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Full text: 70, 1942

380 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1942, 
läufen ist verlassen, obschon, äußerlich gesehen, ein solches Bild sich immer 
wieder angenähert ergibt. Die heutzutage bevorzugte Benutzung einzelner 
Strompfeile, die ja eigentlich aufgelöste Stromlinien darstellen, bildet die Unter- 
lage, wobei die naturgemäß vorhandene Kontinuität der Strömung leicht etwas 
in den Hintergrund gerät. 
Soweit irgend tunlich, wurde in erster Linie die örtlich verschiedene Ge- 
schwindigkeit und Beständigkeit herausgearbeitet. Die Geschwindigkeit ist 
in Stufen von !/, zu !/, Knoten abgebildet, wobei als untere Grenze < 12 sm im 
Etmal, als obere Grenze > 36 sm im Etmal gewählt wurde, Die Geschwindigkeits- 
unterschiede sind durch Stärke-, d. h. Dickenunterschiede der Pfeile gekenn- 
zeichnet. Die Beständigkeit der Oberflächenbewegungen findet in der Länge der 
Sırompfeile ihren Ausdruck, ebenfalls nach wier Stufen gesondert mit den An- 
gaben „unbeständig“, „ziemlich beständig“, „beständig“ und „sehr beständig“; diese 
Worte dürften zahlenmäßig ungefähr mit dem Satze „< 25 %, 25 bis 50 %, 50 bis 
75% und > 75% der Versetzungen zielen in die Richtung des Strompfeiles“ 
übereinstimmen. 
Die hiermit für die Abbildung der zwei Haupteigenschaften einer Meeres- 
strömung gewählte Methode stimmt z. B. mit der von W. Köppen‘!) bei seinen 
Windkarten der Ozeane benutzten Methode grundsätzlich überein; man findet 
sie auch in meinen zwei Büchern über die Geographie der Ozeane?), und ander- 
wärts, etwas abgeändert in den holländischen großen Kartenwerken®), Die 
Methode weicht aber von der im Institut für Meereskunde-Berlin bevorzugten 
Methode ab; die bekannte Darstellung der atlantischen Strömungen durch Hans 
A, F, Meyer bringt alle Strompfeile in gleicher Länge, die Geschwindigkeits- 
unterschiede sind nur durch unterschiedliche Befiederung, die Beständigkeits- 
unterschiede durch unterschiedliche Dicke der Strompfeile kenntlich gemacht‘), 
Das Auge ist nach meiner Erfahrung nicht recht imstande, bei dieser Methode 
beide Haupteigenschaften einigermaßen und gleichzeitig zu erfassen; man muß 
sich dann schon Hilfslinien einzeichnen. Für seemännisch-praktische Zwecke 
dürfte jedenfalls die in der neuen Weltkarte benutzte Methode vorzuziehen sein; 
übrigens hat Hans Meyer selbst 8. Zt. in einer kleinen Textkarte des Agulhas- 
strom-Gebietes (a. a. O. S. 30) die Beständigkeitsstufen auch durch verschiedene 
Pfeillänge mit Vorteil unterschieden, 
Das an sich sehr wichtige Moment der Zuverlässigkeit des einzelnen Strom- 
pfeiles auf Grund der Zahl der verfügbaren Stromversetzungen überhaupt konnte 
hier einen kartographischen Ausdruck nicht finden; der Versuch dazu hätte die 
Arbeitszeit um mindestens ein Jahr verlängert und wäre besonders im Bereiche 
des Stillen Ozeans nutzlos gewesen, auch sei in dieser Hinsicht auf die oben 
S, 329 stehende allgemeine Bemerkung über unsere heutigen Strömungskenntnisse 
hingewiesen. 
Einen wichtigen Fortschritt der neueren Meeresforschung bringt nunmehr 
auch die Weltkarte zum Ausdruck, nämlich die hauptsächlichsten Konvergenz- 
und Divergenzlinien, so unsicher viele noch bekannt sind. Die hierzu 
gültigen Linien (grün gedruckt) geben der gesamten Darstellung einen inneren 
Halt. Eine Aufspaltung oder die Divergenz einer Meeresströmung hatte man 
schon immer zugelassen, z. B. die des atlantischen Südäquatorialstromes in der 
Nähe von Kap San Roque. Der Zusammenschluß oder die Konvergenz zweier 
Meeresströmungen auf einer größeren Fläche, innerhalb deren die Linie selbst 
mehr oder weniger wandert, ist das physikalisch notwendige Korrelat der 
Divergenz und ein exakter Ersatz der früheren Vorstellung von „stromlosen“ 
Strecken besonders im Bereiche der früheren „Stromringe“. Für die praktische 
Seemannschaft sei dabei hinzugefügt, daß beide Vorgänge sich durch Wirbel 
an der Oberfläche bemerkbar zu machen pflegen, und daß sie natürlich mit 
') Deutsche Seewarte, Atlas des Stillen Ozeans, Taf. 18 u. 19. Hamburg 1896 u.s.f. — 
') Atlant, Ozean, 3. Aufl, Taf. 22. Hamhurg 1942. Indischer und Stiller Ozean, Taf. 29 u. 30, 
Hamburg 1935. — % Beispielsweise zuletzt in Kon, Nederl, Meteorol. Inst., Publ. No. 115. Oceanoxr, 
Waarnemingen in de Chines, Zeeen. ’s Gravenhage 1935/36. — *) Oberfl. Strömungen des Atlant. 
Oz. im Febr, Veröffentl. Inst. f. Meereskunde, N. F. Heft 11. Berlin 1923; neue Ausgabe (G. W üst) 
im Sonderband der Zeitschr. d. Ges. f. Erdkunde, Taf. 35. Berlin 1928.
	        
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