Ann. d. Hydr. usw., LXX. Jahrg. (1942), Heft XII.
Neue Azimutdiagramme.
Von K. Schütte, Wien, z. Z. Deutsche Seewarte, Hamburg.
(Hierzu Tafel 25.)
Zusammenfassung. Die Gewinnung einer neuen Lösung des Azimutproblems, d.h. die Erhal-
tung eines reinen Zeıtazimutes auf denkbar bequemstem und schnellstem Wege gehört schon seit
Jahren in das Programm der von der Deutschen Seewarte in Hamburg im Auftrage des Oberkommandos
der Kriegsmarine betriebenen nautischen Versuche. Denn allen im praktischen Gebrauch befindlichen
Arimuttafeln, Hilfstafeln und Meßkarten zur Azimutbestimmung haften noch gewisse Mängel an, sei
:s durch unbequeme Einschaltarbeit, Ablese- oder Zeichenarbeit, sowie oft auch durch Unvolletändigkeit,
Nun jst es gelungen, in Form von neuen Diagrammen eine Lösung zu finden, der keine der
zenannten Mängel anhaften und von der angenommen werden kann, daß sie in der Praxis Anklang
finden wird, Angestrebt wurde, eine Genauigkeit der Azimute von 0.1° bis 0.2° zu erreichen, so daß
auch eine Kontrolle der Kreiselkompaßanlage möglich ist.
Die neue Methode läßt sich wie folgt kurz schildern: In einem rechtwinkligen Koordinatennetz
wird der funktionale Zusammenhang der vier Größen Az, t, %, ö für alle möglichen Kombinationen
untersucht. Zwei der vier Größen sind die rechtwinkligen Koordinaten x, y; die 3. ist die Blatt-
konstante p und die 4. die Kurvenkonstante k, Da eine Vertauschung der Koordinatenachsen kein
neues Diagramm liefert, bleiben £ X 4! — 12 verschiedene Möglichkeiten, die eingehend untersucht
werden. Hierbei ergibt sich, daß eine Diagrammart alle gestellten Forderungen erfüllt, Bei der
braktischen Entnahme besorgt das Auge die Interpolation für drei der Veränderlichen. Für die 4. sind
die Differenzen an berechnet und andersfarbig in das Diagramm eingedruckt, so daß die letzte
Schaltung mit Hilfe einer kurzen Tabelle ebenfalls leicht ausgeführt werden kann,
Da die praktische Verwirklichung solcher Diagramme einen erheblichen Aufwand an Zeichen-
arbeit erfordert, wurde auf Anordnung des Oberkommandos der Kriegsmarine im Jahre 1941 von der
Deutschen Seewarte probeweise 1 Band Azimutdiagramme für die Breiten 9 = 54° bis g=65° in
kleiner Auflage heransgegeben. Nachdem sie von allen Seiten günstig beurteilt worden sind, ist die
Herausgabe dieser Diagramme für alle Breiten in größerer Auflage in Vorbereitung.
\ir besondere Vorteile der neuen Azimutdiagramme müssen hervorgehoben werden:
Schnellste Ablesung; Vollständigkeit in bezug auf alle ö und t; gleiche Genauigkeit des
Azimutes an allen Stellen,
Schaltarbeit nur noch in einer Richtung (hierzu eine Tabelle).
Keine Vorzeichen- und Quadrantenregeln,
+, Keine Regeln für ö, @ ungleichnamig und keine Schwierigkeiten bei Az = 90°.
Zum Schluß wird die: erreichte Genauigkeit untersucht, sowie durch einige Beispiele der Ent-
nahme im Vergleich mit der Ebsen- und der ABC-Tafel die Einfachheit und Schnelligkeit der Azimut-
vstimmung mit den neuen Diagrammen gezeigt.
1. Einleitung, Anforderungen an die neuen Diagramme,
Die Berechnung des Azimutes spielt für den Nautiker, sei es bei der Berech-
nung und Zeichnung der Höhenstandlinien oder zur Kompaßkontrolle, eine be-
deutende Rolle; es fehlt daher nicht an sehr zahlreichen Hilfsmitteln, um diese
Berechnung möglichst zu vereinfachen,
Grundsätzlich kann man vier verschiedene Arten zur Bestimmung oder Be-
rechnung des Azimutes unterscheiden: |
a) Fertige Tabellen, aus denen das Azimut direkt entnommen werden kann.
b) Hilfstafeln zur Erleichterung der Berechnung des Azimutes.
2) Diagramme und Nomogramme.
d) Meßkarten und Rechengeräte,
Der Nachteil aller Tabellen ist das lästige Einschalten, oft in drei Richtungen;
die Hilfstafeln sind zwar meist sehr kurz, verlangen aber immer noch eine rest-
liche Rechenarbeit. Die Diagramme und Nomogramme haben sich bis jetzt nicht
allgemein eingeführt; nachteilig bei ihnen ist auch, daß meist noch eine Zeichen-
oder Einstellarbeit auszuführen ist, wobei auch die Papierdehnung in schwer
kontrollierbarer Weise eingeht. Tatsächlich gibt es aber nichts Einfacheres als
Diagramme, wenn nur alle Unbequemlichkeiten ausgeschaltet werden und der
Maßstab so gewählt wird, daß sie allen Ansprüchen an die Genauigkeit genügen.
Die Entstehungsgeschichte der in der nautischen Praxis gebräuchlichen
Azimuttafeln ist von Weyer (ı) und Meldäu (*) ausführlich genug gegeben
worden, so daß dieser Hinweis genügen dürfte. Eıne Aufzählung der wichtigsten
Azimuttafeln, Diagramme und Meßkarten findet man z. B. auch in Müller-Krauß
Ann, d, Hydr. usw. 1942, Heft XII