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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 70 (1942)

Spangenberg, W. W.: Christian Jensen zum 75. Geburtstag. 355 
mit einer Arbeit über Bartflechten promovieren. Seinem größten Interesse folgend, 
wandte er sich dann aber der Meteorologie und im besonderen der atmo- 
sphärischen Optik zu. Mit einer Dissertation über die Photometrie des Himmels 
promovierte er im Jahre 1898 bei Prof. Leonard Weber in Kiel. Sein Haupt- 
arbeitsgebiet wurde nun die Sonnen- und 
Himmelsstrahlung unter besonderer Beach- 
tung der atmosphärischen Polarisation, doch 
hat er auch rein physikalisch gearbeitet, 
wovon einige wichtige Publikationen be- 
richten. Im Jahre 1911 veröffentlichte er 
zusammen mit Prof. Busch die bekannten 
„Tatsachen und Theorien der atmosphäri- 
schen Polarisation“, die: auch heute noch 
als Standardwerk auf diesem Gebiet gelten 
können. 1914 wurde er zum Professor er- 
nannt. Im Mai 1914 führte er mit W. Kol- 
hörster und P, Perlewitz eine wissen- 
schaftliche Ballonfahrt durch, bei der An- 
deutungen der Höhenstrahlung erhalten 
wurden. 1918 kam er zur Durchführung 
seiner Arbeiten für einige Zeit an das Aerolo- 
gische Observatorium Lindenberg. Seit 1923 
gibt er die bekannte Schriftenreihe „Pro- 
bleme der kosmischen Physik“ heraus. Seit 
längerer Zeit ist er auch Vorstandsmitglied 
der Vereinigung von Freunden der Astrono- 
mie und kosmischen Physik (VAP.). Jensen 
ist einer der unermüdlichsten Verfechter 
der atmosphärischen Polarisationsforschung, 
die ihm viel zu verdanken hat. Auch in den 
„Annalen usw.“ hat er eine Reihe wichtiger Arbeiten veröffentlicht [Probleme 
der atm. Polarisationsforschung, 1930 S. 360, Strahlungsmessungen in Lindenberg, 
1941 S, 8, Strahlungsmessungen in Hamburg 1941, S. 110, Dem Andenken Dornos, 
1942 S. 295 u.a. In Vorbereitung ist eine größere Arbeit über Messungen der 
neutralen Punkte in Windhuk]. Jensen ist es auch zu verdanken, daß gerade 
dieser Zweig der Geophysik in letzter Zeit wieder erheblich an Interesse und 
Wert gewonnen hat. — Vor wenigen Wochen wurde ihm seine Gattin durch den 
Tod entrissen, für Jensen ein schwerer Verlust, über den auch ein noch so 
unermüdlicher Arbeitseifer kaum hinweghelfen wird. Prof, Jensen steht heute 
noch mitten im wissenschaftlichen Wirken und hat Pläne für Jahre hinaus, 
W. W. Spangenberg. 
Ernst Kohlschütter +. 
Am 18. Oktober d. J. ist der Wirkl. Admiralitäts-Rat Professor Dr, Ernst 
Kohlschütter im 73. Lebensjahre verschieden, 
In Halle/S. am 11. Juli 1870 als Sohn des Mediziners Professor Dr. Ernst 
Kohlschütter geboren, studierte er ebendort sowie in Straßburg, Kiel und 
Paris Astronomie und wurde in Kiel zum Dr. phil, promoviert. 
Nach einjähriger Assistententätigkeit bei Auwers ging er als Astronom der 
Deutsch-Englischen Kommission zur Regulierung der Grenze zwischen dem 
Nyassa- und dem Tanganjika-See nach Afrika und begleitete anschließend in 
gleicher Eigenschaft die Ostafrikanische Pendel-Expedition der Kgl. Gesellschaft 
der Wissenschaften zu Göttingen, 
Seit 1901 wirkte Kohlschütter als Astronom des Reichs-Marine-Amtes. 
Seine 1914 erfolgte Berufung zum Ordentlichen Professor der Universität Berlin 
und. schließlich zum Direktor des Geodätischen Institutes in Potsdam sowie die
	        
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