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Full text: 70, 1942

Kleinere Mitteilungen. 
der Wind nach kurzer Stille auf SW zurückgegangen (Stärke 3). Um 6h lief das 
Schiff bei ganz klarem Wetter in den Hafen und machte am Kai fest. Über uns 
zogen einige Strato-cumuli langsam nach NO, weit draußen über See im NW 
stand eine niedrige Wolkenbank, der wir aber nicht viel Aufmerksamkeit 
schenkten, da sie weder dunkel noch drohend aussah und der Wind, wie schon 
erwähnt, SW war. Luftdruck 757 mm, langsam steigend, tı 17.0°, Um 8h war 
das Wetter noch so vielversprechend, daß wir ohne Bedenken anfingen, die nach 
unserem Programm beabsichtigten Malarbeiten am Schiffe auszuführen. Um 8% 
bemerkten wir, daß die im NW stehende Wolkenbank verdächtig näher kam, 
obgleich der Wind aus SW wehte, Auch jetzt noch sah es aber nicht so aus, 
als ob Regen zu erwarten wäre. Um 9h hatten die äußersten Wolken, immer 
dunkler und drohender werdend, das Land erreicht und entpuppten sich als 
richtige Nimbi, Der Wind sprang plötzlich auf NW um, ohne an Stärke zuzu- 
nehmen, und ein anhaltender zeitweise heftiger Regen setzte ein, so daß auf den 
am Kai liegenden Frachtdampfern die Ladungsarbeiten eingestellt werden mußten. 
Bald war der Himmel gleichmäßig ganz bedeckt, und es regnete mit wenigen 
Unterbrechungen bis kurz vor Mittag, Der Wind war inzwischen um 10% auf 
W 2 bis 3 zurückgegangen. Luftdruck mittags 758 mm, tı 17.3°, 
Nicht unerwähnt bleiben darf die Dünung. Der Hafen von Casablanca wird 
gebildet durch einen parallel zur Küste laufenden Wellenbrecher, der im Süden 
das Land berührt und im Norden die Einfahrt offen läßt. Um 6h beim Einlaufen 
stand eine mäßige WNW-Dünung, die im Hafen kaum zu merken war. Um 9b, 
nach dem Einsetzen des Regens, nahm die Dünung schnell zu. Das hatten wir 
nicht erwartet; denn im allgemeinen schlägt heftiger Regen den Seegang nieder, 
und ein ausgesprochenes Tief befand sich nicht in der Umgebung. Eine halbe 
Stunde später konnte man die Dünung beinahe mit „hoch“ bezeichnen. Es lief 
eine gewaltige Brandung gegen den Wellenbrecher, trotz der Ebbe brach das 
Wasser über ihn hinweg. Doch konnten wir uns diesem imposanten Schauspiel 
nicht hingeben, denn es waren schon zwei Drähte unserer Vertäuung gebrochen. 
Wir mußten uns ganz umstellen, alle Drähte durch Manilatrossen ersetzen und 
den ganzen Tag und Abend klarstehen, da das Schiff sehr unruhig lag und 
fortwährend lose eingehievt werden mußte, Denn unsere neuen Trossen reckten 
sich fortwährend, Gegen Abend brachen auch zwei unserer älteren Manilatrossen, 
da sie sich nach der stundenlangen, äußerst starken Beanspruchung nicht mehr 
reckten. Es mußten einige dicke Querleinen von Land gemietet werden, die 
verblüffend schnell zur Stelle waren. Gleich nach Mittag brachen bei drei 
Frachtdampfern, deren Kaiplätze nicht so günstig waren wie der unsrige, die 
Vertäuungen, Die Schiffe fuhren in besorgniserregender Weise am Kai hin und 
her, bis Schlepperhilfe kam und sie im Vorhafen verankert wurden. Die Signal- 
station zeigte ein Signal, das vor Ein- und Ausfahrt warnte, 
Doch zurück zum weiteren Verlauf der Witterung. Gleich nach Mittag ging 
der Regen in einen ganz feinen nebelartigen Staubregen über und hielt bis 13h an 
während der Wind wieder, gleiche Stärke (3) behaltend, auf SW drehte und der 
Luftdruck wieder langsam zu fallen begann. Es blieb noch bis 14h ganz bedeckt 
und klarte dann allmählich auf. Bei Sonnenuntergang war die Bewölkung wie 
beim Sonnenaufgang: heiteres vielversprechendes Wetter. Aber es zeigte sich wieder 
eine ähnliche Wolkenbank wie morgens im NW, die näher kam. Wind SSW 3, 
Luftdruck wieder steigend. Gegen 19h setzte wieder heftiger Regen ein, der zwei 
Stunden lang anhielt. Um Mitternacht, als wir den Hafen verließen, war es 
wieder ganz klar. In der Grundsee, die bei dem Molenkopf einige Minuten lang 
querein war, holte das große, nicht zu steife Schiff einige Male außerordentlich 
weit über. Die Wellenkämme zeigten ein auffallend weißes Meeresleuchten. 
Der vorstehend geschilderte Wetterablauf ist insofern bemerkenswert, als 
der Beobachtungstag nach der sommerlichen Trockenzeit wieder der erste 
Regentag in Casablanca gewesen ist. Gustav Schröder. 
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