Schott, G.: Die Grundlagen einer Weltkarte der Meeressträmungen, 335
der neuesten Untersuchungen der John Murray - Expedition benutzt, die
G. Stiasny!) im voraus veröffentlichen konnte, sowohl für die Periode des
Nordwinters als auch für die des Nordsommers. In ihr kommen die gefährlichen
Querversetzungen, besonders in der südlichen Hälfte des Meeres, zum Ausdruck,
außerdem auch der im Nordwinter bei den meisten Einzelreisen auf den Dampfer-
wegen unter etwa 17 bis 16° N-Br, scharf hervortretende Gegensatz zwischen
Triften von Norden und Triften von Süden; die ersteren führen Rotes Meer-
Wasser, die zweitgenannten beigemischtes Wasser des Arabischen Meeres, was
Sich auch in der physikalisch-chemischen Beschaffenheit deutlich bemerkbar
macht. Zweifelhaft mag bleiben, ob die für den Nordwinter nahe der arabischen
Küste eingezeichnete Tendenz zu Triften nach Norden stets oder vorwiegend
bis 23° N-Br. vorhanden ist. Im Persischen Golf beruhen die eingezeichneten
Strompfeile wesentlich auf indirekten Schlüssen aus der Salzgehaltsverteilung,
wozu man das Sonderheft in den Annal, der Hydrogr. 1918 über Ozeanographie
und Klimatologie des Golfes vergleiche.
Im tropischen Indischen Ozean genügen die 2 Karten für den Nordwinter
(Februar) und den Nordsommer (August) leider bei weitem nicht, um dem von
Monat zu Monat erfolgenden starken Wechsel der Naturverhältnisse nachzu-
kommen. Auf der Hauptkarte verdient die Stromgrenze Beachtung, die im
Nordwesten von Kap Comorin beginnt und unter etwa 10° N-Br. nach Westen
bis 60° O-Lg. verfolgbar ist; sie stellt den Zusammenschluß der aus der Bucht
von Bengalen um Ceylon herum kommenden Wassermassen (Bewegungsrichtung
nach WNW) mit den aus dem nördlichen Arabischen Meer stammenden Wasser-
massen (Bewegungsrichtung nach WSW) dar. Das Ganze kann man Nordost-
monsun-Strom benennen, Die hiermit zusammenhängenden interessanten großen
Gegensätze im Oberflächensalzgehalt sind u. a. vom Verfasser ausführlich früher
besprochen?),
Im übrigen liegt dem Strombild des offenen Indischen Ozeans hauptsächlich
eine Durcharbeitung des großen holländischen Atlasses?) zugrunde. Bei dem
Südäquatorialstrom erscheint nützlich die Berücksichtigung der starken jahres-
zeitlichen Schwankung seiner Beständigkeit und Geschwindigkeit. Im Südsommer
(Hauptkarte) sind beide Eigenschaften nur gering entwickelt, im Südwinter
(Nebenkarte) dagegen hervorragend stark; dabei liegt der „Stromstrich‘“ beide
Male unter ungefähr 10 bis 15° S-Br. Die Jahresperiode hängt mit einer ent-
sprechenden Periode der Stärke des SE-Passates zusammen, der im Südwinter
steif, nicht selten fast stürmisch weht. Beispielsweise verzeichnete der Segler
„Peter Rickmers“ im Juli 1892 zwischen der Sunda-Straße und Mauritius inner-
halb 12 Tagen eine Gesamtversetzung nach WSW um 354 sm = 30 sm/Etmal,
maximal einmal sogar 41 sm. Diese Geschwindigkeitssteigerung im Südwinter tritt
übrigens auch aus den 2 Strömungskarten von G. Michaelis‘) bereits heraus,
Für die Gewässer aus der näheren und weiteren Umgebung Madagaskars
liegt zwar eine besondere Untersuchung von H. Paech®) vor, doch erschien es
nicht angebracht, die Unzahl der daselbst angenommenen Singularitäten in die
Weltkarte zu übernehmen, so verwickelt die Stromverhältnisse hier sein mögen.
Die Karten Paechs lassen erkennen, daß die Anzahl der Stromversetzungen in
den überwiegenden Fällen hier zu gering ist, um die Zeichnung zu sichern.
Immerhin konnten auf einigen Strecken, z. B. an der ostafrikanischen Küste
und für die Gegend bei Kap Amber (Nordspitze Madagaskar) die errechneten
Geschwindigkeitslinien mit Vorteil benutzt werden,
Die Lage der subtropischen Konvergenz in dem Raume zwischen Südafrika
und Südaustralien ist außerordentlich unsicher und heute, bei dem fast voll-
kommenen Mangel an Schiffsbeobachtungen in einigen östlichen Teilen, noch
1) Die Seyphomedusen des Roten Meeres. Verhandl. Kon, Nederl. Akad, Wetensch. Afdeel.
Natuurkunde, IL, Sectie. Deel 37. Nr, 2. S, 11. Amsterdam 1938. — ?) Die Verteilung des Salz-
gehaltes in der Oberfläche der Ozeane, Annal, d. Hydrogr 1928, S. 153—156. — % Kon, Nederl.
Meteorol, Instituut, oceanogr. en meteorolog. waarnemingen in den Indischen Oceaan, 4 Bände,
Amsterdam 1924 —1930, — 4) Wasserbewegungen des Indischen Ozeans, Veröff. Inst. f, Meereskunde,
N. F, Heft 8. Berlin 1923. — 5) Oberflächensträmungen um Madagaskar. Ebends Heft 16. Berlin 1926.