Meißner, O.: Über die Temperaturen der Berliner Sommer von 1771 bis 1900. 323
14. Vergleichung der Streuungen. Wenn man die Streuungen der Werte aus
Tab. 6 (nicht 7) vergleicht, so kommt man, wie Tab. 13 zeigt, zu folgenden Er-
gebnissen. Die Streuungen der Maxima sind größer als die der Mittel und der
Minima, und die der absoluten Extreme größer als die der mittleren, was ja
zwar auch zu erwarten war, doch kann man in solchen Fällen keine Schlüsse
nach dem „Gefühl“ machen. Im Juli sind alle Werte am größten. Das Ver-
hältnis der durchschnittlichen Abweichung zur Streuung entspricht nahezu dem
theoretischen Wert. Diese Beziehungen sind für alle drei Monate so gleich-
mäßig, daß die hierfür gebildeten Kff. der Einheit sehr nahekommen; wenn
man an sich auch drei Werte eigentlich nicht „korrelieren“ sollte, so ist dies in
unserm Fall wohl zulässig. — Die Korrelation zwischen Juni und August ist
etwas geringer als die zwischen den Nachbarmonaten, Das deutet wohl darauf
hin, daß die Korrelation noch geringer würde, wenn man noch weiter entfernte
Monate nähme; diese Extrapolation kann hier nicht geprüft werden, obwohl sie
sich wahrscheinlich bewähren würde.
15. Vergleichung der Sommer nach der größten Temperaturdiiferenz. Nach
den Tab. 6 ist die größte Temperaturdifferenz der drei Sommermonate 1.4°, und
zwar zwischen Juni und Juli. In den Einzeljahrgängen ist das natürlich nicht
immer der Fall, wie dies ja schon in früheren Abschnitten (Folgezahlen u. a. a. 0.)
dargelegt ist. Berechnet man nun die jeweils größte Temperaturdifferenz, so
zeigt sich, daß die weitaus größte Mehrzahl der Sommermonate eine bedeutend
größere Differenz aufweist. Nach Doppeljahrzehnten (nur im Beginn der Reihe
sind ihrer drei zusammengefaßt) und nach von Grad zu Grad fortschreitenden
Stufen der Differenz geordnet ergibt sich Tab. 14.
„Gleichmäßig temperierte Sommer“ — mit höchstens 1° Unterschied zwischen
den Monatsmitteln — sind nur in 10% aller Fälle aufgetreten, „normal tempe-
rierte“, wenn man hierher alle Sommer mit Unterschieden zwischen 1° und 2°
rechnet, auch nur 33, d.h, 25%. Zwei Drittel aller Sommer hatten größere
Temperaturunterschiede, Die drei extremsten Sommer nach beiden Richtungen
hin seien hier kurz zusammengestellt:
Nach Tab. 15 sind nun zwar
die drei gleichmäßigst tempe-
rierten Sommer um 1.64° kühler
als die drei extremsten. Die
Streuung beträgt fast ebensoviel,
-+1.29°%° Man muß dies also als
Zufall ansehen; das ergibt auch
ein Blick auf die Mittelwerte in
Tab. 14. Denn wenn auch der
Kf. zwischen Temperatur und
Größe der maximalen Tempe-
raturdifferenz den hohen Wert
- von -+ 0.92 erreicht, so ist dies
Rechenergebnis — trotz des kleinen mittleren Fehlers von + 0.04 — deshalb
als illusorisch zu betrachten, weil die Differenz zwischen den einzelnen Kategorien
der Sommer im Maximum nur 0.16° + 1.10° beträgt, also nur einen kleinen
Bruchteil der Unsicherheit. Demnach ist die Größe des Temperaturunterschiedes
der Sommermonate von ihrer absoluten Temperatur!) praktisch völlig unab-
hängig. Das war keineswegs so ohne weiteres zu erwarten. Es hängt diese
Differenz also nicht mit dem Charakter: des Sommers, ob maritim-kühl oder
kontinental-heiß, zusammen,
Ein „zeitlicher Gang“ im Sinne, daß diese Temperaturdifferenzen allmählich
geringer geworden wären, läßt sich in gewissem Grade feststellen. Wenn man
*) Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um die absolute Temperatur im Sinne der
Physik, die um 273° höher als die hier wie stets in der angewandten Meteorologie benutzte
Uelsiusskala ist (strenggenommen die Linnesche, da C, mit 0° den Siedepunkt und mit 100° den
Eispunkt bezeichnet hatte).