auffallend ist die scheinbare Beruhigung der Kurve während der 
letzten °/, Stunden der Beobachtung (in Abb. 7 nicht eingezeichnet). Dies erklärt 
sich zwanglos daraus (siehe Zustandskurve), daß sich die eigentliche Sprung- 
schicht insgesamt oberhalb der 18.5 m-Tiefe verlagert hatte. 
Noch ruhigere und ausgeglichenere Verhältnisse aus 10 m Tiefe zeigt Abb. 8, 
die bei ähnlich ruhiger Wetterlage in der nördlichen Putziger Wiek gewonnen ist, 
Interessant ist eine im Danziger Tief bei gleichfalls ruhiger Wetterlage ge- 
wonnene Messungsreihe (Abb. 9). In ihr ist es erstmalig gelungen, Ursache und 
Wirkung in Zusammenhang zu setzen. Das Beobachtungsschiff trieb bei Beginn 
der Messung um 16% Uhr bereits 20 Minuten mit dem mit einer Geschwindigkeit 
von 2 sm/st nach NW setzenden Strom. Es sei daher dahingestellt, ob die 
während der ersten 15 Minuten in der Kurve vorhandene thermische Unruhe 
noch eine Nachwirkung der Eigenfahrt des Schiffes darstellt. Jedenfalls ist 
bemerkenswert, daß die Kurve nach 16% Uhr langsam einen ausgeglichenen 
Charakter annimmt. Während dieses Zustandes geht plötzlich ganz in der 
Nähe des treibenden Beobachtungsschiffes, 150 m querab, ein U-Boot auf Tiefe. 
Gut 1 Minute später zeigt sich die Reaktion in 7.5 m Tiefe in Gestalt eines 
scharf ausgeprägten Wärmezackens von einigen zehntel Grad und etwa 2 Minuten 
Dauer, dem nach weiteren 5 Minuten ein gleicher, bereits schwächer ausge- 
prägter Wärmeanstieg folgt. Wenn auch noch nicht beweiskräftig, so doch 
zumindest auffallend ist folgendes weitere Zusammentreffen. Während der gleich 
ruhigen Gesamtsituation schwimmt um 18! Uhr auf Anordnung ein Fahrt- 
teilnehmer E, seitlich in 2 m Abstand an dem Kabel des Schlierenmessers 
vorbei. 1 Minute später geht die in sich ausgeglichene Kurve plötzlich in eine 
gut ausgebildete Schwingung mit einer Amplitude von beinahe 2°C und einer 
Periode von mehreren Minuten über. Leider konnte das Ausklingen dieser 
Schwingung nicht mehr beobachtet werden, da das Schiff die Station ver- 
lassen mußte. 
Besonders lehrreich ist ein Vergleich zweier im Abstand von wenigen Stunden 
voneinander gemachter gleichartiger Messungsreihen in der Putziger Wiek 
(Abb, 10, 1 bis 4). Die beiden ersten Kurven geben ein Bild des thermischen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.