382 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1942,
Diese Karten haben einen zu kleinen Maßstab, auch wirkt sich die Papier-
verzerrung bei den langen Linien, deren Ziehen schon Schwierigkeiten macht,
ungünstig aus. Man sucht daher in der Funkortungskarte einen gegißten Ort
für den Schnitt zweier oder mehrerer Peilungen, dessen 4 und @ man aufschreibt.
Man geht nun mit a von oben und dem auf volle Grade abgerundeten Längen-
unterschied 47 = t, zwischen Peilstelle und Peilort in das für die Funkpeilstelle
bestimmte Diagramm und der linken t-Skala ein und entnimmt das dem Schnitt
von t, und a entsprechende ö, das man auf der Erde als @ anzusprechen hat.
Um die Standlinie, d. i. ein Stück des Großkreises, in die Seekarte oder in ein
quadriertes Netz (was nach Freiesleben an Bord vorgezogen wird) einzutragen,
notiert man noch die zwei nächsten Schnitte der 4%,-, A2;-Linien mit der a-Linie
und überträgt sie in die Karte. Mir scheint es dienlicher zu sein, die Schnitte
von a mit den ö (= g)-Linien aufzusuchen und dazu an der linken Skala 42.
Man ersetzt den Großkreis durch eine Gerade, was bei der geringen Ausdehnung
stets gestattet ist; man wendet also die Sehnenmethode an, wie sie zuerst von
Sumner vorgeschlagen ist.
Bei Kigenpeilungen wird ebenfalls die Sehnenmethode mit Vorteil angewandt;
die Tangentenmethode ist etwas unbequemer, da man meiner kleinen Tafel im
N. F. den Tangentenwinkel zu entnehmen hat; man muß auch die roten Zahlen
des Diagramms beachten, die die Zunahme des Azimuts für 1° Zunahme der
Breite angeben. Zum Einschalten des Azimuts sind die Bruchteile der roten
Zahlen stets positiv an a anzubringen. Daraus folgt, daß man umgekehrt a
verkleinern muß, wenn man das Diagramm gültig für 9 — Ag betrachtet.
Hierbei können Vorzeichenfehler gemacht werden, jedenfalls muß der Benutzer
denken und überlegen. Die Denkarbeit soll gerade durch das Diagramm beseitigt
oder wenigstens auf das Mindestmaß herabgeschraubt werden. Denkfehler sind
aber bei Anwendung der Sehnenmethode ausgeschlossen.
Zeichnung der Azimutstandlinie. Man entnimmt aus zwei oder mehr
Diagrammen zwei oder mehrere Punkte der Standlinie. Der gegißte Schiffsort
liegt zwischen zwei Breiten g, und %,. Man nimmt nun zuerst das Diagramm,
das die der Breite @, nächste volle Gradzahl über der Mitte des Kopfes des
Diagramms trägt, z. B. 63°, Mit dem gepeilten Azimut a geht man in die senk-
rechten Linien ein, bis man im Diagramm auf die Breite des angepeilten Funk-
senders stößt. Nun liest man den dieser Breite entsprechenden Längenunterschied
42 am Schnittpunkt der waagerechten Linie mit dem nächsten Skalenträger (links
oder rechts) ab und notiert 4%. In gleicher Weise verfährt man mit der
Breite g, auf dem nächsten Diagramm und findet 4%. Man bringt nun 4%,
und 4), an die Länge des Senders an und erhält 2, und 2. Ebenso verfährt
man mit der Peilung des andern Senders; man benutzt wieder zwei Blätter &
der Diagramme. Dann trägt man die Punkte g, 2, und 2 42 in quadriertes
Papier ein und verbindet sie durch eine Gerade, d. i. die Standlinie. Ähnlich
erhält man die zweite Standlinie, Der Schnitt der beiden Standlinien ergibt
den Schiffsort,
Da die Peilungen meist nicht gleichzeitig gemacht sein werden, muß man
in bekannter Weise die eine Standlinie der Versegelung entsprechend parallel
zu sich verschieben. Das quadrierte Papier muß man vorher in bekannter Weise
in ein Seekartennetz umwandeln, Ein Beispiel möge das Verfahren erläutern.
li. Beispiel. Etwa auf 63° 15’N und 11° 20’ W peilt ein Schiff Karlsborg
in 100°. Dann steuert es 220° 60 Sm und peilt Paris in 141.5°%°, Wo ist der
Schiffsort bei der zweiten Peilung?
Karlsborg liegt auf 58.5° N und 14.48° O, Paris auf 48,85° N und 2.30° 0.
Der Meridian des gegißten Schiffsortes ist 11.33° O, mithin beträgt der Längen-
unterschied 4/i; = 11,33° + 14.48° == 25.81°, Der gegißte Ort Sy liegt zwischen
63° N und 64° N. Man geht nun in das Azimutdiagramm g, = 63° mit dem
Azimut a = 100° am Kopfe und gx = 58.5° in die 6-Linien ein und findet
A2, = 24.2°° Aus dem Diagramm @, = 64° entnimmt man mit a = 100° und
ö = 58.5° AA; = 27.7°. Die erste Standlinie läuft also von
63°N, 24.2° — 14.5° = 97° W nach 64° N, 27.7° — 14.5° = 13.2° W.