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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 70 (1942)

Meißner, O.: Über die Temperaturen der Berliner Sommer von 1771 bis 1900. 325 
nicht den Zufallsgesetzen entsprechend; vielmehr finden sich in den ausführ- 
lichen Tabellen sowohl Häufungsstellen wie Lücken, So ist von 1771 bis 1802 
kein einziges Mal der Juni um über 4° wärmer gewesen als der folgende Juli?); 
von 1803 bis 1814 aber viermal. Der August war in den 24 Jahren von 1800 
bis 1823 sechsmal um mindestens 1,6° wärmer als sein Vorgänger. Mehr als die 
Hälfte aller Fälle, in denen der Juni um mindestens 3° kälter als der August 
desselben Sommers war, fallen auf die 50 Jahre von 1771 bis 1821. Überhaupt 
(also nicht bloß um mindestens 1°) wärmer als der August war der Juni von 
1771 bis 1800 volle elfmal, allein in den sieben Jahren 1782 bis 1788 fünfmal. 
Auch in den zwölf Jahren 1827 bis 1838 trat dies immerhin fünfmal ein. 
Was die absoluten Werte der Temperatur betrifft, so waren diese den 
relativen entsprechend, wenigstens in bezug auf die Vorzeichen. Eine genauere 
Prüfung ergibt: unter I der Tab. 17 war der Juni im Mittel um 2.3° zu kalt, 
der folgende Juli aber nur um 1*/,° zu warm, also keine volle Kompensation, 
Dagegen war (II in Tab. 17) bei den abnorm warmen Junimonaten der Juli 
ebensoviel kälter; hier hatte also ein Ausgleich stattgefunden. Für Juli und 
August gilt fast das gleiche: bei einem relativ zu kalten Juli kompensiert der 
folgende August?) das Wärmedefizit nicht völlig. Bei den im Verhältnis zum 
August extremsten Julimonaten ist beide Male das Mittel etwas zu tief. Wegen 
der großen Streuungen sind diese Ergebnisse aber als in keiner Weise gesichert 
zu betrachten. 
17. Aufeinanderfolge zu warmer und zu kalter Monate. Tab. 18 zeigt, wie 
oft die Sommermonate hintereinander zu warm oder zu kalt waren. Es waren 
also in diesen 130 Jahren z. B. 14mal zu warme Junis, denen ein zu kalter 
vorausging und folgte. Einmal trat eine Periode ein, in der 12mal hintereinander 
jeder Juni zu kalt war: es war von 1798 bis 1810. Von 1868 bis 1877 folgten 
zehn zu warme Julis aufeinander. 
Tabelle 18. 
Häufigkeit der Aufeinanderfolge zu warmer oder zu kalter Sommermonate. 
Berlin 1771 bis 1900. 
Jahre 
hintereinander 
Juni 
zu warm | zu kalt 
August 
zu warm! zu kalt zu warm | zu kalt 
Juli 
EB 
PA 
Im ganzen waren die zu warmen Juni- und Julimonate in der Überzahl; 
dagegen war es im August gerade umgekehrt. In 55% aller Fälle war der 
Juni und Juli zu warm, der August zu kalt. 
Das in Tab. 20 noch aufgeführte Zeitglied zeigt, daß in den vorliegenden 
70 Jahren keine bemerkliche eindeutige Veränderung in der Zahl der Sommer- 
tage aufgetreten ist; wohl aber haben die Streuungen der Sommer mit der 
Zeit sehr merklich abgenommen, wie der hohe Kf. von 0.93 für sie beweist. 
Die Einzelmonate lassen das allerdings weniger deutlich erkennen, ja beim Juni 
ist das Vorzeichen sogar umgekehrt. Es zeigt sich also auch hier wieder, daß 
‘) Wohl aber in noch früheren Zeiten dreimal; besonders 1788, wo der Juni nur 12.6° Mittel- 
temperatur hatte; aber die hier vorliegenden Kirchschen Beobachtungen lassen sich mit den 
übrigen, weil dem Großstadteinfluß nicht unterworfen, nicht streng vergleichen, wie ich andernorts 
gezeigt habe (A.N.). — ?% Wie es mit dem ganzen Sommer steht, habe ich nicht weiter untersucht,
	        
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