384 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1942.
der Deutschen Seewarte gewann erstmalig A. Schumacher nach bisher unver-
öffentlichten Versuchen im August 1937 vom verankerten Feuerschiff „Fehmarn-
belt“ aus mittels eines widerstands-elektrischen Thermographen der Firma
Keiser & Schmidt sehr eindrucksvolle thermische Kurvenaufzeichnungen aus
der Sprungschicht, denen regelmäßige Schwankungen in der Größenordnung von
annähernd 10 Minuten Periodendauer im Innern der Wassermasse zugrunde
lagen. Untersuchungen des Verfassers in der gleichen Richtung auf der Stolpe-
Bank führten zu einem entsprechenden Ergebnis. Bei näherer Prüfung zeigte
sich jedoch, daß die gewonnenen Kurven infolge der außerordentlichen Trägheit
des benutzten Widerstandsfühlers von 4 bis 6 Minuten Dauer ein erheblich
gedämpftes und damit entstelltes Abbild der wahren Naturerscheinung darstellten.
Da aus einer besonderen Fragenstellung heraus gerade der Nachweis und die
Aufklärung extrem kurzperiodischer thermischer Schwankungen im Innern der
Wassermasse, die wir kurz als „thermische Unruhe“ des
Meeres bezeichnen wollen, von wesentlichem Interesse
war, so mußte nach einem für diesen Zweck geeigneteren
instrumentellen Hilfsmittel gesucht werden. In der
Konstruktion des auf thermo-elektrischer Grundlage be-
ruhenden „Schlierenmessers“ erreichte der Verfasser
dieses Ziel.
Der thermo-elektrische Schlierenmesser stellt im
Prinzip ein einfaches Thermoelement besonders hoher
Empfindlichkeit dar, bei dem die eine Lötstelle direkt
in das Meer taucht, während sich die zweite Lötstelle
im Innern einer mehrere Zentimeter dicken Isolierschicht
befindet. Von besonderem Vorteil ist, daß sich der
Thermoelementblock mit den einfachsten Laboratoriums-
hilfsmitteln innerhalb weniger Stunden herstellen 1äßt.
Der Herstellungsgang geht folgendermaßen vor sich
(Abb. 1): Ein 3 bis 4 cm langes Tellurstäbehen von 3 mm
Durchmesser (T), wie es von der Firma Schering A.G.
geliefert wird, wird an dem einen Ende mit einem
2 bis 3 cm langen, 3 mm breiten Platinblechstreifen (P),
an dem anderen Ende mit einer enggewickelten, etwa
3 cm langen Kupferdrahtspirale (Sp) verlötet. Der Durch-
messer des Kupferdrahtes beträgt etwa 0.4 mm. Zum Löten
selbst genügt es, mittels einer kleinen Stichflamme an den beiden Enden des
Tellurstäbchens eine kleine Schmelzkappe herzustellen und die Verbindung durch
Berührung des flüssigen Tellurs mit dem Platinblech oder dem Kupferdraht
herzustellen, An das andere Ende des Platinbleches wird ein dünner Kupfer-
draht (K) gelötet. Das Ganze wird entsprechend Abb. 1 zurechtgebogen und
an die beiden Litzenzuführungen eines wasserdichten Gummikabels (Gk) gelötet.
Das fertige Thermoelement zusammen mit dem Kabel wird dann mit Hilfe eines
eisernen Statives und einer Klemmschraube derartig in einem 100 cm? fassenden
Becherglas zentriert, daß das untere Ende des Platinstreifens auf dem Boden
des Becherglases aufliegt, In dieser Stellung wird das Becherglas am Boden
mit einer 5 mm dicken Schicht feinen trocknen Sandes bedeckt und das Ganze
mit geschmolzenem Picein!) ausgegossen, Nach Abkühlen wird der sich an der
Oberfläche des Piceinblockes bildende Erstarrungstrichter neuerdings mit Picein
ausgegossen und das Ganze 12 Stunden bis zum völligen Erstarren stehen-
gelassen. Zum Schluß wird der Boden des Becherglases an der Unterkante des
Piceinblockes abgesprengt, so daß die untere Lötstelle des Thermoelementes frei-
liegt. Vor der Benutzung im Meere ist es zweckmäßig, den Piceinblock durch
zwei Gummischlauchringe (G) gegen Stoß zu schützen und ihn in etwa 1m
Höhe an dem Gummikabel zu befestigen (Abb. 2). Das untere schlaufenförmige
Ende des Kabels wird schließlich durch ein eisernes Gewicht beschwert.
) Zu beziehen durch: New York-Hamburger Gummiwaaren Compagnie, Hamburg 33.