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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 70 (1942)

356 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1942, 
lange Reihe seiner Veröffentlichungen bekunden eindrucksvoll die große Weite 
seines Wirkungsfeldes: Über astronomisch-geodätische Arbeiten, über gravime- 
trische Forschungen zur Landesvermessung, ja bis zur eigentlichen Vermessungs- 
technik reichte seine Arbeits- und Einflußsphäre. Denn nicht nur in der Wissen- 
schaft an sich, sondern auch in deren Organisation im Rahmen nationaler und 
internationaler Vereinbarungen war Geheimrat Kohlschütter führend tätig. 
Wir erinnern an seine Amtszeit als Vorsitzender des Deutschen Beirates für 
Vermessungswesen, an die Zeit der Verfehmung deutscher Wissenschaft und 
ihrer Ausschaltung aus den internationalen Körperschaften und schließlich an 
die Vertretung Deutschlands durch Ernst Kohlschütter bei der Internationalen 
Geodätischen Union. 
Hochgeehrt finden wir Professor Kohlschütter am Ende seiner Amtszeit 
und zum 70, Geburtstage: U, a. wurde er von der Technischen Hochschule Danzig 
zum Dr.-Ing. e. h. promoviert und vom Führer mit der Goethe-Medaille für Kunst 
und Wissenschaft ausgezeichnet, 
Zu Beginn dieses Krieges trat er — aus seiner Emeritierung kommend — 
wieder bei seiner alten Wirkungsstätte, dem jetzigen Oberkommando der Kriegs- 
marine, als Ministerialrat ein, wo er sich seinem ursprünglichen Aufgabenkreis, 
der Nautik, mit gewohnter Aktivität und Gründlichkeit erneut zu widmen begann. 
Doch rasch und unerbittlich vollzog sich sein Geschick. Noch vor drei 
Monaten folgten wir dem alten Herrn, dem 72jährigen akademischen Turner, 
nur mit Mühe in sein hochgelegenes Amtszimmer, wo er voll von Ideen, Plänen 
und Arbeiten unermüdlich schaltete und waltete. Vor zwei Monaten präsidierte 
er einer Versammlung der hervorragendsten Vertreter der geodätischen Wissen- 
schaft bei einer Besprechung über die Stellung Deutschlands in der Internationalen 
Geodätischen Union. Vor kürzester Frist noch gab er vom Krankenbett aus — 
in der von seinen Mitarbeitern geteilten Meinung, es handle sich nur um eine 
kurze, vorübergehende ärztliche Beobachtung — Weisungen über nächstliegende 
Arbeiten. 
Ergriffen stellen wir heute fest, daß die deutsche Wissenschaft einen glän- 
zenden Namen verloren hat, in dessen Träger der Wille zur schöpferischen Tat 
in diesen hohen Tagen lebendig war wie nur je! 
Eckart Lindinger, z. Z. Hamburg, Deutsche Seewarte. 
Veröffentlichungen Ernst Kohlschütters in den Annalen der Hydrographie usw. 
1903: Folzerungen aus den Koßschen Kimmtiefenbeobachtungen zu Verudella. — 1904: Kimm- 
prisma. — 1906: Stereophotogrammetrische Aufnahmen auf S. M. 8. „Planet“. — Vorschlag eines 
aubmarinen Pendelapparates zur Messung der Schwerkraft an den vom Meere bedeckten Teilen der 
Erdonerfläche, — 1909: Einheitliche Methoden für die astronomische Ortsbestimmung im Ballon. — 
Beobachtungen von Sternen bei Tage. — 1910: Betrachtungen über Höhenstandlinien im allzemeinen 
und ihre Auwendung auf die astronomische Urtsbestimmung im Ballon im besonderen. — Der Azimut- 
stab von R. Nelting. — 1911: Höhenazimut-Rechenstab. — 1912 u. 1913: Die internationale Zeit- 
konferenz zu Paris vom 15. bis 23. Oktober 1912. — 1930: Die Weiterentwicklung des Internationalen 
Forschungsrates [Research Couneil]. — 1931: Das Ende des Internationalen Forschungsrates und die 
Satzungen der Internationalen Vereinigung für Gendäsie und Geophysik. 
Kleinere Mitteilungen. 
Klimatographische Witterungsschilderung. Nr. 165: Marokko. — Aus der 
Sammlung des überseeischen meteorologischen Dienstes der Deutschen Seewarte. — 
Verlauf eines Regentages in Casablanca. Tag der Beobachtung: 
4. Oktober 1935. 
Die folgende Witterungsschilderung dürfte nicht nur für den Meteorologen, 
sondern auch für den Seemann von Interesse sein, da sie zeigt, wie schnell und 
unerwartet den Schiffen ein Strich durch ihr Programm gemacht werden kann, 
Nachdem auf der Fahrt von Gibraltar südwestwärts an der Küste entlang 
am Abend vorher SW-Wind geweht hatte, der bei steigendem Luftdruck nach 
NW drehte und von einzelnen Regenböen (Stärke 4) begleitet war, wurde am 
4, Oktober 1935 morgens um 4b Casablanca angesteuert. Eine Stunde vorher war
	        
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