342 Annalen der Hydrographie uud Maritimen Meteorologie, November 1942,
Wir hatten eben gesehen, daß sämtliche aus den Perioden errechneten Jahres-
anomalien mit den beobachteten einen Korrelationskoeffizienten von + 0.67 haben.
Nun errechnen wir denselben Koeffizienten aus denjenigen Jahren, in denen
mindestens vier bzw. fünf der verwendeten sechs Perioden (einschl. Sonnenflecken-
maximum) das gleiche Vorzeichen haben. Die Kff. sind 0.65 bzw. 0.91; also erst
wenn fünf Perioden das gleiche Vorzeichen haben, was in den 135 Fällen 19mal
stattfand, ist die Wahrscheinlichkeit für das Zutreffen des errechneten Wertes
groß. Da nun auch beim Zusammentreffen von weniger als fünf Perioden gleichen
Vorzeichens manchmal große Anomalien herauskamen, wurden auch noch alle
vorausgerechneten Werte herausgezogen, die 1.0° oder mehr betrugen, und mit
den tatsächlich eingetretenen korreliert. Der Kkf. betrug +0.89, und es kam
nur einmal unter 29 Fällen vor, daß die errechnete Anomalie ein anderes Vor-
zeichen hatte als die beobachtete. Damit ist also gezeigt, daß mit den ver-
wendeten sechs Perioden die wesentlichsten Ursachen der Temperaturanomalien
rechnerisch erfaßt sind,
Aus der schon mitgeteilten Tatsache, daß der Kkf. aus allen Werten des Zeit-
raums 1880 bis 1920 klein ist, ist im Vergleich mit dem vorigen Absatz zu schließen,
daß sich in diesem Zeitraum nur wenige zahlenmäßig große Werte errechnen lassen.
Nun war aber schon früher festgestellt worden (S, 153, Heft V), daß die Streuung
der gemessenen Jahresmittel gegen die letzte Jahrhundertwende stark abgenommen
habe. Nachrechnung ergibt, daß auch die Streuung der errechneten Jahresmittel
parallel dazu abnimmt, und zwar besteht zwischen den beiden Streuungen (aus
je 15 Jahren übergreifend über das gesamte Material gebildet) ein Kkf. von 0.85!
Das heißt aber nichts anderes, als daß sich die geringe Veränderlichkeit der
Jahresmittel gegen Ende des letzten Jahrhunderts lediglich aus der Interferenz
von Perioden erklären läßt. Damit wäre also ein wesentlicher Unter-
schied zwischen dem Klima zu Anfang und zu Ende des 19. Jahr-
hunderts zwanglos erklärt, ohne daß man zur Erklärung irgendeine
kontinuierlich veränderliche Größe, wie z.B. grundsätzliche Verände-
rung der zugestrahlten Sonnenenergie, zu Hilfe nehmen muß,
Des weiteren war auf Seite 153 gezeigt worden, daß sich in der Streuung
der Temperatur die Brückner-Schwankung sehr stark ausprägt. Wenn aber
die Korrelation zwischen der berechneten und der beobachteten Streuung so groß
ist, wie im vorigen Absatz angegeben (r = -} 0.85), so kann man erwarten, daß
auch die Brücknersche Schwankung in den konstruierten Werten enthalten ist,
In der Tat findet man in diesen Werten ebenfalls eine 35jährige Periode, deren
Amplitude allerdings nur halb so groß ist wie die aus den Beobachtungen ge-
wonnene, Immerhin ist damit wahrscheinlich gemacht, daß sowohl das zweimalige
Auftreten der Brückner-Periode zu Anfang des 19. Jahrhunderts sowie das Aus-
bleiben markanter Schwankungen zu Ende des 19. Jahrhunderts auf ein und dieselbe
Ursache, nämlich Interferenz von 13-, 15-, 18jährigen Wellen (die sich nicht durch
Sinuskurven darstellen lassen) und des Sonnenfleckenrhythnus zurückzuführen sind).
Sogar die Einzelwerte, aus denen die konstruierten Sıreuungen gebildet werden,
also die errechneten Anomalien, zeigen eine Häufung von Extremwerten alle
30 bis 40 Jahre.
Dies Ergebnis steht in scheinbarem Widerspruch zu dem auf Seite 153 (Heft V)
dargestellten Zusammenhang zwischen Mitteltemperatur und ihrer Streuung, Dort
war gezeigt, daß — großzügig betrachtet — die Streuung parallel zur Mittel-
temperatur verläuft, daß aber die Streuung groß sei zu Zeiten großer Sonnen-
fleckentätigkeit und umgekehrt. Man kann also das durt gewonnene Ergebnis
in die Formel fassen _
m=8-.T+b-S+ec.
(g:p = Streuung der Temperatur, T = Mitteltemperatur, S = Sonnenfleckenrelativzahl über den gleichen
Zeitraum gemittelt, aus dem die Streuung und die Mitteltemperatur berechnet werden, a&, b und c
= Konstante.)
Wenn wir nun aber im Periodizitätenstudium zu dem Schluß kommen, daß
man Betrag und Verlauf der Streuung mit hinreichender Genauigkeit aus den
YaAnm.: N achprüfung ergab, daß P,, und P,. nicht wesentlich an diesem Phänomen beteiligt sind.